Gewässerbeschreibung der Loiter Au / Füsinger Au

Letzte Änderung: 29. April 2008

Vor Scholderup

Mit dem Kanu auf der Loiter Au / Füsinger Au

Es sei hier gleich vorneweg klargestellt: die Kette "Wellspanger Au, Boholzer Au, Loiter Au und Füsinger Au" ist kein "Reisefluss", sondern eher etwas für Tagesausflüge. Wen es reizt, der kann trotzdem ab Scholderup - Taarstedt eine Gepäckfahrt unternehmen, wenn die Schlei oder gar die Ostsee danach die Route sein soll. Der Grund ist folgender: für eine Gepäckpaddeltour benötigt man eine größere Wassertiefe, und mit viel Last auf einem Hindernis hängen zu bleiben, ist auch nicht gerade der Laune und dem Zustand des Kanus förderlich. Also wird man so etwas vermeiden und bei viel Wasser ab Loit oder ansonsten ab Scholderup paddeln. Alles andere wäre ein Abenteuer der Art "Kann man machen, muß aber nicht...!" Ab Idstedt paddeln zu wollen, wäre zwar mit der Aussicht auf dem Langsee ganz nett, aber dorthin muß man erst einmal gelangen: nur unterhalb des Idstedter Sees nahe dem Angelverein könnte man einsetzen, des weiteren ist kein Herankommen an den Bach, obwohl es bald mehr Wasser gibt bis zum Langsee. Aber wer will schon sein Kanu über Stock und Stein (im besten Falls Kies oder Schlick) rutschen? Also läßt man es lieber und setzt später ein.

Unterhalb Wellspang

Wellspanger Au

In der Mühle Wellspang treibt das Wasser aus dem Langsee eine kleine Turbine. Wir können hier an relativ steiler Böschung einsetzen, parken ist gut möglich. Das einzige Problem ist, daß das Wasser knapp ist, selbst wenn es an der Mühle strömt. Mehr als 10 Zentimeter sind es selten, und das ändert sich erst nach etwa 500 Metern. Bis dahin steht uns treideln bevor, auch und ganz besonders durch Brennesseln und Büsche (also nie im Sommer!) und immer über Steine. Eine Anhäufung von großen Granitfelsen nach etwa 500 Meter bildet das vorerst letzte ernste Hindernis, abgesehen von Buschwerk (auch Kletterrosen mit kräftigen Stacheln...). Diese Sohlschwelle wird man nur bei sehr gutem Wasserstand durchfahren können, andernfalls bleibt man hängen. Danach paddeln wir zwar durch einen nur 2 bis 3 Meter breiten Graben, der tief in die Ackerumgebung eingeschnitten ist, aber das Wasser ist klar und wir können uns an den vielen größeren Fischen erfreuen, von denen es überraschenderweise eine ganze Menge gibt. Die Breite nimmt bis Boholzau etwas zu, die Äcker bleiben. Wir können uns glücklich schätzen, einen Tag zu erwischen, wo nicht gerade Gülle ausgebracht wird. Es gibt eine riesige Schweinemast - "Fabrik" ganz in der Nähe. Im Dörfchen Boholzau ist die Wellspanger Au ein 3 bis 4 Meter breiter Fluss, zunächst auch mit ausreichender Tiefe. Eisvögel begleiten uns, es gibt derer viele an der Au.

