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Gewässerbeschreibung Oderbruchgewässer

Letzte Änderung: 21. Juli 2010

Alte Oder

Allgemeine Informationen zum Oderbruch nach oben

Das Oderbruch (wieso eigentlich "das", wo es doch im Deutschen "der Bruch" heißt?) war ein typisches Binnendelta, das die Oder unterhalb Lebus bis Liepe/Oderberg geschaffen hat. Es setzte sich auch noch in dem Bereich fort, das wir heute als "Unteres Odertal" bezeichnen, also von Hohensaaten bis noch unterhalb Stettin (Police).

Hier lebten Fischer und Korbflechter von dem, was die Natur ihnen bot: reichlich Fisch wurde gefangen und verkauft. Die Bewohner haben es mit den Launen der Natur ausgehalten. Mehrmals im Jahr gab es Hochwasser und die Oder verlegte von Zeit zu Zeit ihre Nebenarme und sogar ihren Hauptarm. Die Menschen waren wendischen Ursprungs, und die Christianisierung hatte hier nur marginalen Erfolg. Am Rande des Oderbruchs entwickelten sich Handelsplätze, die auch die Waren und den Fisch aus dem Oderbruch vermarkteten, z.B. Wriezen.

Die Herrscher Preußens Friedrich-Wilhelm I (Soldatenkönig) und sein Sohn Friedrich der II. (Der Alte Fritz) führten gegen den Willen der Bewohner des Oderbruchs Maßnahmen durch, die aus der einstigen wilden Naturlandschaft eine Kulturlandschaft machten. Etwa 60.000 ha Bruch- und Auenland wurden weitgehend trockengelegt (ca.97%) und es gab einen Bevölkerungszuwachs von etwa 6000 bis 7000 Menschen. Uns ist nicht bekannt, wieviele der ursprünglichen Bewohner damals ihre Heimat verließen. Manche Quellen berichten von "ethnischen Säuberungen". Es sollen viele Soldaten bei den Repressionsaktionen eingesetzt worden sein.

Die Kolonisten kamen aus weiten Teilen Deutschlands und sogar aus Frankreich, Österreich und der Schweiz. Man versprach ihnen das Blaue vom Himmel, aber sie mußten sehr viele Abgaben zahlen und zum Teil sogar Frondienste leisten. Etwa 50% des gewonnenen Landes gehörte dem König.

Große Vorteile hatten die großen Reiterregimente Preußens, die hier nach der Kultivierung gutes Weideland zu sehr günstigen Pachtkosten fanden. Der preußische Staat erfuhr durch diese und ähnliche Maßnahmen (Trockenlegung der verschiedenen Havel- und Rhinluchs z.B.) großen Aufschwung, die Steuereinnahmen stiegen und die Ernährungsgrundlage wurde verbessert.

Das Niederoderbruch zwischen Wriezen, Bad Freienwalde und Oderberg/Liepe war früher eine riesige Wasserfläche (also eine extrem breite Oder bzw. ein See), das Wasser muß nach heutigen Höhenangaben in Karten etwa 2m über dem jetzigen Pegel des Oderberger Sees gestanden haben bzw. würde bei Öffnung des Deiches der Stromoder in Hohensaaten-Alte Schleuse wieder so hoch stehen. Das vollkommene Trockenlegen und damit Nutzen gerade dieses Gebietes konnte erst dann erfolgen, als die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße fertig gestellt war (zumindest das alte Wehr Hohensaaten und die Verlegung des Oderarms an den Ostrand des Unteren Odertals und dessen Eindeichung ca. Mitte des 19. Jahrhunderts), denn erst dann wurde man das gesamte Wasser im freien Gefälle los: die HoFriWa hat in Hohensaaten schon etwa den Wasserstand, den die Oder erst 20km unterhalb Hohensaaten erreicht hat, nämlich etwa 40cm über  Meeresspiegel. Nur dann, wenn anhaltende nördliche Winde zuviel Wasser ins Haff drücken, kann es in Hohensaaten wieder zu dem Zustand kommen, daß der Wasserspiegel im Oderberger See und dem Oder-Havel-Kanal (Lieper See) sowie der Alten Oder steigt. Bislang ist am Unterwasser des Wehres in Hohensaaten ein Höhenunterschied von etwa 0,70m zum Oderberger See.Wenn es also einerseits anhaltende Regenfälle über dem Oderbruch und andererseits anhaltende nördliche Winde von der Ostsee her gibt, wird es schnell eng für die Bewohner des Niederoderbruchs, zumindest für die Landwirtschaft.

Viele Bewohner des Oderbruchs (das mögen auch viele Nachkommen der Kolonisten sein!) wurden während der DDR-Diktatur enteignet und dadurch faktisch vertrieben, die Landwirtschaft fast ausschließlich in LPG-Form weitergeführt. Das Wassermanagement wurde immer weiter perfektioniert. Seit der Wiedervereinigung schwindet die Bevölkerungszahl mangels Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und durch den Abbau der Bahnverbindungen. Der Tourismus nimmt zu, man entdeckt die Natur. Nun strebt man nach neuen, billigeren Lösungen des Wassermanagements. Die Bevölkerung wird sich von Zeit zu Zeit (z.B. 1997 beim großen Oder-Hochwasser) darüber klar, daß sie auf einem Stück Land lebt, das eigentlich ein Flussgrund ist. Dieses Land trocken zu halten kostet Geld, Zeit und Mühe. Gebaut wird weiterhin auf dem platten Grund, nur wenige Bewohner hier haben ein Bewußtsein darüber, wie hoch über NN ihr Grundstück eigentlich liegt. Wenn die Oder eines Tages wieder "kommt", wie sie 1947 gekommen ist und 1997 fast gekommen wäre, könnte es mit all den Siedlungen vorbei sein, die nicht auf erhöhten Landinseln errichtet wurden. Niemand kann vorher sagen, ob die Deiche ausreichen, die man bisher und im verstärktem Maße seit 1997 gebaut hat. Und niemand kann vorher sagen, ob sich die bisherigen Grundwasserströme so verhalten wie bisher, denn sie werden von der Oder und den höher liegenden westlichen Gebieten gespeist und müssen meist durch Schöpfwerke teuer entfernt werden wie im Bereich Spitz, Zäckericker Loose, Bienenwerder und Zollbrücke.

