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Gewässerbeschreibung Ruppiner Gewässer und Rhin

Letzte Änderung: 22. Juli 2019

Kanu fahren auf den Rhingewässern nach oben

Map data © OSM (License)

Diese Gewässerlandschaft in Brandenburg besticht durch ihre Ruhe und teilweise schon sehr überraschende Urwüchsigkeit, die man an sehr vielen Abschnitten im Kanu erleben kann. Sie ist von Kanuwanderen bisher relativ wenig genutzt, wohl weil sie zu unbekannt ist. Das möchten wir hiermit ändern.

Wir haben auf allen genannten Gewässern eine sehr lebendige Natur, in der es keinesfalls ungewöhnlich ist, Eisvögel, Kraniche, Seeadler, Fischadler, Otter und Biber anzutreffen. Letztere beiden sind allerdings überwiegend dämmerungsaktiv, doch wer still und aufmerksam dahinpaddelt, wird auch mal das Glück haben, sie bei Tage zu Gesicht zu bekommen. "Beobachten" wie es in diversen Prospekten angepriesen wird, lassen sie sich jedoch kaum, dazu sind sie die Nähe des Menschen nicht genug gewöhnt. Das gilt für alle Gewässer.

Oft hört man ihre Nagegeräusche, und die jungen Biber hört man mitunter leise fiepen oder ihre Schmuselaute von sich geben. Die Fischotter machen sehr vielfältige Geräusche, man muss lernen, sie zu erkennen, und man muss sehr offen, aufmerksam und leise sein. Wir wünschen allen, die auf diesen aussergewöhnlichen Gewässern mit ihrem Kanu unterwegs sind, viel Ruhe und Freude.

Lindow mit einem Abstecher in den Vielitzsee nach oben

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Zum Start einer Kanutour über die Ruppiner Gewässer empfehlen wir die kleine Stadt Lindow-Mark. Sie verfügt über einen Bahnhof, und da weitere Städte an den Ruppiner Gewässern Bahnanschluss haben (wie z.B. Neuruppin und Oranienburg), kommen wir immer leicht zu unserem Fahrzeug zurück. 

Wer eine Kanutour mit einem Mietkanu unternehmen möchte, kann sich hier von "Rhinpaddel" (Alt Ruppin) organisieren lassen, deren Kunden gerne von Lindow aus starten. 

Wir können nach unserer Anreise auf dem Campingplatz "Weisser Sand" zelten oder uns an der Tourist-Info ein Zimmer besorgen. Einen schönen Tagesausflug wert ist der an den Gudelacksee angrenzende Vielitzsee. Mit dem Lindower Kanal hat der Vielitzsee eine urwüchsige Verbindung, die etwa 1700 Meter lang ist und zum größten Teil natürlich aussehende Ufer mit üppigem Bewuchs aufzuweisen hat. Solange wir uns noch nahe dem Gudelacksee befinden, liegen an beiden Uferseiten Freizeitgrundstücke mit Bootshäusern oder Anlegestegen.

Der Vielitzsee selbst schlängelt sich wie ein Fluss durch leicht hügelige Landschaft, seine Ufer sind durchweg bewachsen. Teilweise gibt es stille Buchten mit Wildnischarakter, manche Freizeitvilla steht in den Bäumen halb versteckt nahe der Ufer.

Es gibt an manchen Stellen eine Pausenmöglichkeit, Einsetzstellen befinden sich in Seebeck (Nordseite des letzten Seeabschnittes) sowie in Vielitz am "Feuerwehrplatz". Beide sind öffentliche Badestellen und verfügen sowohl über seichtes Ufer als auch Stege. Sie sind vom Wasser aus leicht zu entdecken. Der gesamte Tagesausflug mit dem Kanu ist hin und zurück etwa 13 Kilometer lang. 

Der Gudelacksee mit dem Lindower Werder nach oben

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In Lindow gibt es ein Freibad, das öffentlich zugänglich ist und somit gut als Einsetzstelle dienen kann (auch die Toiletten sind öffentlich). Sollte für das Einsetzen zuviel Badebetreib sein, können wir die Sliprampe nutzen. Der Bahnhof ist ca. 1300 Meter entfernt, neben dem Freibad liegen noch die Stadtmarina sowie der örtliche Segelverein. Es gibt ein Restaurant vor Ort. Aber man kann selbstverständlich auch vom gleich daneben liegenden Campingplatz aus hervorragend in den Gudelacksee einsetzen und so seine Kanureise auf den Ruppiner Gewässern starten.

