Gewässerbeschreibung des Brüeler Bach
Letzte Änderung: 3. Juni 2008
Mit dem Kanu auf dem Brüeler Bach
Um sich die Seenkette von Neukloster aus und südlich davon zu erschließen, kann man mit dem Kanu die Bäche paddeln, die diese Seen miteinander verbinden: zwischen Neuklostersee und dem Großen Wariner See den Teppnitzbach, zwischen dem folgenden Glammsee und dem Tempziner See den Tönniesbach sowie den Brüeler Bach ab Tempziner See (Blankenberg) abwärts. Bis Wariner Mühle ist es schon etwas abenteuerlich und nicht gerade für Anfänger geeignet, aber ab dort, eingesetzt in den Glammsee, kann man mit etwas Talent und Engagement auch als relativ unerfahrener Paddler viel Spaß haben. Abwechslung ist auf jeden Fall garantiert, und es gibt in der Natur um uns herum auch viel zu entdecken. Wenn man Glück hat, kann man sogar Biber oder Fischotter treffen. Die Umgebung ist meist sehr idyllisch, und es ist normalerweise nicht so wild, daß man sein Kanu schrottet. Faltbootfahrer sollten an den Sohlgleiten vorsichtig sein, ansonsten natürlich auch die übliche Vorsicht walten lassen, kommen aber zurecht. Zur guten Orientierung empfehlen wir den Tourenatlas TA6, wo Sie alle wichtigen Details sowohl zum Fluss als auch zur Umgebung finden.
Neuklostersee bis zum Großen Wariner See
Um auf dem Neuklostersee zu starten, bietet es sich an, am Campingplatz von Neukloster zu starten. Man kann aber auch in Nakensdorf einsetzen. Der Neuklostersee ist ganz von Wald umgeben, in der Südostecke fließt der Teppnitzbach aus dem See, unterquert eine schmale Fußgängerbrücke und windet sich als 2-3m breiter Bach durch Sumpfpflanzen, Dickicht und Bruchland. Rechts und links des Bruchs erhebt sich das Gelände und ist mit Mischwald bewachsen. Nach 1km erscheinen Häuser, der winzige Ort Neumühle liegt völlig abgeschieden von der übrigen Welt als Relikt eines Mühlendorfes. Das Mühlengebäude steht nicht mehr, es liegen noch Reste der Turbinentriebes neben der Straßenbrücke, die eine sehr schmale Straße über den Teppnitzbach führt. Das Mühlenwehr wurde entfernt, die Staufunktion übernimmt nun die neu erbaute Sohlgleite als Fischaufstiegshilfe. Der Teppnitzbach führt uns als weiterhin nur 4-5m breites Flüsschen durch ein stilles Waldgebiet. Der Wald ist ein wenig hügelig, das Flusstal entsprechend unterschiedlich tief. Ab und zu paddeln wir an einer Wiese vorbei, die direkt im Wald liegt. Oft gibt es Büsche "um die Ohren", und manch ein Baum hindert die Weiterfahrt. Dann heißt es "aussteigen!" und oft durch Schlamm und Morast waten. Es gibt jedoch auch viele Abschnitte mit Kiesgrund. Knapp 3km weiter unterqueren wir eine alte Eisenbahnlinie, deren Schienen gerade demontiert werden. Ob das wohl ein Fahrradweg werden wird? Schön wäre es ja, denn auch das Wandern und Fahrradfahren lohnt sich in diesem einsamen Gebiet. Etwa 500m unterhalb des Bahndammes fließt der Teppnitzbach an einer von Wildschweinen zerwühlten Wiese und Waldrand vorbei in den Großen Wariner See. Nach weiteren 500m können wir links an einer alten Badestelle (die viel romantischer ist als die neue, die bald darauf kommt) gut pausieren. Wer hier zeltet und die Duschen der neuen Badeanstalt nutzt, wird bestimmt nicht verjagt werden. Es gibt hier Platz in Hülle und Fülle in öffentlichem Besitz, und es ist kaum vorstellbar, daß wir jemanden hier stören würden.