Das Wasser im Oderbruch fließt teilweise frei, vor allem in den beiden Haupt-Vorflutern, die wir als Paddelgewässer beschreiben sowie in der Güstebieser Alten Oder.  Das bedeutet, daß das allgemeine Gefälle im Oderbruch von etwa 13 Meter zwischen Seelow-Gusow und Hohensaaten genutzt wird, um das eingedrungene Wasser und Niederschlagswasser ableiten zu können. Aber es ist nicht das gesamte Gelände des Oderbruchs eine spiegelglatte Ebene: es gab immer Inseln und Mini-"Höhenzüge", auf denen es höher war und die besiedelt wurden und es gab Niederungen, die fast immer überflutet waren, ganz einfach deshalb, weil das Wasser der Oder über diesen Geländeteilen stand (Die Oder bei Lebus etwa 14m über NN, bei Hohensaaten bei 3m über NN, entsprechend waren die Wasserstände der Oderarme, die durch das Bruch flossen). Das hat sich erst durch die Eineichungen und den Durchstich zwischen Güsterbieser Loose und Hohensaaten geändert.

Diese Niederungen müssen schon immer Bruchlandschaften bis hin zu Seen gewesen sein, also nasser als Auen, die ja so heißen, weil sie nur vorübergehend überflutet werden. Das sind die Oderbruchteile, die heute nicht im freien Gefälle entwässert werden können, sondern durch Pumpen trocken gehalten werden müssen. Das sind auch die Teile, die am meisten Kosten verursachen. Diese Gebiete stehen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zur Disposition: man muß entscheiden, ob man sich die hohen Entwässerungskosten  "für ewig" ans Bein binden will. Und man muß auch erwägen, ob man bis zur nächsten Katastrophe warten oder schon bald tragfähige Lösungen finden will, die sowohl für die Menschen als auch für die Natur als nachhaltig gelten können. Dazu könnten auch Deichrückverlegungen der Stromoder gehören. Wenn Polen tatsächlich ernst macht und die Oder von Breslau ab für die Schifffahrt weiter ausbaut, werden dort die bisherigen Überflutungsgebiete nicht mehr in dem Umfang zur Verfügung stehen: es kommt dann im Ernstfall mehr Wasser die Oder herab. Damit sollte man sich bei Zeiten auseinander setzen und nachhaltige, belastbare Lösungen finden.

Wir selbst finden es sehr riskant, in Gebieten zu siedeln, deren Entwässerung und damit Bewohnbarkeit von externen Mitteln wie Elektrizität und dem Funktionieren stabiler sozialer und politischer Strukturen abhängt. Wenn man Versicherungen fragen würde, bekäme man sicher eine eindeutige Risikoabschätzung. Wir können uns anhand der Höhenverhältnisse gut vorstellen, wie diese ausfallen würde. Wir wünschen allen Bewohnern des Oderbruchs trockene Füße und weise Entscheidungen.

Hier stellen wir einmal einige Höhenangaben zusammen, die wir aus verschiedenen Karten gewannen:

  • Platkow-Gusow etwa 10 Meter über NN
  • die Oder bei Zellin etwa 14 Meter über NN
  • Fuchsberge bei Groß Nenendorf 14 Meter über NN
  • südlich von Altwriezen-Beauregard 5 Meter über NN
  • Neulitze-Göricke 5 Meter über NN
  • Sachsendorf 10 Meter über NN
  • Seelower Höhen ca. 60 Meter über NN
  •  Horst bei Quappendorf 5 Meter über NN
  • Prinzenberg bei Wriezen 74 Meter über NN
  • Bliesdorf 10 Meter über NN
  • Schmiedeberg 85 Meter bzw. 100 Meter über NN
  • Nahe Wendshof 2,5 Meterüber NN
  • Moosberg (auf dem Neuenhagener Sporn) 91 Meter über NN
  • Oderberger See 1,1 Meter über NN
  • Ostoder bei Hohensaaten 3 Meter über NN
  • Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße bei Hohensaaten 0,40 Meter über NN
  • HoFriWa bei Friedrichsthal 0,20 Meter über NN
  • Ostoder beim Marienhofer Wehr 0,30 Meter über NN

Der Wasserwanderer ist von allen Touristen der einzige, dem es möglich ist, die Ursprünglichkeit des einstigen Oderbruchs zu erahnen, da nur aus dem Kanu diese Perspektive möglich ist. Mit anderen Verkehrsmitteln oder zu Fuß erreicht man man immer nur die Straßenbrücken, aber erst zwischen den Brücken finden wir die Abschnitte, wo die Natur sich allein entfaltet und erhalten hat. Dort finden wir Reste von Hart- und Weichholzauen und fast das gesamte Spektrum an pflanzlicher Vielfalt, das in Sümpfen und Brüchen möglich ist. Nur dort sind die Eisvögel, die Biber und die vielen Rehe, die Kraniche und die Pirole. Wir wünschen allen Reisenden mit dem Kanu viele glückliche Stunden im stillen Oderbruch auf den Altarmen der Oder bzw. den ehemaligen Mündungsarmen der Schlibber (heutige Slubia), also der Stillen Oder /Mucker sowie dem Freienwalder Laufgraben als zwar kurzes, aber sehr beliebtes Kanugewässer, den wir  zu gegebener Zeit noch beschreiben werden. Wer sich mit der Situation im Oderbruch aus einer anderen Perspektive befassen möchte, dem empfehlen wir gelegentliche Besuche beim Internetportal des Projektes Oderbruchpavillon.