Die erste Insel, an der wir vorbei paddeln, ist den Vögeln vorbehalten, aber schon einen Kilometer weiter sind wir an dem viel gerühmten Lindower Werder angekommen, der fast einen Kilometer Durchmesser aufweist. Die Ufer sind durchweg seicht und zerklüftet: einzelne Erlen stehen am Ufer im See und bilden Inseln oder Halbinseln. Das Wasser ist klar. Im Prinzip können wir fast überall anlanden.

Die Insel "Lindower Werder" befindet sich zu einem großen Teil im Privatbesitz. Hier werden seltene Haustierrassen gehalten, es gibt ein neues Wirtschaftsgäude und eine Zeltwiese. Ein Wanderweg führt nahe dem Ufer um die gesamte Insel herum. Dabei bleiben wir ausserhalb der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

In der westlichen Hälfte der Insel gibt es ein Sumpfgebiet mit einem kleinen See. Schilder, die man rund um die Insel am Ufer findet, weisen den Paddler darauf hin, dass auf dem Lindower Werder für eine Nacht gezeltet werden darf. Bei einer Handynummer habe man sich anzumelden.

Ein sehr kleiner Teil der Insel gehört aber noch der Stadt Lindow, er liegt neben einem kleinen "Hafen" an der Nordseite. Dort kann man auch zelten, es gibt ein Kompostklo und einen gepflegten Rasen. Sogar einen überdachten Freisitz hat man eingerichtet, so dass Paddler sich bei Regen bekochen oder Pause machen können. Allerdings bleibt unklar, wie die Stadt als Eigentümerin in Zukunft zu diesem Biwakplatz stehen wird. (Stand: 2014).

Der gesamte Gudelacksee liegt zu einem großen Teil im Wald, und er ist sehr zerklüftet, was dem Auge und dem Gemüt guttut. Es ist nirgendwo langweilig, dort zu paddeln. Einen Kilometer von dem Lindower Werder entfernt deutet das auf der Spitze stehende Lattenviereck (Bake) darauf hin, dass hier der Ruppiner Kanal aus dem Gudelacksee führt.

Beginn des Lindower Kanals und Möllensee nach oben

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In der westlichen Ecke des Gudelacksees, nördlich des Dorfes "Gühlen", beginnt der Lindower Kanal. Er ist etwa 50 - 60 Meter breit, seine Ufer sind meist mit Holzpfählen verbaut. Selten finden wir Schotterufer vor. Die Umgebung besteht aus sumpfigem Erlenbruch oder ist, wo die Landschaft höher liegt, mit Kiefern - und Eichenwald bewachsen.

Noch in Seenähe quert eine Fußgängerbrücke den Lindower Kanal. Ein schmaler Waldweg kreuzt hier unser Kanugewässer. Die Strecke bis zum Möllensee paddeln wir durch puren Wald, Häuser und Straßen gibt es hier keine. An einigen Altarmen müssen wir in unserem Kanu vorbei paddeln, wir dürfen sie nicht befahren. Bald sind wir im Möllensee, der das Ende einer kleinen Seenkette darstellt, die durch ein kleines Fließ verbunden ist und bis Herzberg reicht. Es gibt hier noch den Alten Möllensee, den Tholmannsee und den Werbellinsee. Paddelbar ist dieses Fliess nur noch bis in den Alten Möllensee. Im Laufe des Sommers kann aber auch dieses zukrauten.

Wenn wir in den ruhigen Möllensee hinein paddeln, kommen wir an bewaldeten Ufern vorbei, die sanft ansteigen und uns manchen Pausenplatz anbieten. Der Möllensee ist etwa 2 Kilometer lang, an dessen südlichem Ende liegt rechts eine Badestelle, die uns als Pausenmöglichkeit dienen kann. Eine Zufahrt "über Land" gibt es nicht, so dass wir hier nicht von einer Einsetzstelle reden können: ein ehemaliges Militärgelände sperrt uns hier von der Zivilisation vollkommen ab, nur ein Waldweg führt am Möllensee nach Norden. Der ist aber mit herkömmlichen Fahrzeugen nicht befahrbar.