Boholzer Au

Boholzer Au bis Loit

Die Au heißt hier "Boholzer Au", und an der Straßenbrücke Boholzau läßt es sich einigermaßen einsetzen. Wenige Fahrzeuge können hier auch parken. Das ist bei Kilometer 20, und nach ein paar lustigen Schwällen, wo es meist ein paar Aufsetzer gibt, paddeln wir in etwa 30 Zentimeter tiefem Wasser. Zunächst paddeln wir bei deutlicher Strömung durch Wiesen, dann wird es etwas wilder um uns herum, und es liegen ein paar Hektar Sumpfgelände an der Boholzer Au, wie sie nun heißt. Das Wasser ist sehr klar und der Grund meist sandig, so daß wir ab und an ein paar Fische sehen können. Eisvögel, Bussarde und Graureiher begleiten uns. Bei Kilometer 19 gibt es ein Stück festes Ufer, hier steht eine Bank, ein Feldweg führt bis hierher von Buschau oder auch von Boholzau aus. Der Pegel pegelt nichts mehr, da er im Grüngürtel steht, wo die Boholzer Au eine verlandete Kurve hat. Ein kurzes Stück abwärts strömt und rauscht es, ein paar Schwälle versuchen das Wasser etwas aufzuhalten. Die darauffolgenden Schwälle kommen, wenn das Wehr an der Einmündung der Oxbek etwa bei Kilometer 18,2 nichts staut: wenn das Wehrschott gezogen und die Krautrechen oben sind, paddeln wir unser Kanu einfach hindurch. Wenn nicht, setzen wir rechts aus und tragen kurz um. Die Oxbek kommt mit ziemlich viel Dampf als etwa knapp 2 Meter schmales Bächlein von Nord-Osten an, stürzt sich etwa 60 Zentimeter oberhalb der Boholzer Au in diese. Sollte man die Oxbek paddeln, muß man sehr aufpassen, um nicht in das ungesicherte Wehr einzufahren, was sehr unangenehm werden könnte. Das Gelände um das Wehr herum ist gemäht und gepflegt, sicher ein guter Pausenplatz. Unterhalb beginnt die Loiter Au, sie ist tief in das Gelände eingeschnitten und die Ufer sind mit Steinwürfen und teilweise Pfahlverbau befestigt, aber oberhalb des Verbaues immer gut bewachsen, auch mit hohen Pappeln und Erlen. Es strömt recht kräftig, so daß wir eigentlich viel zu schnell in Loit angekommen sind.

Nahe Loitfeld

Loiter Au bis Scholderup-Taarstedt

Die Einsetzstelle Loit befindet sich direkt an der B201 und wird vom Bus angefahren. Viele PKW können hier parken, Anfahrt mit Trailer ist gut möglich. Eingesetzt wird an einer sehr flachen Rampe, so ist man vom jeweiligen Wasserstand unabhängig. Die Loiter Au ist hier nicht besonders tief, es geht gerade eben im Hochsommer. Relativ gerade mit Ufern, die zwar befestigt sind, jedoch mit überwiegend hohen Gehölzen bestanden, fließt sie dahin. Bald erreichen wir das Gebiet, in dem es viel Flutenden Hahnenfuss gibt, diese dünne, bis zu 6 Meter lange Wasserpflanze, die im Frühsommer weiß blüht und dabei ganze Teppiche bildet. Es ist zwar schön anzuschauen und auch ökologisch wertvoll, aber man muß sich als Paddler damit auseinander setzen, daran vorbei zu kommen. Diese charmante Hinderung kommt auf einer Strecke von etwa 5 bis 6 Kilometer vor, hört auch einmal zwischendrin auf und fängt wieder an. Bei Kilometer 13,6 kreuzen wir erneut die B201, hier kann man auf der Chaussee weder einsetzen noch überhaupt anhalten. Wir erreichen die Fußgängerbrücke des Wanderweges von Twedt nach Westerakeby, hier ist auch ein neuer Pegel angebracht worden (Kilometer 11,3). Er sollte zwischen 540-560 betragen, damit man die folgende Strecke gut paddeln kann. Einsetzen kann man hier auch, allerdings etwas hart an Betonstufen. Die folgenden 4 Kilometer ändert sich nicht viel, und so haben wir diese 9 Kilometer bald abgepaddelt.

bei Süderholz

Scholderup-Taarstedt bis Kahleby

Ab Scholderup-Taarstedt beginnt das Sahnestück: es beginnt mit dem Einsetzen über einen Steg bzw. Aussetzen für eine Pause, für die extra eine Bankkombination aufgestellt wurde. Wer hier einsetzen möchte, findet gute Anfahrts- und Parkmöglichkeiten. Auch die Busstrecke passiert diese Einsetzstelle an der Füsinger Au, wie der Fluss jetzt heißt. Nach einem kleinen lustigen Schwall, den wir etwa mittig paddeln sollten, kommen wir in dauerhaft tieferes Wasser. Bei anhaltendem Ostwind kann die Schlei so weit ansteigen, daß man es bis hier merkt. Dann ist es leicht möglich, auch hierher aufwärts mit Canadiern zu paddeln. Ansonsten wird man etwa bis Kilometer 5 kommen, wo es eine schöne Raststelle am Waldrand gibt. Ab jetzt bestimmt Waldgelände über 2,5 Kilometer das Erleben, wir sollten uns hier viel Zeit nehmen. Der Wald ist licht, Buchen und Eichen herrschen hier vor, so daß es im Frühjahr licht und hellgrün schimmert, im Herbst jedoch malerisch bunt. Schön ist es immer, natürlich auch im Sommer, wo wir hier auch angenehmen Halbschatten finden. Es wird flacher an den Ufern, leicht hügelige Wiesen bestimmen für eine Zeit das Bild. Eine sehr prägnante Pappelreihe mit lauter schiefen Pappeln bilden ein Wahrzeichen von Kahleby - das andere ist die auf der Westseite gelegene Kirche. In der Nähe befindet sich ein bekanntes Hügelgrab aus dem Mesolithikum. Gut 3 Kilometer unterhalb von Scholderup kommt die Straßenbrücke von Kahleby-Ruhetal in Sicht. Hier kann man pausieren, einsetzen und ein wenig auf dem flachen Deich spazierengehen, wenn einem danach ist.