Richtgraben

Alte Oder von Reitwein über Wriezen bis Oderberg (mit Richtgraben, Letschiner Hauptgraben und Volzine) nach oben

Die hier beschriebene Strecke hat eine Länge von ca 74 Kilometern, für die man 4 Tage benötigt.

Alte Oder ab Reitwein

Wir können die Alte Oder mit dem Kanu ab km74 paddeln, das ist bei der Straßenbrücke von Reitwein zu den Oderdeichen. Wenn man schon hier einsetzt, gewinnt man das schöne Stück Alte Oder oberhalb Neu-Manschnow, das durch Auenwaldabschnitte, Einsamkeit und Stille begeistert. Wir paddeln an einem kleinen Schöpfwerk vorbei, von wo aus die Landwirtschaft ihre Felder bewässern kann. Bald sind wir an einem breiteren Gewässer, es ist schon fast als schmaler See anzusehen. Die Natur hat hier noch viel Raum behalten in einer ansonsten landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft. Der See erstreckt sich ganz bis zur Bundesstraße 1, wo es eine neue Fischtreppe gibt, die auf etwa 100m zu umtragen ist. Dabei unterfahren wir die Bundesstraße glücklicherweise, anstatt unsere Kanus über die Straße tragen zu müssen.

Förstersee

Unterhalb der Fischtreppe ist die alte Oder nur noch etwa 5m breit und recht schnell. Nach ein paar Brücken sind wir bald in Gorgast, wo ein weiterer See uns Abwechslung beschert: eine Art "Dorfteich" liegt vor dem Schloß Gorgast, er bildet eine Schilfinsel und im weiteren Verlauf der Alten Oder, die jetzt "Förstersee"  heißt, paddeln wir durch extreme Sümpfe. Links liegt bald darauf der kleine Campingplatz Heidehof, der Förstersee ist jetzt nicht mehr ganz so wild. Allerdings hat er steile, bewaldete Ufer aufzuweisen, was das erhöhte Vorkommen an  Eisvögeln erklärt, die hier herumfliegen und fischen.

Einen Kilometer unterhalb des Campingplatzes wendet sich der Förstersee nach Westen, die Genschmarer Chaussee wird über das Gewässer geführt. Da an dieser Brücke der Schotterverbau von Holzpfählen eingefaßt ist, kann man hier auch einsetzen.

Bevor wir nach Golzow gelangen, passieren wir links den Biwakplatz der Kanuvermietung "Kandis Abenteuertouren", der mit einem Schwimmsteg ausgerüstet ist. Ein kurzes Stück dahinter wird aus dem Förstersee wieder ein schmales Gewässer, die Alte Oder mit 5 bis 6 Meter Breite fließt hier durch eine Wildnis, die man von der Straße her niemals geahnt hätte.

Direkt am Ende das Förstersees paddeln wir rechts an der Badestelle von Golzow vorbei, die auch für Dorffeste genutzt wird. Sie ist ca. 700m von Golzow entfernt und ist sehr gut als Pausenplatz nutzbar. Eine außergewöhnlich schöne Fußgängerbrücke führt hier über die Alte Oder direkt in die Wildnis, wie es scheint. Hier liegt viel Totholz im Wasser, die Umgebung ist als "Bruch" zu bezeichnen, in dem viele Weiden und Erlen ihr Zuhause haben. Wir können ahnen, wie es vor der Trockenlegung des Oderbruchs fast überall ausgesehen haben mag. Es herrscht eine extreme Üppigkeit an Pflanzenwuchs. Viele verschiedene Vogelstimmen sind zu vernehmen, oft hört man im Sommerhalbjahr Pirole. Falls wir es noch nicht erwähnt haben: der Biber hat sich das komplette Oderbruch wieder zu seiner Heimat gemacht, entsprechend sind häufig Bibergleiten und Nagespuren sowie ausgerissene Seerosenwurzeln zu finden. An der Stelle müssen wir uns jedoch immer wieder darüber klar werden, daß es nur "Reste" der einst riesigen Sumpflandschaft sind, die wir hier sehen, wenngleich es auch vom Kanu aus durchaus die schönsten Perspektiven sind.

Mit unserem Kanu können wir in Golzow an einem kleinen Steg anlegen, ein paar Bänke stehen bereit.

Es folgen ein paar Brücken, eine davon ist so niedrig, daß man bei höheren Wasserständen evtl. umtragen muß. Bevor wie Hauptstraße unterqueren würden, biegt die Alte Oder als "Richtgraben" nach Norden ab, links zweigt der "Schleusengraben" ab, eine Fischtreppe bildet die Staustufe. Der "Schleusengraben" ist ein langweiliges Fließ, dessen Wasser bei Gusow in die Gusower Alte Oder fließt. Wäre der Schleusengraben schöner, hätten wir hier eine sehr attraktive Verbindung über Quappendorf nach Wriezen. Paddelbar ist er natürlich schon, wenngleich er im Sommer auch ziemlich zuwächst, bevor er dann gekrautet wird (wie alle anderen Gewässer hier auch).

Wir halten uns also rechts stehen am Ortsausgang von Golzow vor einem Wehr. Es gibt gute Aus- und Wiedereinstiegsstege, und wenn das Wasser hoch steht, können wir einfach durchpaddeln. Dafür müssen wir jedoch auf jeden Fall anhalten und die Situation klären.

Richtgraben

Der folgende Richtgraben ist ein munter fließender und mäandrierender Kleinfluss in natürlicher Umgebung. An seinen Ufern stehen alte Weiden und Pappeln, gelegentlich auch Eichen.  Vor Friedrichsaue finden wir einen kleinen Rastplatz mit Anlegesteg sowie überdachter Tisch-Bank-Kombination. An dem Platz ist es wieder richtig wild und der Richtgraben windet sich durch Reste von Bruchwald. Ein Kleinbahndamm führt heute als Fahrradweg von dort nach Golzow. Es gibt hier auch einige sumpfige Nebengewässer, teilweise werden hier auch Renaturierungsmaßnahmnen durchgeführt.