Der Möllensee sieht hier so aus, als wäre er zu Ende. Das Fließ von Herzberg kommend ist aber zunächst breit genug, so dass wir noch bis in den nächsten See gelangen können. Bei genauer Betrachtung wird uns klar, dass wir es hier mit einem verlandeten Seeteil zu tun haben, weshalb es hier auch "Alter Möllensee" heisst. Wir finden uns hier in zwar flachem, aber klarem Wasser wieder (sofern wir es nicht selbst aufwühlen). Wir werden viele Fische aufscheuchen, und was es hier ansonsten an Wildnis zu erleben gibt, ist kaum zu beschreiben: alle gängigen bis seltenen Sumpfpflanzen werden wir hier finden, von Krebsschere bis zum Sumpffarn, See - und Teichrose, Weidenröschen und Blutweiderich zieren hier das Ufer und bilden zusammen mit Totholz und Erlen und Weiden eine fast bizarr anmutende Umgebung. Rohrkolben und Merk, Schwertlilien und im Frühjahr die Sumpfdotterblumen verwöhnen unsere Augen. Keine Zivilisationsgeräusche würden an unser Ohr dringen, wenn nicht ab und zu ein Flugzeug in der Ferne über den Himmel fliegen würde. Wir befinden uns in einer komplett unbewohnten Welt, was sicher dem früheren Zweck der militärischen Nutzung geschuldet ist.

Der Alte Möllensee ist nur einen halben Kilometer lang und recht schmal, so dass wir schnell an seinem anderen Ufer angelangt sind, auch wenn wir noch so langsam paddeln. Dort endet unser kleiner Ausflug auf der Seenkette, die fast bis Herzberg reicht, denn im Sommer wächst hier das gesamte Fließ mit Krebsscheren und Seerosen zu. Wasser wäre genug da, aber durch dieses dichte Meer an Wasserpflanzen will und soll niemand paddeln. Wir lassen der Natur ihre Ruhe und genießen unsere Rücktour zum nördlichen Ende des Möllensees.

Wenn wir von üppiger Natur immer noch nicht genug haben, können wir durch einen schmalen, verschilften Zugang in den nördlichen Kleinen Möllensee hinein paddeln, falls uns der Weg nicht durch Schwäne versperrt wird. Auch dieser See verlandet immer mehr und wird in 20-30 Jahren nicht mehr vorhanden sein.

Der Lindower Kanal nach oben

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Aus dem Möllensee heraus in Richtung Zippelsförde paddeln wir etwa 1500 Meter durch den Wald, bevor der Lindower Kanal etwas schmaler wird. Die Straßenbrücke der B122 quert bei Lietzen /Zippelsförde unseren Kanal, gleich dahinter können wir links für eine Paddelpause anlanden. Auch als Einsetzstelle eignet sich dieser Ort, da es einen Parkplatz gibt und das Ufer niedrig ist. Es besteht aus Holzpfählen.

Wenn wir wieder in unseren Kanus sitzen, kommen wir links noch für eine kurze Strecke an einigen Freizeitgrundstücken vorbei. Die große Wiese am rechten Ufer bildet fast eine Insel, da sie im Norden vom Rheinsberger Rhin begrenzt wird.

Ein möglicher Abstecher:

Etwa 2 km unterhalb der Straßenbrücke trifft von rechts der Rheinsberger Rhin auf den Lindower Kanal. Wir sollten uns an dieser Stelle entscheiden, den Rheinsberger Rhin wenigstens bis zum Wehr aufwärts zu paddeln: klares Wasser, sandiger Untergrund, teils wilde Ufer und einige umgestürzte Bäume belohnen unsere kleine Anstrengung, 1,5 km gegen die Strömung an zu paddeln. Am Wehr selbst gibt es aktuell (2012) noch keine Einsetzstelle. Wenn wir dort Pause machen oder beim Fischer einkehren möchten, ist Improvisieren nötig: am besten kommen wir zur Zeit am Ende der kleinen "Fischtreppe" (Umgehungsgerinne) aus unserem Kanu. Das letzte Stück des Rheinsberger Rhins direkt unterhalb des Wehrs wurde 2012 ausgebaggert. Wir hoffen, dass man hier auch bald eine vernünftige Einsetzstelle schafft, die ja dringend erforderlich ist, wenn man den Rheinsberger Rhin von Rheinsberg herunter gepaddelt kommt und dann natürlich auch das Wehr Zippelsförde umtragen muss. (Ende des Abstechers).