Hafen Winning

Von Kahleby bis zur Schlei

Die benachbarten Wiesen gehören Schafen, manch Wasservogel hat hier seine Heimat, Eisvögel, Bussarde und Graureiher sind hier "normal". Die Füsinger Au ist hier ein richtiger Fluss, etwa 12-15 Meter breit, nur fließen will sie kaum, abhängig vom Wasserstand der Schlei. An den Ufern wächst ab jetzt auch Schilf, sonst Erlen, Maulbeereschen und Weiden. Relativ flach ist die Füsinger Au hier immer noch, in Relation zur Breite schon erstaunlich. Wir paddeln auf unserem weiteren Weg also an Sumpfgebiet und kleinen Bruchgehölzen vorbei, einige Gräben münden in die Füsinger Au, unter anderem auch der Schaalbyer Mühlenbach, der bis 1970 eine Wassermühle antrieb. An der nächsten Brücke erreichen wir die letzte Einsetzmöglichkeit, Schaalby ist gut 1000 Meter nordwestlich, südlich von uns liegt Füsing. Unter der Brücke brüten im Sommer Mehlschwalben, freundliche Mitmenschen haben sogar einige Drähte für sie gespannt zum entspannten plaudern. Von hier bis zur Mündung bei Winningmay sind es noch knapp 2 Kilometer. Wir paddeln an Schilfufer, Bruchwald und einer Straßenbrücke ohne Einsetzmöglichkeit (Straße Füsing - Klensby) vorbei. Die Füsinger Au wird nochmals breiter, wir sehen im Moment nur noch Wasser und Schilf. Dann kommt rechts ein Wäldchen in Sicht, davor eine hölzerne Fußgängerbrücke. Sie gehört zu einem Wanderweg, der von Winningmay zum Gut Winning und noch weiter führt. Die Brücke zwar nicht, doch der Weg ist oft überflutet. Wir paddeln durch den kleinsten Ostseehafen, den wir kennen, und schon sehen wir die Schlei und rechts das kleine Gehölz, das am relativ hohen Ufer südlich des Gutes Winnings wächst. Wenn es die Wellen zulassen, paddeln wir nun noch 250 Meter bis zur Badestelle Winningmay links vor der Halbinsel Reesholm, wo wir hoffentlich unser Fahrrad oder ein sonstiges Fahrzeug stehen haben. Ansonsten gehen wir eben zur Hauptstraße nach Füsing, um mit dem Bus unser Auto von unserem Einsetzort zu holen. Sollten die Wellen zu hoch sein, müssen wir zurück zur Brücke Füsing - Schaalby, was einfach zu paddeln ist. Bei der Badestelle Winningmay befindet sich ein großer Parkplatz, wo bislang gratis ohne Einschränkungen geparkt werden darf.

Blick auf Reesholm

Die Schlei

Wenn das Wetter mitspielt, ist eine Weiterfahrt auf der Schlei sehr zu empfehlen, da es dort sehr viel zu entdecken gibt. Die Wahrheit ist, daß man sich dort einen ganzen Sommer aufhalten kann, ohne daß es langweilig wird. Es gibt an den Ufern der Schlei viele erholsame Umstände, von geschichtsträchtigen Orten über überregional wichtige Museen bis hin zu unglaublich stillen kleinen Strandseen und Buchten. Die wirkliche Ostsee ist "nur" 36 Kilometer entfernt. Für Übernachtungsmöglichkeit ist auf der gesamten Schlei gesorgt, es gibt sowohl mehrere Campingplätze, eine Jugendherberge direkt am Wasser sowie viele stille Ecken. Allerdings gibt es auch Bootsverkehr, und ganz unerfahrene Paddler sollten sich erstmal in stillen Buchten üben. Es ist für alle Ansprüche etwas vorhanden, viel Spaß! (Wir werden die Schlei sicher noch separat beschreiben, aber das ist nicht so einfach, will man es erschöpfend und gründlich tun, so, wie es unserem Anspruch entspricht...)