Gewässerbeschreibung der Tollense

Letzte Änderung: 26. Februar 2008

Tollense, Neubrandenburg

Mit dem Kanu auf der Tollense

Die Tollense ist auf der gesamten Länge von 63 Kilometern mit jedem Kanu befahrbar. Sie entsteht aus dem Tollensesee. Gegenwärtig leidet ihr Charakter etwas unter der Ordnungswut der Hardcore-Wasserbauer (die sich hier "Staatliches Amt für Umwelt und Naturschutz" nennen!?) So sind erstmal viele wilde Ufer zurecht gestutzt worden. Wenn hier die Einsicht eingekehrt ist, wird man (hoffentlich bald) wieder eine Tollense haben, die naturnah erlebt werden kann. Ein paar sehr reizvolle Abschnitte gibt es aber schon noch, und der Fluss als Ganzes lohnt sich für jeden, der hier mit seinem Kanu unterwegs ist.

Tollensesee

Tollensesee

Der Tollensesee ist im Durchschnitt 1,5 bis 2 Kilometer breit und etwa 11 Kilometer lang, die Rundfahrt macht 23 Kilometer aus. Er liegt in einer eiszeitlichen Mulde zwischen Hügeln, die sich bis zu 40 Meter über den See hinaus heben. Zweidrittel des Ufers sind Wald, im Südosten schließt sich der nicht zu befahrende Lieps (ein wunderschöner Seeteil) an. Am Westufer können wir uns auf dem Campingplatz "Gatsch - Eck" niederlassen, er liegt im Wald und ist von Land aus nur über Neuendorf mit Straßenkraftfahrzeugen zugänglich. Man kann von dort aus sehr gut seine Paddeltour starten. Im Norden des Sees liegt die drittgrößte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, Neubrandenburg. Sie ist reich an historischen Sehenswürdigkeiten und ein sehr wichtiges Wirtschaftszentrum. Für seine zahlreichen Spitzensportler ist die Stadt ebenfalls bekannt. Die Tollense fließt im äußersten Norden als Oberbach aus dem See, gleich links sollten wir in den Ölmühlenbach hineinfahren, da die Weiterfahrt auf dem Oberbach am Ring endet und hier eine sehr breite und vielbefahrene Straße (der Ring) überwunden werden muß, was niemand macht, der bei vollem Verstand ist.

Tollense, Neubrandenburg

Ölmühlenbach in Neubrandenburg

Nach wenigen Metern endet auch der Ölmühlenbach an einem Wehr, wo das meiste Wasser an die Brodaer Teiche, eine Forellenzuchtanlage "verliehen" wird. Das Umsetzen ist einfach, der Weg kurz. Das Wasser im nächsten kurzen Abschnitt ist braun, da es sehr eisenhaltig ist. Wenn das vorher abgezweigte Wasser aus der Teichanlage wieder zugeführt wird, normalisiert sich die Farbe wieder und es gibt etwas Strömung (im Frühjahr auch viel!). Als nächstes Hindernis müssen wir an der B104/B192 - Brücke hinter der Gaststätte Hopfenburg 2 Schwälle umtragen. Die Höhenunterschiede sind zwar gering, aber die "Konstruktion" der beiden kann manchen Booten bei Berührung gefährlich werden. Stege sind vorhanden, man sollte gleich beide Schwälle auf einmal umtragen, sie liegen nur etwa 80 Meter auseinander.

Neubrandenburg

Neubrandenburg - Weitin

Der folgende Abschnitt ist ruhig zu durchfahren, nach 600 Metern fließt von rechts der Oberbach hinzu. Wir paddeln hauptsächlich an Gärten entlang. Schon bald ist die erste Eisenbahnbrücke erreicht, darunter paddeln wir durch einen harmlosen Schwall. Dahinter treffen wir rechts auf die Einsetzstelle "Mittelste Straße". Der Start der Kanutour empfiehlt sich hier für alle, denen entweder die Strecke bis Altentreptow zu lang ist oder die sich die Schikanen ersparen möchten. Parken ist für ein paar Fahrzeuge möglich. Was nun folgt, sind die "Torflöcher", eine kleine Ansammlung von Wasserflächen mit dem Charakter von wirklich wilder Natur. Der Wasserstand ist sehr niedrig, aussteigen sollten wir nicht gerade, da der Untergrund meist sehr moorig ist. Bald ist diese Besonderheit überwunden, rechts sehen wir den Bootsteg des Kanuvermietung Knoblauch, die im Krügerkamp ihren Standort hat, nur ein paar Meter von der Tollense entfernt am Nordostende des Gewerbeparks Weitin.