Die kommenden 4 Kilometer auf dem Rhin bis zum Zermützelsee finden wir schon wieder eine Rarität vor: ausser, dass die um uns liegende Natur wieder so üppig und unfassbar schön ist, fallen uns sofort die "schwimmenden Ufer" auf: um den Verlauf des Rhin in diesem reinen Sumpfgelände überhaupt auf irgend eine Art begrenzen zu können, hat man auf beiden Ufern in praktikablen Abständen dicke Holzpfähle gerammt und diese durch weitere, schwimmende Rundhölzer miteinder verbunden. Jenseits dieser Rundhölzer findet die Natur Raum, diesseits haben die Boote Platz zum Fahren.

Die beschriebene Art der Uferbefestigungen mit den erwähnten Vorzügen für die Tier- und Pflanzenwelt ist noch bis zum Beginn des Zermützelsees zu sehen, dann wird sie von herkömmlichen Pfählen und natürlichen Ufern abgelöst. Am Ende dieses Rhin - Abschnitts steht eine Brücke. Der Weg darüber führt zur nahen Försterei Fristow sowie nach Zermützel und Stendenitz .

Der Zermützelsee nach oben

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Der Zermützelsee ist von wenigen Wochenendhäusern umstanden, dafür gibt es viel Waldufer und am Ende die bereits erwähnten Orte Zermützel und Stendenitz. Zwei Campingplätze liegen am Nord-Westufer und laden zum Übernachten und Verweilen ein. Die Umgebung wirkt ziemlich menschenleer, die Seeufer sind von hohen Bäumen umstanden. Gegenüber dem Ort Zermützel zweigt das Rottstielfließ ab, das unser Kanu nach gut 1 Kilometer durch Sumpf- und Waldlandschaft zum kleinen, sehr klaren Tornowsee trägt.

Auch dieser sehr einsam gelegene See ist vollständig von altem Waldbestand umrahmt. Kleine Badestellen laden zum Schwimmen ein. Der Tornowsee ist bei Tauchern aus ganz Deutschlands wegen seiner Klarheit sehr beliebt. Paddeln wir dem Ende des Tornowsees entgegen, kommen wir zur Boltenmühle, einem Ausflugslokal, das zum Essen und Kaffeetrinken einlädt. Ein Ausflugsmotorschiff hat sich in diesem ansonsten von Motorbooten freien Gewässer das Recht ertrotzt, weiterhin dieses Lokal anlaufen zu dürfen. Auch am Tornowsee gibt es einen Campingplatz.

Die Boltenmühle liegt am Ende des Binenbaches, der vom Kalksee kommt und früher die Schneide- und Mahlmühle antrieb. Das Haus selbst ist ein wunderschönes Fachwerkhaus, das von längst vergangenen Zeiten erzählt, obwohl es eigentlich ein Neubau ist, da das Original 1992 vollständig abbrannte. Übernachten kann man hier auch, es ist ebenfalls ein modernes Hotel. Es lohnt sich immer, den dahinter liegenden Wald mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden.

Tetzensee, Molchowsee nach oben

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Der Tetzensee, durch eine Enge mit dem Zermützelsee verbunden, ist ebenfalls mit hohem Wald umstanden. Die Ostseite ist jedoch fast vollständig von Wochenendanwesen besiedelt und mit Bootsstegen zugebaut. Durch ein kurzes Stück Rhin ist der Molchowsee angeschlossen, dessen Ufer davon zeugen, dass wir uns nahe Neuruppin befinden und damit in einer wohlhabenden Gegend, in der wohl fast jeder ein Seegrundstück haben zu müssen glaubt. Einsam fühlt man sich hier als Paddler jedenfalls nicht.

Direkt vor der Fußgängerbrücke kann man links oder rechts für eine Pause anlegen.

Gegenüber dem Ort Molchow, also kurz hinter der Brücke, liegt ein kleiner Hafen. Hier können nicht nur Motorboote anlegen, sondern auch Kanuwanderer, um für einen Kaffee eine Pause einzulegen. Zelten ist dort nicht (mehr) möglich. Am Ende des Molchowsees taucht die Schleuse von Alt Ruppin auf (Tel.: 03391-7114, Schleusenzeiten siehe Übersicht). Zur Not gibt es auch hier eine Lorenbahn. Kurz davor liegt rechts eine kleine Liegewiese, man kann an seichtem Ufer einer winzigen Badestelle aussteigen (siehe auch "Einsetzstellen"). 