In Friedrichsaue hat man eine offizielle Kanu-Einsetzstelle eingerichtet, an den Ufern wächst Pfeilkraut und Brunnenkresse. Kurz darauf zweigt rechts der Genschmarer See ab, ein etwa 3km langes breites stehendes Gewässer, das bis nach Genschmar reicht und dessen Verbindungskanal zum Richtgraben oft komplett mit Seerosen zugewachsen ist.

Eine sehr  niedrige Brücke etwa 600m vor Zechin kann nur von flachen Kanus passiert werden, bei hohen Wasserständen wird sie mancher umtragen müssen. Es folgt eine Schilfstrecke, die jedoch nur kurz ist. 

Dann sind wir in Zechin angekommen, wo wir unser Kanu mit dem Bootswagen zum nahen Campingplatz ("Oderbruch-Camping") schieben können, um dort zu zelten oder im Miet-Wohnwagen zu übernachten. Hier gibt es auch ein Freibad und eine Gaststätte.Das Oderbruchcamp-Zechin ist neuerdings DKV-Kanustation.

Letschiner Hauptgraben

 Das Aussetzen zum Besuch das Zeltplatzes ist auch gleichzeitig nötig, um das folgende Wehr zu umtragen. Der Umtrageweg beträgt hier etwa 70 Meter. Die neu angelegte Fischtreppe ist falsch gebaut worden und wird in den nächsten Jahren modifiziert werden müssen wie viele andere auch, deren Strömungsgeschwindigkeiten augenscheinlich zu hoch ist. Sie ist für das Gefälle einfach zu gerade.

Die nächsten 6km sind nicht gerade das, was man sich als Wasserwanderer wünscht: fast schnurgerade gebaut, nur durch Uferbewuchs und 3 Brücken aufgelockert, wird man diese Strecke so schnell wie möglich abpaddeln. Es gibt einige überhängende Bäume und relativ hohe Ufer, auch ausgeprägte Schilfabschnitte. In manchen Sommern wächst der Letschiner Hauptgraben auch ziemlich zu, bis er dann gekrautet wird. Es ist aber trotzdem nie langweilig.

In Basta gibt es neben einer niedrigen gemauerten Brücke eine offizielle Kanueinsetzstelle. Der Letschiner Hauptgraben ist meist etwa 5m breit und strömt mit ca. 1km/h vor sich hin. Nahe Steintoch gibt es ein paar Kurven, und auch der Baumbewuchs nimmt für eine Weile zu. Dann haben wir Letschin erreicht, rechts beim Bahnmuseum wurde ein Kanurastplatz eingerichtet.

An Letschin vorbei ist es etwas interessanter, und dann gibt es wieder ein Wehr: vor der Straße zum Bahnhof, der links von uns liegt, müssen wir aussetzen (Steg), das Wehr und eine kleine Sohlgleite unter der Brücke umtragen und hinter der Brücke wieder an einem Steg einsetzen. Da man hier auch gut mit einem Fahrzeug anfahren kann, ist hier eine sehr gute Einsetzmöglichkeit, zumal der Bahnhof sehr nahe ist.

Von hier bis Sietzing kurvt der Letschiner Hauptgraben wieder ein wenig, in Sietzing selbst wurde eine Kanueinsetzstelle eingerichtet, sie befindet sich direkt neben der Straßenbrücke Sietzing-Neubarnim. Es folgen einige Brücken und 2 Wehre, letztere sind bei normalen und höheren Wasserständen meist offen.

Links von uns liegt ein großer Windpark, wir kommen an der Straßenbrücke Alttrebbin-Neutrebbin vorbei. Im letztgenannten Ort gibt es einen Bahnanschluß der Strecke Berlin/Lichtenberg - Frankfurt/Oder.

Dann sind wir in Bochows Loos angekommen, wo von rechts die Volzine zufließt. Vor uns liegt ein Wehr, das man meist umtragen muß.

Volzine

Die Volzine, die von rechts kommt und den Letschiner Hauptgraben aufnimmt, fließt von Neubarnim über Altlewin und Thöringswerder und ist zwar paddelbar, hat jedoch nur Wiesen und wenig Bäume als Nachbarn. Die 7km lohnen nicht wirklich eine Anreise.

Die 3km Volzine, die wir jetzt bis Wriezen paddeln, haben hohe Ufer, auf denen dicke Pappeln und einige Eichen wachsen. Etliche dicke Pappeln sind hier auch schon in die Volzine gefallen, wurden jedoch bald herausgesägt.

Nach den ersten Häusern von Wriezen erreichen wir eine Stelle, wo man früher immer umtragen mußte: eine Rohrleitung versperrte den Weg in geringer Höhe, so daß man sich meist nicht darunter hindurchquetschen konnte. Erst jetzt, im Sommer 2009 hat man das Rohrstück endlich herausgesägt und somit für freie Fahrt gesorgt.

Dann fließt von links der "Neue Kanal" zu, wir paddeln nahe am Bahnhof vorbei und befinden uns jetzt auf der Wriezener Alten Oder (auf manchen Karten reicht die Volzine bis zum Zufluß der Güstebieser Alten Oder).

Wriezener Alte Oder

Nachdem wir die Straßenbrücke in Wriezen passiert haben, sind wir bald im Alten Hafen. Hier betreibt die Familie Brennecke einen Kanuverleih und einen Wasserwanderrastplatz. Es wird Bier gebraut und es werden Zimmer vermietet. Hier stehen noch einige alte Kalköfen, die von vergangenen Zeiten kunden und wieder restauriert werden sollen. Wriezen hat einen guten Bahnanschluss nach Frankfurt/Oder und Berlin Lichtenberg. Früher war hier reger Lastschiffsverkehr mit Kohle und Kalk für die damalige Kalkbrennerei. In sehr viel früheren Zeiten war Wriezen für die Ureinwohner des Oderbruchs ein sehr wichtiger Handelsplatz, es wurde Räucherfisch durchaus auch überregional gehandelt.