Tollense nahe Lebbin

Neubrandenburg - Neddemin

Eine weitere Bahnstrecke kreuzt die Tollense, ein paar Minuten später mündet von rechts die Datze und von links der Aalbach hinzu, der auch "Malliner Wasser" genannt wird. Noch ein Stückchen gerade, dann paddeln wir sehr viele Mäander durch die Wiesen, mit vielen Sumpfabschnitten als willkommene Abwechslung. Die rechts von uns verlaufende Bundesstraße B96 ist stark befahren, auch der Flugplatz ist nicht zu überhören, wenn der Wind aus Osten bläst. Von den Orten Woggersin und Lebbin östlich der Tollense bekommen wir kaum etwas zu sehen. Wir können mit Glück Seeadler beobachten, es gibt sehr viele Graureiher und Mäusebussarde am Fluss. Auch Fischadler sind keineswegs eine Seltenheit. An den Ufern sehen wir oft Bibergleiten und angenagte Baumteile oder noch stehende Bäume. Bis wir ein weiteres Mal die Eisenbahn kreuzen und das Wehr Neddemin erreichen, sind wir schon 13 Kilometer vom Tollensesee entfernt. Pausenplätze sind selten, erst am Wehr bei Neddemin gelingt es uns auszusteigen, und auch dort ist es nicht so einfach, da die Ufer entweder sehr sumpfig sind oder die Böschung sehr hoch ist.

Fußgängerbrücke bei Altentreptow

Randkanal oder alte Tollense?

Vor dem Wehr Neddemin liegen Schwimmbalken, die niedrige Böschung ist nicht mehr zu erreichen. Also muß man die hohe davor rechts nehmen, wenn man umsetzen und die alte Tollense paddeln will. Ein Schild nötigt uns, den Randkanal zu nutzen, gesperrt ist der alte Verlauf der Tollense jeddoch nicht. Er kann aber im Spätsommer zugewachsen sein, und natürlich lassen sich dort keine Zeitrekorde aufstellen. Die Natur ist jedoch allemal interessanter als beim Randkanal, der auf 5 Kilometer nur kahle Kanalböschung zu bieten hat. Büsche sind absolut selten. Die Strecke ist knapp 2 Kilometer kürzer als auf der alten Tollense. Der Kleine Landgraben fließt auch noch in die Tollense, und das gesamte Gebiet ist anfangs sehr sumpfig. Bald ist Altentreptow erreicht und damit ein weiteres Mal Umtragen nötig.

Tollense bei Altentreptow

Altentreptow

Nachdem wir in Altentreptow links in den kleinen Kanal zum Umleitungswehr hinein gepaddelt sind, können wir an einem relativ niedrigen Steg aussteigen und uns mit der Stadt vertraut machen. Kommen wir die alte Tollense hinunter, steigen wir direkt vor dem neuen rechten Wehr aus. Zum Umsetzen können wir danach gleich wieder einsetzen, bei normalem Wasserstand geht es von hier aus einfach unter der Straßenbrücke weiter. Nur bei Niedrigwasser müßten wir hier treideln, was auf der losen Schüttung grober Steine etwas schwierig sein dürfte. In Altentreptow sollten wir unser Leben noch ein vorerst letztes Mal ordnen, die weiteren 42 Kilometer gibt es dazu keine Gelegenheit mehr: einkaufen, im Internet bei "Play&Fun" in der Demminer Straße unsere Emails checken, Lebensmittel im sehr nahen Supermarkt einkaufen oder Geld aus dem Automaten ziehen etwa. Gleich hinter der Straßenbrücke können wir an einem Holzsteg bequem einsetzen, um unsere Kanutour fort zu setzen. Nach ein paar Paddelschlägen liegt das Zentrum von Altentreptow hinter uns.

Tollense bei Burg Klempenow

Burg Klempenow

Am Stadtrand von Altentreptow liegt rechts am Ufer der Tollense die "Wiesenquelle", eine Zeltmöglichkeit mit Bierausschank. Der folgende Abschnitt ist der schnellste auf dem ganzen Fluss. Durch Wiesen mäandert er nun sehr fleißig, das Tal ist weit und schön, die etwas entfernt liegenden Hänge ziemlich hoch und teilweise bewaldet. Die Orte Klatzow, Grapzow, Mühlenhagen (Tierparkanlage), Kessin, Weltzin, Burow und Bittersberg liegen jeweils abseits. Nach 15 Kilometern kommt die Burg Klempenow in Sicht und damit ein Wehr, ein interessanter Ausflugsort mit alter Burg und eine Zeltmöglichkeit (mit WC) vor der Burg. Ein Cafe wird dort ebenfalls betrieben. Rechts sehen wir die neue A20 das Tal des Landgrabens überqueren, der hier unterhalb des Wehres in die Tollense mündet. Hören können wir die Autobahn bei Ostwind auch. Hier wird eine Kanuvermietung betrieben, und ins Internet kann man auf der Burg ebenfalls.