Hinter der Schleuse kann man sowohl den Altarm des Rhins rechts als auch den verbreiterten Kanal paddeln. Dort, fast am Ende von Alt Ruppin, liegt rechts ein Anleger, wo man aussetzen und eine Pause einlegen kann. Über die Brücke des Hauptstraße in Richtung Osten gelangen wir nach ein paar Metern zu einem großen Supermarkt.

Für eine Pause, zum Übernachten oder für den Tourenstart eignet sich auch gut der kleine Wasserwanderrastplatz der  Kanustation Rhinpaddel, der von Familie Glaser betrieben wird. Er liegt im Altarm, also rechts hinter der Schleuse und dort links auf der Insel. Parkmöglichkeiten, WC und Duschen gibt es dort ebenfalls.

Ruppiner See nach oben

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Bald kommt der Wasserwanderer in den Ruppiner See, einen 14 Kilometer langen und zwischen 700 und 1000 Meter breiten See, der bis zu 14 Meter tief sein soll. Ein Eisenbahndamm trennt den See in 2 Teile: es gibt 2 Durchfahrtsmöglichkeiten in den südlicheren Teil des Sees: bei Neuruppin muss der Motorbootfahrer immer die rechte Durchfahrt nehmen, wo die beiden "Tunnel" doch immerhin ca. 500 Meter auseinander liegen. Kanufahrer müssen nicht, sollten sich jedoch stets bewusst sein, dass plötzlich Gegenverkehr auftauchen kann, es ist sehr eng. Anlegen für eine "Stadtpause" können wir an der "Seepromenade", wie finden sie neben einem lang in den Neuruppiner See hinein ragenden Anlegesteg. Uns steht eine Treppe zur Verfügung, leider ist sie aus Beton.

In Neuruppin können wir unsere Vorräte auffrischen, an einer der Badestellen pausieren oder uns bauliche Zeugen der Geschichte anschauen. Es gibt jedenfalls sehr viel zu sehen. Viele Restaurants laden zum Essen ein, und wer ein Dach über seinem Haupte haben möchte, findet leicht ein Hotel oder eine Pension. Zum Zelten lädt der dortige Kanu-Verein auf seinem Vereinsgelände etwas unterhalb von km 40 ein. Auch im nicht weit entfernten "Jugenddorf Genevikow" in Gnevikow können wir Zimmer bekommen. Besonders für Kinder ist es etwas günstiger als ein Hotel.

Im weiteren Verlaufe des Sees wechseln sich Bebauung und Natur ab. Ab Treskow, einem Vorort von Neuruppin, ist das westliche Ufer sogar ziemlich natürlich, teilweise sumpfig und weitgehend unbebaut. Das zieht sich zum Glück bis Wustrau so hin, so dass wir auf unserer Paddeltour eine ganze Zeit lang unseren Träumen nachhängen können, bis wir in Wustrau angekommen sind.

Am Ende des knapp 15 km langen Ruppiner Sees liegen die Orte Wustrau und Karwe. Wer jetzt übernachten möchte, findet entweder eine Pension, kann auf dem sehr komfortablen "Campingplatz Am Hohen Ende" der Frau Schulz zelten (Kanu aussetzen an der Badestelle, Bootswagen für den etwa 300 Meter langen Landweg erforderlich) oder in einem der 2 Hotels übernachten. Eine Weiterfahrt ist sowohl in Richtung Fehrbellin auf dem sehr schmalen Wustrauer Rhin möglich als auch über die Schleuse Altfriesack über den Bützsee. Zum Wustrauer Rhin müssen wir am Mühlenwehr hinter dem Schloss etwa 160 Meter umtragen.

Über den Rhin ist eine sehr romantische und interessante Rundtour möglich, die ca 27 Kilometer lang ist. Wustrau selbst ist ein geschichtsträchtiger Ort aus der Preussenzeit, das Museum hat darüber allerhand zu erzählen. Der halbe Ort ist ein Museum, wenngleich ein sehr lebendiges. In einem Landmarkt und bei einem Bäcker können wir uns versorgen. Außer den 2 Hotels gibt es noch mehrere Pensionen, Cafes und Restaurants.

Es nähert sich das Ende des Ruppiner Sees, und wir können uns in Richtung Altfriesack begeben.