Die Wriezener Alte Oder ist ab hier bis Oderberg immer zwischen 20 und 30 m breit und fließt träge mit ca. 0,5 km/h (selten - 1km/h)  dahin. Von der Stadt bekommt man als Paddler wenig mit und befindet sich immer im Grünen. Große Weiden, Pappeln, Eichen und Erlen säumen die Ufer. Rechts am Ortsausgang fließt die schmale Güstebieser Alte Oder zur Wriezener Alten Oder: zur Zeit ist sie stark verkrautet und es liegen viele Bäume im Fluss. Das soll sich jedoch ändern: es wird gerade (2009) ein Wehr in Güstebieser Loose gebaut, das Wasser von der Stromoder abzweigt, um es der Güstebieser Alten Oder zur Verfügung zu stellen.Wir hoffen, daß man sie auch entschlammt.

Man bedenke an dieser Stelle, daß die Güstebieser Alte Oder der Hauptarm war, bis in der Mitte das 18:Jahrhunderts der Durchstich bei Güstebiese (bis Hohensaaten) erfolgte. Dann teilte sich der Oderstrom, auch die Alte Oder wurde ab hier eingedeicht. 1834 wurde die Alte Oder ganz vom Strom abgeschnitten, um das nun trockengelegte Oderbruch vor den Hochwässern zu schützen und um der Schifffahrt mehr Wasser zur Verfügung stellen zu können. Bis auf das vergleichsweise kleine Rinnsal Güstebieser Alte Oder wurde der Bereich zwischen den früheren Oderdeichen an manchen Stellen besiedelt, was wir für großen Leichtsinn halten, da bei einem Deichbruch alles schnell geflutet werden könnte, auch heute noch. Auch bei zuviel Rückstau könnte dieser Fall eintreten, das Gelände liegt kaum über 3m ü. NN (2,5m bei Wendsdorf, 1,1m Oderberger See etc. bis Hohensaaten).

Auch die Wriezener Alte Oder, auf der wir jetzt paddeln, ist beidseitig eingedeicht. Die Deiche befinden sich allerdings etwas abseits und das gesamte Vorland und auch die Deiche selbst sind oft mit Bäumen und Gesträuch wild bewachsen. Oft ist das Ufer der Alten Oder nicht zu definieren, viele Sumpfpflanzen und Auengehölze bilden eine kaum zu beschreibende Wildnis. Diese Beschreibung trifft mehr oder weniger auf den gesamten Rest der Wriezener Alten Oder bis Oderberg zu. Hier ist viel Lebensraum für Pflanzen- und Tiervielfalt.

Wir paddeln auf eine Straßenbrücke zu, es erscheint der Biwakplatz von Neugaul. Ein kleiner Hafen, ein Anlegesteg, Picknickbänke mit Dach, eine Feuerstelle und ein Trockenklo bilden die Ausstattung. Der Platz kann auch als Einsetzstelle dienen, da er von der Straße aus zugänglich ist. Am westlichen Flussufer wurde eine Badestelle eingerichtet. Bis zum nächsten Rastplatz sind es noch 3km. Außer mit Gehölzen sind die Ufer ab jetzt auch mal mit hohen Schilfwänden bestanden, aber da die Alte Oder breit ist, kommt kein Gefühl der Enge auf.

Der nächste Rastplatz (offiziell kein Biwakplatz, kein Klo) liegt an der Straßenbrücke bei "Zuckerfabrik", einem Ortsteil von Altranft. Einsetzen ist auch hier gut möglich, man parkt am besten in Ortsnähe (nicht weit). 

Bis Schiffmühle sind es noch etwa 6km, größtenteils sind wir hier mit üppiger Natur alleine. Ab und zu weiden ein paar Schafe die Deichbereiche ab, meist herrscht jedoch pure Natur vor. Von Intensiv-Landwirtschaft sehen und spüren wir hier nichts. Das erste, was wir von Schiffmühle zu sehen bekommen, ist der hohe Schornstein des ehemals von Dampfmaschinen betriebenen Schöpfwerks Neutornow. Hier wird das Niederschlags- und "Qualmwasser" (was unter den Deichen hervorquillt) des Gebiets "Lietzener Polders" in die Alte Oder gepumpt. Es hat sich im Laufgraben und Mucker (etwa ab Zollbrücke) gesammelt, um dann in die "Stille Oder" zu fließen. Da das Gelände dort jedoch niedriger als der Wasserstand der Alten Oder ist, kann es nicht mehr im freien Gefälle abfließen. Die heutigen Pumpen schaffen bis zu 7qbm pro Sekunde! Wir vermuten, daß hier vor dem Oderdurchstich die Mündung der heutigen "Slubia" war, wer etwas darüber weiß, möge sich bitte bei uns melden. Dieser kleine Fluß, der damals "Schlibbe" hieß, wurde ja durch den Oderdurchstich 1753 abgeschnitten, seine Mündung liegt jetzt bei Siekierki.

Vor dem Schöpfwerk liegt rechts eine Einsetzstelle, eine große Wiese ist mit dem Fahrzeug gut zugänglich, so daß man hier einsetzen kann. Natürlich kann man diese Stelle auch als Pausenplatz gut nutzen, diese sind ja ansonsten selten genug zu finden. Wer in die "Stille Oder" einsetzen möchte, kann dies neben der Agrarfabrik tun, wo ein offizieller Rastplatz eingerichtet wurde. Hier kann man auch von der Stillen Oder in die Wriezener Alten Oder umsetzen, es sind ca. 270m. Etwas abseits liegt der kleine Bruchsee, der von einem großen Dorfplatz aus als Badegewässer genutzt wird.