Wehr Tückhude

Tückhude

Zum Umsetzen des Wehrs Burg Klempenow sollten wir einen Bootswagen nutzen, wir haben unsere Ausrüstung etwa 200 Meter zu bewegen, ehe wir unser Kanu über einen bequemen Holzsteg wieder ins Wasser setzen können. Die Tollense ist auf einmal erheblich breiter, und von fließen kann kaum die Rede sein, außer vielleicht im frühen Frühjahr. Ziemlich gerade, mit nicht besonders abwechselungsreichen Ufern fließt sie träge an dem Ort Golchen (links abseits) vorbei auf das Wehr Tückhude zu, das zur Gemeinde Wietzow / Amt Tutow gehört. Das Wehr umtragen wir auf etwa 80 Metern, bevor wir einen ziemlich hohen Steg zum Wiedereinsetzen nutzen können. Manche Paddler nutzen diese Stelle traditionell zum Biwakieren, und etwa 300 Meter abseits gibt es ein Landschulheim, das gerne nach Anmeldung Gäste aufnimmt. Tel: 03965/210303, mail: golchen@schullandheime-mv.de

Broocker Hof, Alt Tellin

Broocker Hof Alt Tellin

Nach ein paar Kilometern sind wir schon auf Höhe Alt-Tellin, links können wir unter der Straßenbrücke aussteigen, um hier auf dieser Paddeltour zu übernachten (Zimmer, Heu, Bauwagen, Tipi oder Zelt). Abseits liegen noch die Örtchen Buchholz, Siedenbüssow, Neubuchholz, Hohenbüssow und Neutellin. Paddeln wir weiter, sind wir 4,5 Kilometer später am Wehr Vanselow, das sich leicht umtragen läßt.

WWR Sanzkow

Vanselow und Sanzkow

Vanselow besteht aus ein paar Häusern und einem imposanten Gutshaus. Davor liegt der Hafen, hier kann man einsetzen und den Platz davor als Biwakplatz nutzen, allerdings ohne Toilette. Ob man das im Dorf möchte? Man wird also weiterpaddeln, bis man kurz darauf den Ort Sanzkow erreicht, wo es einen ausgewachsenen Wasserwanderrastplatz mit WC gibt. Die Steganlage wurde für Motorboote gebaut, ob sie auch von solchen genutzt wird, ist uns nicht bekannt. Getroffen haben wir auf unseren bisherigen Fahrten auf der Tollense Motorboote nur im Raum Demmin.

Peene, Einfahrt zum WWR Demmin

Demmin bis zur Tollensemündung

Die Tollense wird hier immer natürlicher, immer mehr Sümpfe und Bruchwälder erkennen wir, je weiter wir nach Demmin kommen. Auch gekrautet wurde hier an den Ufern kaum, was sehr angenehm ist. Es gibt auch noch ein paar Altarme, die man nicht erreicht, was Biber und Otter sicher zu schätzen wissen. Biberspuren mehren sich jedenfalls zuhauf. Ab und zu taucht mal ein kleines Motorboot auf, die ersten Spuren von Demmin sind zu sehen: Stadtwerke und Eisenbahnlinie, ein paar Kleingärten. Die Tollense unterquert die Bundesstraße 194, dort können wir aussteigen und direkt am Fluss in einem großen Supermarkt einkaufen. Dann steigt rechts von uns das Gelände des "Haus Demmin" mit seinen Ruinen auf einem wahren Prachtgrundstück auf, bevor das Wasser der Tollense sich mit der Peene vereint. Ein paar Meter nach rechts, dann die Peene überqueren - und schon sind wir im Segelhafen, dem Wasserwanderrastplatz von Demmin, wo wir unsere Paddeltour beenden können. Alle Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten sind bequem erreichbar, der schön restaurierte Bahnhof ist allerdings etwa 2,5 km entfernt. Nach Neubrandenburg fahren alle Stunde Züge, so daß wir unser Fahrzeug leicht nachholen können. Bei Bedarf setzen wir unsere Kanutour auf der Peene in östlicher oder westlicher Richtung fort oder paddeln nach Tribsees auf der urigen Trebel flussaufwärts weiter (sehr wenig Strömung).