Eine Wustrauer Rhin Rundtour nach oben

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Wer sich für diese 28 kilometer lange Rundtour entscheidet, hat sicher eine gute Wahl getroffen. Sie führt den Wasserwanderer über eine sportlich - lange Tagesstrecke oder, mit dem Abstecher nach Linum (weitere 6 Kilomter), über 2 ruhige Tage durch fast menschenleere Natur, wo eine sehr reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt ihr Zuhause hat. Entsprechend sollten wir uns verhalten, und es gibt immer sehr viel zu beobachten.

Beschreiben kann man das nicht, umsomehr ist der Paddler überrascht, wie es hier wirklich ist, man glaubt es kaum. Die Niederung, die umflossen wird, war in früheren Zeiten ein See, und es wurde in dem schon erwähnten Linum in der Vergangenheit Torf abgebaut, was eine recht große Teichlandschaft hinterlassen hat, die der Fischwirtschaft und Natur heute zu gute kommt.

In Linum selbst kann man beim Teichwirt herrlich Essen gehen, aber auch für eine Nacht zelten. Sanitär teilt man sich mit den Angestellten der Teichwirtschaft. Wer ein festes Dach vorzieht, für den gibt es die Landpension "Adebar" der Familie Stahl im Ort; das Kanu kann währenddessen unter Aufsicht des Hafenwartes der Teichwirtschaft hinter der Einzäunung liegen bleiben. Der schläft sommers auch dort in seinem Wohnwagen. Die Weiterfahrt auf dem Alten Rhin führt uns erneut durch wirklich urwüchsig anmutende Natur, wenngleich hier auch Motorboote angetroffen werden können.

In der Schleuse Hakenberg, die wir schon vor Linum passierten, wird selten geschleust, weil einfach sehr wenig Verkehr auf dem Wasser statt findet. Dort in der Nähe entschied übrigens Friedrich Wilhelm der 1. die Schlacht gegen die Schweden mit einem eigentlich unterlegenen Reiterheer (Schlacht bei Fehrbellin), was ihm den Beinamen "Der Große" eintrug, im Gegensatz zu seiner eher geringen Körperlänge.

Bis zum Zusammentreffen mit dem Bützrhin reicht unsere Beschreibung, die weiteren Verläufe sind unter dem nächsten Titel zu lesen. Auch weiter bis zum Bützrhin liegen nur sehr wenige Gebäude in der Nähe des Gewässers, was einen besonderen Reiz und bestimmt auch eine besondere Flora und Fauna ausmachen. Der kleine Ort Linumhorst liegt etwas abseits und ist vom Rhin aus nicht zu sehen.

In Altfriesack nach oben

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Wenn wir nicht in Wustrau in den Wustrauer Rhin umgesetzt haben, paddeln wir in Wustrau noch knapp zwei Kilometer bis zum Ende des Ruppiner Sees nach Altfriesack. Dort müssen wir uns herunter schleusen lassen, eine Klappbrücke öffnet sich dabei, um ausreichend Höhe für die "Schiffe" zu gewährleisten (Tel.: 033925-70312 Schleusenzeiten siehe Übersicht).

Unterhalb der Schleuse können wir rechts an einer Art Kanustation anlegen. Dort gibt es einen kleinen sehr einfachen Biwakplatz nur für Kanus (zelten ohne Sanitär) und in der Nähe eine kleine Holzhüttensiedlung (mit WC und Duschen) zum Übernachten.

Links an der Schleuse vorbei fließt der Rhin-Altarm (Mühlenfließ), der streckenweise sehr romantisch ist. Wenn wir dieses Gewässer paddeln, anstatt zu schleusen, müssen wir das Kanu am Mühlenwehr umsetzen. Dafür wurden in jüngster Vergangenheit zwei Holzstege sowie eine Lorenbahn gebaut. (besichtigt August 2014). Weitere Infos hierzu gibt es unter "Umtragestellen".

Nach kurzem Rhin kommt der Bützsee in Sicht. Im Gegensatz zu all den anderen Seen vorher, die teilweise bis knapp 60 Meter tief sind, ist der Bützsee so flach, dass eine Tonnenreihe die Fahrrinne für die Motorboote markieren muss. Die Anwohner sagen, dass man im Bützsee fast überall stehen kann. Eine große Insel darf nicht betreten werden, sie steht seit langem unter Naturschutz. Nach dem ca. 3 Kilometer langen See setzen wir unsere Paddeltour wieder in einem kanalisierten Fluss fort, dem Bützrhin.