Warin und Glammsee
Wenn wir uns am östlichen Ufer nach Süden bewegen, an der neuen Badeanstalt und ein paar privaten Grundstücken vorbei, sind wir kurz darauf in Warin. Der Teppnitzbach (oder Mühlenbach, wie er hier auch heißt), durchfließt mit sehr wenig Strömung zuerst noch Seeuferwildnis, dann den August-Cords-Park mit einer hölzernen Fußgängerbrücke und zuletzt an einigen Privatgrundstücken vorbei, bis wir vor der Bundesstraße 192 aussetzen müssen. Das Aussetzen geht noch relativ einfach, dann tragen wir über die Straße, die hier relativ schmal, aber oft stark befahren ist. Neben dem Mühlengebäude links (mit noch intaktem Innenleben, hier könnte die Wasserkraft jederzeit wieder Korn mahlen!) müssen wir ein Tor überwinden, das meist verschlossen ist und über ein bislang unbebautes Privatgrundstück wieder in den Teppnitzbach einsetzen. Der trägt unser Kanu dann auf kurzer Strecke in den nun folgenden Glammsee. Der Glammsee begrüßt uns als kleiner stiller See. Seine Ufer liegen teilweise an der Stadt Warin, größtenteils jedoch im Wald und an einer Wiese, die nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Hier gibt es auch eine praktikable Einsetzmöglichkeit, wenn man erst ab Glammsee paddeln möchte oder z.B. von Warin bis Blankenberg und zurück, was wegen der sehr schwachen Strömung gut möglich und sehr zu empfehlen ist.
Glammsee bis Blankenberg
Haben wir uns auf dem Glammsee genug herumgetrieben, finden wir im Südwesten leicht den Ausfluss des nun beginnenden Tönniesbaches. Auf einer leichten Anhöhe westlich liegt die Waldsiedlung, eine von diesen menschlichen Ansiedlungen, die den Wasserwanderer oft spontan ausrufen läßt: "hier möchte ich wohnen!" Auch hier ist die folgende Natur sehr idyllisch und meist still, wieder liegt westlich von uns eine landwirtschaftlich nicht genutzte Wiese, die auch Sumpf- und Trockenrasenflächen aufweist. Daher sind hier bei ruhigem Verhalten oft interessante Tiere zu beobachten. Ein kleiner Bach, der von einem winzigen See kommt, der westlich von uns liegt, ist nicht befahrbar. Eine Fußgängerbrücke erscheint, der Wanderweg führt von der B192 nahe Blankenberg nach Nisbill. Immer noch schön am Waldrand entlang paddeln wir der Bahnunterführung entgegen, das linke Ufer steigt jetzt schon kräftig an. Es folgen einige Meter parallel zur Eisenbahn, dann paddeln wir unter der neu erbauten Eisehbahnbrücke hindurch und sind kurz darauf im Schilf des Temnitzsees verschwunden. Wer noch eine kleine Pause benötigt, kann hier zwischen Eisenbahndamm und Temnitzer See gut aussteigen. Wenn wir jetzt mit unserem Kanu am nordöstlichen Ufer dieses recht frei in den Wiesen und Niederungen liegenden Sees entlang paddeln, sind wir nach gut einem Kilometer an der Badestelle Blankenberg angekommen.
Blankenberg bis Weitendorf
Hier an der Badestelle in Blankenberg gibt es mehrere überdachte Picknicktische für eine komfortable Pause. Der Bahnhof ist hier nur ein paar hundert Meter entfernt, ebenso die dortige Bushaltestelle für Busse in alle Richtungen. Sie fahren oft, auch an Wochenenden. Mit Bus und Bahn kann man von hier aus also bequem alle logistischen Situationen meistern, daher wird diese Einsetzstelle gerne für eine Paddeltour auf der Warnow empfohlen. An der Warnow hält die Bahn dann in Bützow, Schwaan und Rostock, so daß man bei Ankunft an einem dieser Ziele leicht, schnell und sehr preiswert sein Fahrzeug nachholen kann. Sternberg und Weitendorf sind mit Bussen gut angebunden.