Vor uns liegt nun der immerhin 90m hohe Neuenhagener Sporn, der seit dem Oder-Durchstich Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer Insel geworden ist. Wir sehen steile Abhänge, die teils bewaldet und teils nur mit Gräsern bewachsen sind. Die Fläche dieser interessanten Insel beträgt etwa 3x6km, es gibt hier auch kleine Hochmoore und ehemalige Tongruben (NSG Neuenhagen) und den kleinen  See "Großer Krebssee" bei Hohenwutzen. Das Gelände fällt von den steilen Hängen, an denen Schiffmühle liegt, sanft ab bis zur Stromoder bei Neuglietzen/Hohenwutzen und Bralitz sowie Oderberg und Hohensaaten. Dort haben wir sehr niedrige Wiesen, vor dem Durchstich der Oder von Güsterbiese bis Hohensaaten muß hier eine sehr breite Oderschleife gewesen sein, wie man auf Luftbildern heute noch erkennen kann.

Wriezener Alte Oder bei Schiffmühle und Bralitz

Schiffmühle ist ein außergewöhnlicher Ort, hier findet man keine verlassenen Hausruinen wie ansonsten fast an jedem Ort. Es fehlt auch jeglicher Kitsch in den Vorgärten und Gärten zur Alten Oder, das ist schon bemerkenswert. Am Ortsausgang liegt der Alte Fährkrug, ein Restaurant mit Pension, es gibt hier auch eine offizielle Einsetzstelle. Wer zur Bahn möchte, muß einfach ein paar Kilometer bis zum Bahnhof Bad Freienwalde gehen. Schiffmühle war in alten Zeiten ein bedeutendes Fischerdorf am Randes des Niederoderbruchs. Ab hier kann gelegentlich ein Motorboot kommen, Anlieger mit festen Liegeplatz dürfen ab hier trotz des allgemeinen Motorbootverbots fahren. Deren Anzahl ist jedoch sehr leicht überschaubar.

Die folgenden knapp 6km paddeln wir wieder durch wirklich wilde Natur, es gibt nur ein paar Häuser abseits bei Wendshof am linken Ufer. Abgesehen von dieser alten Fischersiedlungsstelle  und später "Heeses Loos" blieb das gesamte Niederoderbruch unbesiedelt, nur die Ränder werden stärker genutzt als früher, da die Überschwemmungen ausbleiben. Das sind Bralitz, Schiffmühle, Bad Freienwalde, Falkenberg, Liepe und Oderberg.

Rechts ist meist auch sumpfiges Ufer, dahinter steigt das Gelände jedoch an und ist meist bewaldet, bis wir die Alte-Oder-Schleife bei Bralitz erreicht haben.

Von Bralitz selbst sehen wir nur wenig, von links mündet der Freienwalder Landgraben ein, der von Altranft her kommt und ein sehr beliebtes natürliches Kanugewässer ist. Die Einmündung scheint früher eine Art Wehr oder Stauschleuse gewesen zu sein. Eine Ruine steht hier am Ufer, sicher war es früher das Haus eines Stromwärters.

Einen Kilometer weiter erkennen wir eine Straßenbrücke, links davor liegt der "Hafen" des Wassersportvereins Bralitz. Ab der Brücke sind wir auf einer Landeswasserstraße. Hier wurde auch eine Einsetzstelle eingerichtet. Der Ort "Heeses Loos" liegt links etwas abseits. Die Ufer der Alten Oder wurden ab hier mit Schotter befestigt, der aber an den meisten Stellen stark überwachsen ist.

Rechts erscheinen einige Industriebrachen, die meist stark eingewachsen sind. Eine davon ist eine alte Kiesverladestation, die gerade (2009) zu einem Wasserwanderrastplatz mit erlebnispädagogischen Einrichtungen ausgebaut wird. Hierbei hat man auch an Menschen mit Behinderungen gedacht. Eine Floßtour soll ebenfalls von hier aus regelmäßig stattfinden.

Die folgenden 3km paddeln wir links an einem Naturschutzgebiet vorbei, rechts sehen wir ortstypische Freizeitgrundstücke, Anlegestege und kleine Motorboote. Dann tauchen die ersten Häuser von Oderberg auf, wir sehen die steil aufsteigenden Ufer mit Häusern, die an den Hang geklebt worden zu sein scheinen. Die Hügel sind immerhin über hundert Meter hoch und fallen zur Alten Oder hin steil ab.

Die Alte Oder ist hier Teil der "Havel-Oder-Wasserstraße" , es herrscht ein wenig Freizeitmotorbootsverkehr und ab und zu verkehren hier auch einige Ausflugsschiffe sowie die Schubverbände der Berufsschifffahrt. Sie transportieren meist Kohlengrus, der aus Schlesien kommt und für Berliner Kraftwerke bestimmt ist. Wir haben jetzt die Wahl, in Richtung Berlin den Finowkanal oder den Oder-Havel-Kanal (Teil der Havel-Oder-Wasserstraße) zu wählen oder in Richtung Hohensaaten zur Stromoder oder zur Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße (HoFriWa) zu paddeln. Wenn wir in Oderberg unsere Paddeltour beenden möchten, können wir am dortigen Wasserwanderrastplatz oder verschiedenen Pensionen und ähnlichen Einrichtungen übernachten.

Wriezener Alte Oder

Alte Oder ab Seelow - von Werbig bis Wriezen mit Quappendorfer Kanal, Neufriedländer Strom und "Neuer Kanal" nach oben

Gusower Alte Oder

Dies ist die zweite Möglichkeit, bis Wriezen und damit auch bis Oderberg zu paddeln. Für diesen etwa 25 Kilometer langen Abschnitt soltten wir einen langen Tag einplanen. Ab dem Bahnkreuz Werbig (Neulangsow, Seelow) ist die Alte Oder bei normalen bis guten Wasserständen paddelbar, der Startplatz besticht durch sehr gute Erreichbarkeit mit der Bahn sowohl auf der Strecke Berlin-Frankfurt als auch Berlin-Küstrin. Es ist also leicht, sein Fahrzeug wieder abzuholen bzw. mit dem Faltboot einen geeigneten Startort zu finden.