Der Bützrhin nach oben

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Der Bützrhin führt uns 4 Kilometer lang durch absolut unbewohnte Gegend. Wieder haben wir an den Ufern viele Möglichkeiten, eine vielgestaltige Pflanzenwelt kennen zu lernen. Auch hier liegt der Rhin streckenweise oberhalb des sogenannten "Luch", wie man in Brandenburg Niederungen und Sümpfe zu nennen pflegt. Das heißt, ein Damm hält das Wasser im Fluss. Wehe, wenn die Biber ein zu tiefes Loch graben... Der Bützrhin unterquert die Wallbrücke, der Ort Wall liegt jedoch 1,5 Kilometer entfernt. Etwa einen Kilometer hinter der Wallbrücke zweigt der Alte Rhin in Richtung Fehrbellin ab (siehe "Wustrauer Rhin - Rundtour"), hier liegt ein Haus fast direkt am Fluss. Ab hier befinden wir uns im "Kremmener Rhin" und halten uns geradeaus.

Der Kremmener Rhin nach oben

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Der Kremmener Rhin führt uns zur Stadt Kremmen, die immerhin 7500 Einwohner hat. Die ersten zwei Kilometer paddeln wir durch einen Kanal mit wenig bewachsenen Uferbereichen. Wer aussteigt, kann seinen Blick über die hier noch relativ trockene, weil entwässerte Landwirtschaftsfläche schweifen lassen. Wir paddeln auf das Naturschutzgebiet "Kremmener Luch" zu, ein ehemaliges Niedermoorgebiet, dessen Schutz auf eine Initiative von 1924 zurückgeht, wo die ersten Teile schon unter Naturschutzgebiet gestellt wurden, ein absolutes Novum in Deutschland zu jener Zeit.

Bis heute wurde es auf 1200 Hektar erweitert. Es ist ein Brutgebiet für viele Singvogelarten, ferner ein Rückzugsgebiet für Biber und Fischotter sowie ein Rastgebiet für viele tausend Kraniche und Gänse auf der Durchreise von und nach Norden. Einige von ihnen brüten auch hier. Ab und zu werden Großtrappen nachgewiesen. Bei km 18,5 liegt direkt neben der Wasserstraße der "Beetzer Ecken" als Teil des Kremmener See, der nicht befahren werden darf. Ein Blick dort hinein offenbart eine Wunderwelt aus Schwimmpflanzen und Wasservögeln, die wir wirklich nicht stören sollten.

Die ganze Strecke bis Kremmen strotzt nur so vor Vitalität, eine große Vielfalt und Üppigkeit an Wasserpflanzen und typischen Sumpf - Ufergehölzen erfreuen das Auge und die Seele. Das Kanu verlassen und ans Ufer darf man aus Naturschutzgründen nur an sehr wenigen Stellen. Wir sollten das wirklich beachten und der artenreichen Natur hier unseren Respekt zollen. Bei gutem Wetter wird man durch einen sehr würzigen Duft verschiedener Wildkräuter überrascht, und sehr viele Fische springen durch die Wasseroberfläche.

Pausenmöglichkeiten hier im Sumpf gibt es ausschließlich kurz vor km 17. Die nächste finden wir erst wieder an der Badestelle Kremmen. Hier liegt direkt am Wasser das Hotel und Restaurant "Seelodge". Es ist für eine Pause im Biergarten und Cafe mit Blick auf den Kremmener See sehr zu empfehlen. Wer nicht im Restaurant speisen möchte, kann sich im Imbiss versorgen lassen, der auf der Liegewiese der Badestelle beheimatet ist.

Der Ruppiner Kanal nach oben

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Ab Kremmen heißt unser Wasserweg "Ruppiner Kanal". Das erste Stück unterhalb der Eisenbahnbrücke und Straßenbrücke macht wenig Mut zur Weiterfahrt, da es schmal, gerade und scheinbar nur mit Schilfufer bestanden ist. Ist man aber erst einmal drin, ist es doch abwechslungsreicher als gedacht, und schon nach wenigen Kilometern (rechts von uns liegt das Dorf "Verlorenort") erhebt sich das Gelände rechts und links. Bald sind die Ufer bewaldet und besitzen sandige Steilhänge. Das sind die idealen Brutvoraussetzungen für die vielen Eisvögel, die wir hier antreffen können.