Wollen wir
weiter den Brüeler Bach paddeln, bewegen wir uns von der Badestelle
Blankenberg aus direkt nach Westen. Der Trichter des Ausgangs ist im
Sommer leicht zugewachsen, aber man sollte durchkommen. Nach 400m kommt
ein Wehr an einem schmalen Weg: hier ist auszusetzen und der Weg zu
übertragen, einen Bootswagen können wir hier nicht einsetzen, das
Umsetzen ist relativ einfach. Wir paddeln dann an Tempzin vorbei, ein
paar kleinere Sohlgleiten nahe der Straßenbrücke von Tempzin nach
Zahrensdorf sorgen dafür, daß keine Langeweile aufkommen kann. Von
rechts fließt jetzt das Wasser des Mühlenbaches hinzu, der vom Neuhofer
See kommt. Vorbei an Wiesen und Feldern, von denen wir kaum etwas zu
sehen bekommen, sind wir nach gut 2km im Brüel angekommen.
Es folgen die fast schon üblichen Wassergrundstücke, bis wir die Mühle erreicht haben, die weiteres Paddeln unterbricht. Gegenwärtig, Herbst 07, wird hier eine neue Wasserführung gebaut, die das bisherige Wehr unter der Mühlenpassage ersetzen soll. Dazu gehört auch eine Art Trog, der mit Borsten ausgestattet ist: über 60m werden hier die 1,50m Höhenunterschied ausgeglichen und die Fließgeschwindigkeit soweit herab gesetzt, daß Kleinlebewesen und Fische wandern können. Mit dem Kanu wird man hier trotzt der üppigen Breite von 1,2m wohl nicht durchkommen, da dafür die erforderliche Kopffreiheit unter der Mühlenpassage nicht gegeben ist. Also müssen wir Wasserwanderer immer noch die Straße B192 überqueren, bevor wir im folgenden Stadtpark wieder in den Brüeler Bach einsetzen können. Dafür sollten wir einen Bootswagen dabei haben. Wer noch Vorräte benötigt oder einen Imbiß einnehmen oder Kaffee trinken möchte, kann dies hier in der Mühlenpassage tun: es gibt hier einen Penny sowie weitere "soziale Einrichtungen". Unterhalb des Parks, nach etwa 500m erreichen wir hinter der Eisenbahnbrücke eine neue Sohlgleite, die das alte Wehr ersetzt. Sie muß meist umtragen oder durchtreidelt werden, was relativ einfach zu bewerkstelligen ist.
Ab jetzt paddeln wir durch die Wiesen, in weitem Abstand vorbei an den ausladenden Gartengrundstücken. Von links mündet bald der Radebach ein, dann paddeln wir durch eine Sohlgleite. Links etwas abseits liegt Sülten, hier wurde früher Salz gewonnen. Stark salzhaltiges Wasser quillt hier aus dem Boden. Es folgt ein sehr hügeliger, waldiger Abschnitt, an dessen Beginn eine gute Einsetzstelle liegt: direkt an der Brücke der Straße von der B192 nach Sülten. Etwas weiter abwärts dürfen wir uns an einer munteren Sohlgleite erfreuen, dann unterqueren wir noch eine alte Eisenbahnbrücke. Hier verlief vor gut 11 Jahren noch die Eisenbahnstrecke nach Sternberg. Nur noch einen halben Kilometer am hügeligen Wald entlang, dann haben wir Weitendorf erreicht. Wenn wir den Wasserwanderrastplatz bzw. das Kanucamp nutzen oder in Weitendorf aussetzen wollen, müssen wir nun ein kurzes Stück die Warnow aufwärts paddeln. An einer Holzanlegestelle können wir unsere Paddeltour unterbrechen oder beenden. Hinter uns liegen gut 20km leicht abenteuerliche Paddeltour durch üppige Natur und kleine Städte. Wenn auch die Infrastruktur nicht gerade zu den ausgeprägtesten gehört, ist diese Tour trotzdem sehr zu empfehlen, wenn man sein Kanu beherrscht und wenn man Unbequemlichkeiten nicht scheut. Wir wünschen allen Mitmenschen sehr viel Freude, die diese außergewöhnliche Paddeltour unternehmen möchten!