Wir können an der Straßenbrücke Neulangsow vor der Zufahrt zum Bahnhof Werbig gut einsetzen, unser Fahrzeug muß an der Straße geparkt werden oder etwas entfernt in einer Nebenstraße. Es gibt noch eine weitere Einsetzmöglichkeit an der nächsten Straßenbrücke an einem weiteren Arm der Alten Oder, doch das ist vom Bahnhof weiter entfernt.

Gleich nach dem Einsetzen müssen wir unter einem niedrigen Rohr hindurch paddeln, bei normalen Wasserständen ist das gut möglich. Die Alte Oder ist hier noch sehr schmal, etwa 5m, wird jedoch zusehends breiter. Der Baumbestand nimmt zu und die Ufer werden immer natürlicher, so wie man es sich wünscht. Es gibt einige Brücken, manche davon sind ziemlich niedrig und die eine oder andere muß man bei erhöhten Wasserständen umtragen. Es ist recht einsam, das nächste Dorf Platkow-Gusow liegt auch etwas abseits links von der Alten Oder.

Wenn man hier paddelt, kann man sich vorstellen, wie es vor gut 250 Jahren, also vor der Trockenlegung, hier wohl ausgesehen hat: Sumpf, Schilf, Auenwald, ab und zu eine kleine Anhöhe mit einer Siedlung darauf- das Ganze mit wechselnden Wasserständen und sehr viel breiteren Oder-Altarmen, als wir sie heute kennen. (hier ist sie allerdings auch schon 10-15m breit).

Wir können für kurze Zeit etwas Autolärm hören, die B167 links ist nahe. Dann erscheint eine Straßenbrücke, hier kreuzt die L334 die Alte Oder, sie führt über Karlshof nach Letschin. Ein Schild verkündet, daß der Steg hier zum offiziellen Kanuwanderrastplatz Gusow gehört. Rechts in einem abgetrennten Altarm steht ein Pumpwerk, das erst nach Kriegsende gebaut wurde und weite Teile des Gebiets zwischen diesen beiden Altoderläufen (Letschiner Hauptgraben und Alte Oder/Quappendorfer Kanal) über Vorfluter in die frei fließende Alte Oder entwässert (um Gusower Loose und Karlshof).

Von den beiden Ortschaften Gusow und Platkow sehen wir kaum etwas und auch von der abseits links gelegenen Teichlandschaft bekommen wir nichts mit. Wir sind hier in einem Bereich des Oderbruchs, den man zum Glück nicht ganz trocken legen konnte. Das erstaunt umso mehr, als wir uns nahe dem Rand des Oderbruchs befinden: die B167 markiert in weiten Teilen ziemlich genau den Rand, von dem aus das Gelände nach Westen wieder rapide ansteigt. Aber immerhin gab es Zeiten, in denen hier der Hauptarm der Oder floss.

Die folgenden 4km bringen uns nach Quappendorf, wir paddeln durch ruhige, urige Flusslandschaft und können uns an artenreichem Pflanzenreichtum und viel Ufergehölz erfreuen. Die Alte Oder fließt langsam mit 0,5 bis 1 km/h, vom nahen Flugplatz Neuhardenberg hören wir nichts, da zur Zeit noch keine Genehmigungen für den Betrieb mit Verkehrsflugzeugen vorliegen.

Quappendorfer Kanal

Quappendorf liegt nicht weit von Letschin entfernt, der Bahnhof wäre  in knapp 4km zu erreichen, wenn es mal sein müßte. Ab der Straßenbrücke Quappendorf-Letschin sind wir auf dem Quappendorfer Kanal. Er fließt zunächst etwas mehr als einen Kilometer nach Norden, um dann für etwa drei Kilometer nordwestlich zu fließen. Obwohl er ziemlich gerade ist, läßt uns sein Bewuchs rechts und links keinerlei Langeweile aufkommen. Ein Stück weit paddeln wir sogar durch richtigen Wald auf trockenem Sandboden. Die Bäume stecken über uns ihre Kronen zusammen und lassen es so richtig heimelig werden.

Daß links von uns der Kietzer See und der Klostersee liegen, die das Ende der Seenkette "Märkische Schweiz" bilden, können wir gar nicht wahrnehmen. Vor der Straßenbrücke der L34 sehen wir links ein kleineres Fließ einmünden: das ist die Stobberow (auch der Stöbber oder Stobber genannt), sie ist für Wasserwanderer aus Gründen des Naturschutzes gesperrt. An die beiden Seen schließt sich noch eine ausladende Teichwirtschaft an. Diese ist von einigen hundert ha Wald umgeben.Am Ende des Quappendorfer Kanals müssen wir noch das Quappendorfer Wehr passieren: entweder durchfahren oder umtragen, je nach Wasserstand, Boot und Können.

Friedländer Strom

Die nächsten 7km paddeln wir auf dem Friedländer Strom, und der ist ebenso natürlich wie die Gewässer vorher. Bei der Straßenbrücke Neufriedland kreuzen wir die L34, die nach Neutrebbin führt. Danach paddeln wir durch Wiesen mit ausgeprägten Schilfufern, bis wir die nächste Straße treffen, die von Gottesgabe nach Wriezener Damm führt. Vor Burgwall  haben fleißige Hände einem einstmals verkommenen Resthof mit viel Engagement wieder neues Leben eingehaucht. 

Wir paddeln weiter, die Ufergehölze nehmen wieder zu. Viele alte Bäume  ragen auf beiden Seiten auf. Dann erreichen wir Neutrebbin-Siedlung Burgwall, links etwas abseits liegt Kunersdorf. Grundstücke (rechts) wurden hier mit starkem Metallgeflecht gesichert. An der Straßenbrücke der Dorfstraße von Kunersdorf gibt es wieder einen offiziellen Rastplatz, dann sind wir wieder in weiter Natur. Obwohl die Landwirtschaft sehr nahe ist, bekommen wir davon nur wenig mit. 