Ab und zu ist ein Hang ins Wasser gerutscht, weil das Reh- oder Schwarzwild den Kanal überqueren musste. Dort können wir mit dem Kanu anlanden und pausieren wie an einem kleinen Strand. Nach km10 unterqueren wir noch eine Brücke, sie verbindet Döhringsbrück mit Johannisthal. Ab hier sind wir richtig im Wald unterwegs. Bei km 7 erscheint die Schleuse Hohenbruch, ein freundlicher Schleusenwärter lässt uns ein paar Meter hinunter. Wir sind ganz im Wald unterwegs, und dort, wo eine der seltenen Straßenbrücken steht, nahe dem Ort Behrensbrück, können wir für eine Pause anlegen. Weitere 3 km trennen uns noch von der Tiergartenschleuse.

Dort haben wir den Wald bereits wieder verlassen. Unsere Fahrt geht nun bald wieder überwiegend durch Wiesen und sumpfige Niederungen mit Erlen und Birken an den Ufern. Rechts von uns liegt der kleine Ort Behrensbrück, eine Straßenbrücke verbindet ein paar kleine Orte nördlich von Berlin miteinander. Ab km 3 häufen sich die von Land aus besuchten Stellen am Ufer: wir sind nun in einer stärker besiedelten Gegend unterwegs.

Oranienburg ist nahe, teilweise gibt es Fahrradwege am Kanal. Wir passieren die Schleuse Tiergarten, danach die Brücke der neuen Umgehungsstraße, die Oranienburg vom Durchgangsverkehr entlastet und für eine ziemlich ruhige Stadt sorgt. Bald erreichen wir das Ende des Ruppiner Kanals und damit der Ruppiner Gewässer.

Ein ganz kurzes Stück kreuzt dieser Kanal noch den Oranienburger Kanal, links ist eigentlich schon die Havel, als durch Kriegsschäden abgeschnittener toter Arm der Havel. Dieses Stück Havel von Friedrichsthal bis Sachsenhausen wurde in Sachsenhausen unterbrochen, als die Schleuse zerbombt wurde.

Wir könnten jetzt auch rechtsherum paddeln und würden zur Schleuse Pinnow gelangen, von wo aus wir bald in die Havel-Oder-Wasserstraße und damit nach Berlin - Tegel gelangen würden. Die gesamten Berliner und Havelländischen Gewässer stehen uns damit offen. Der Stadtanleger Oranienburg findet sich aber bereits nach etwa 2 km rechts im Oranienburger Kanal, es gibt für den bequemen Ausstieg einen niedrigen Schwimmsteg und es gibt Parkplätze. Der Bahnhof ist etwa 3 Kilometer entfernt.

Wenn wir nach Nord-Osten in Richtung Oder oder Obere Havel möchten, nehmen wir besser den kurzen Weg: wir paddeln geradeaus über die Kreuzung und tragen einfach am Ende des Ruppiner Kanals bei der alten, zugeschütteten Schleuse in den Havelarm um, der in der Innenstadt von Oranienburg liegt und bald in den Lehnitzsee führt. Dieser ist ein Verbindungsglied der Havel-Oder-Wasserstraße.

In diesem Altarm liegt der WSC- Möwe mit seinem kleinen Hafen. Hier können wir zelten und uns an der Gastfreundschaft der WSC - Leute und einer warmen Dusche erfreuen. Alle Versorgungseinrichtungen und der Bahnhof liegen direkt im Umfeld, das Gelände ist gut gesichert, so dass wir unsere Ausrüstung für einen Stadtbummel gut beim Verein lassen können. 

Seit Anfang 2014 kann man auch in der neuen Marina "Schlosshafen" zelten (bis 50 Zelte). 

Bis zur Oberen Havel bei Liebenwalde hätten wir noch eine Kanutour von einem kurzen Tag. Ein Umtragen an der Lehnitz-Schleuse ist fast garantiert, da Sportboote / Kanus wegen häufiger Wasserknappheit nur mit Berufsschiffen mitgeschleust werden sollen, und das geht oft nicht, weil diese schon zu groß sind. Für das Umsetzen größerer Boote steht eine Lorenbahn zur Verfügung, für die man mindestens zwei kräftige Männer benötigt..

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