Neuer Kanal

Dann haben wir Bliesdorf erreicht, was wir jedoch nur anhand der Straßenbrücke zwischen Bliesdorf und Bochows Loos feststellen können. Die Uferbäume stehen hier so dicht, daß man sich in einem Wald wähnen könnte. Zwischendurch lockert sich der Baumbewuchs wieder ein wenig auf und wir sehen den nahen Windpark. Das Gewässer heißt ab hier "Neuer Kanal", und das, obwohl er  ziemlich stark mäandert und eher an einem norddeutschen Kleinfluss mit engen Kurven und steilen Prallhängen erinnert. Dann kommen die ersten Gebäude von Wriezen in Sicht, wir befinden uns wohl in einer Kleingartenkolonie. Der Bahnhof von Wriezen ist nahe, die Alte Oder macht eine Kurve und verläuft dann für eine kurze Strecke parallel zu den Schienen. Dann fahren wir unter der Altkietzer Brücke und bald darauf unter der alten Kleinbahnbrücke hindurch. Es folgt noch die Brücke der L33, die Straße heißt "Odervorstadt", dann sind wir bald im Alten Hafen. Damit haben wir die zweite wichtige Strecke im Oderbruch beschrieben, denn von nun ab bis Oderberg verläuft die Alte Oder als "Wriezener Alte Oder" wie schon im vorherigen Kapitel beschrieben.

Stille Oder

Mucker/Stille Oder und Laufgraben nach oben

Zwei Gewässer sind im Nordosten des Oderbruchs anzutreffen, die eine besondere Bedeutung haben: der Laufgraben sowie der Mucker, der ab der Brücke Altglietzen Stille Oder genannt wird.

Laufgraben

Der Laufgraben verläuft ab Zollbrücke etwa 12 Kilometer parallel zur Stromoder und hat die Aufgabe, das unter den Deichen hervortretende Drängewasser (Qualmwasser) aufzufangen und zum Schöpfwerk Neutornow bei Schiffbrücke zu leiten. Er ist zwar weitgehend schmal, aber im Frühjahr und in wasserreichen Sommern paddelbar und bietet die Möglichkeit für eine Rundtour entweder mit dem Mucker oder sogar mit der Stromoder. In wasserarmen Sommern verkrautet der Laufgraben ziemlich stark. Der Laufgraben mündet etwa 1km vor der Brücke Altglietzen in den Mucker, der ab dort Stille Oder genannt wird. Gemeinsam fließen sie dann zum Schöpfwerk Neutornow, das noch bis zum Ende des 2. Weltkrieges mit Dampf betrieben wurde.

Stille Oder und Mucker

Der Mucker bzw. die Stille Oder sind unseres Erachtens Reste der einstigen Slubia-Mündung in die Oder bei Schiffmühle vor dem Bau des Oder-Durchstichs. Die Slubia wurde praktisch abgeschnitten und erhielt eine zurückverlegte Einmündung in die Oder bei Siekierki.Für einen Kleinfluss hat sie ein gemerkenswertes Flussdelta bei Stara Rudnica und Siekierki geschaffen.

Die Paddelstrecke zwischen Zollbrücke und Neutornow / Schiffmühle hat eine Länge von ca 17 Kilometer. Bei Zollbrücke ist der Mucker ein 4m schmales Fließ, das jedoch ab Zäckericker Loose an Breite zunimmt. In wasserreichen Zeiten hat er eine deutliche Fließgeschwindigkeit, wenn man nicht muß, möchte man nicht aufwärts paddeln. 

Ab Zäckericker Loose gibt es sogar einige Kurven. Die nächsten 3 Brücken befinden sich schon bei Bienenwerder, der einstigen Bahnstrecke, die heute ein Fahradweg ist und über Altreetz nach Wriezen führt. 

Dann gelangen wir nach Spitz, einer kleinen Siedlung der Gemeinde Oderaue. Wie in Bienenwerder führt auch hier ein Weg an die Stromoder. Der Mucker ist hier etwa 5m breit. Es folgt Paulshof, wo es auch einen offiziellen Biwakplatz gibt. Rechts und links fließen hier weitere durchaus breite wasserreiche Gräben hinzu. Der Mucker mäandriert wieder etwas, die Ufer sind jedoch nach wie vor ein wenig kahl. 

Das ändert sich dann jedoch schlagartig, als wir die nächste Brücke erreichen (Straße von Neuranft): hier ist eine Einsetzstelle mit Parkplatz, und der Laufgraben ist hier nur 500m entfernt, so daß man eine Art "Rundtour" paddeln kann: In den Mucker einsetzen und bis zur Einmündung der Stillen Oder paddeln, dann den Laufgraben zurück bis zum Weg. 500m geht man zu Fuß und hat sein Auto wieder. Natürlich kann man das auch variieren, indem man bis Schiffmühle herunterpaddelt und dann wieder hoch. Es gibt kaum einsamere Gegenden. Oberhalb der Brücke Altglietzen vereinigen sich Laufgraben und Mucker zur Stillen Oder.

Wir haben wieder pralle Natur um uns herum, es gibt eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt. Das bleibt so die nächsten 4 Kilometer bis Schiffmühle. Dort befindet sich neben einem Agrarhof eine offizielle Einsetzstelle und Rastplatz.

Das Umsetzen in die Stromoder ist gut möglich bei der Straße von Neuranft aus, bei Spitz, bei Bienenwerder sowie bei Zollbrücke, immer am besten vom Laufgraben aus, guter Wasserstand vorausgesetzt. Ein Bootswagen ist da von Vorteil. In die Wriezener Alten Oder setzt man am besten über die Einsetzstelle links vor dem Schöpfwerk Neutornow und dem kleinen Weg zur Einsetzstelle nahe dem Bruchsee um.