Gewässerbeschreibung der Wakenitz-Schaalseekanal-Tour

Letzte Änderung: 27. März 2008

Umtragen Lübeck

Mit dem Kanu auf der Wakenitz

Obwohl es eigentlich immer üblich ist, Fließgewässer in laufender Fließrichtung zu beschreiben, machen wir es hier andersherum. Damit wollen wir demonstrieren, daß das Fließen hier für eine gelungene Kanutour keine Rolle spielt. Wir setzen also in Lübeck an der Falkenstraße unser Paddelboot ein. Die Wakenitz ist hier mehr ein See, und tatsächlich ist das, was heute Wakenitz genannt wird, ein Stausee, der in frühen Zeiten für die Trinkwasserversorgung der Hansestadt Lübeck angelegt worden ist. Wie in anderen reichen Städten auch üblich, stehen an den Ufern Millionärsvillen und auffallend schöne Bootshäuser in Gründerzeitarchitektur. Auffallend sind die zahlreichen Badeanstalten. Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt und die St. Konrad-Kirche beleben das Ufer. Den Dükerkanal rechts hinter den schönen Bootshäusern dürfen wir nicht mit unserem Kanubefahren, das ist nur Anliegern erlaubt. Nach etwa 1200 Metern haben wir die Moltkebrücke erreicht, die die Stadtteile Marli und St. Jürgen miteinander verbindet.

Wakenitz Einsetzstelle Moltkebrücke

Moltkebrücke in Lübeck, Bootsverleih

Unterhalb der Moltkebrücke befindet sich ein Bootsverleih und eine Kanuvermietung. Auch eine öffentliche Einsetzstelle ist hier vorhanden, die Zufahrt erfolgt über die Augustenstraße. Dieser "See" ist schon schmaler, und seine Ufer sind mehr bewachsen als beim Anfang der Wakenitz. Wir sehen den alten Wasserturm rechts auf uns zukommen, er liegt an dem großen Grundstück der Lübecker Wasserwerke, die hier auch ein eigenes Bootshaus für ihr Inspektionsboot haben. Das Ende dieses Abschnitts, der schon weniger städtisch ist als der vorherige, wird durch das bombastische Bauwerk der Brücke bestimmt, die den St. Jürgensring mit der Wallbrechtstraße verbindet. Es ist hier sehr laut, und die Brücke verstärkt durch ihre konstruktiven Eigenheiten den Schall noch unnötig. Unter der Brücke kann man sehr gut einsetzen und auch mit vielen Fahrzeugen parken. Am nordöstlichen Ufer beginnt eine Kleingartenkolonie, ein Wanderweg und viele Bootsliegeplätze. Der Chic der Stadt hat ein wenig der Natur Platz gemacht. Am Süd-Westufer gibt es auch einen Wanderweg, aber dahinter immer noch eine ausgeprägte Bebauung. Auch hier wohnen nicht die ärmsten Leute.

Insel Spieringshorst

Spieringshorst

Auf unsem nächste Abschnitt paddeln wir unser Kanu an natürlichen Ufern entlang, ab und zu gibt es einen Kanuclub oder Wassersportverein, eine kleine Bootswerft und was sonst noch so üblich ist in den Städten. Einige Zonen der Uferbereiche sind durch dezente Sperrschilder als nicht befahrbar markiert. Rechts taucht eine Insel auf, man kann sowohl rechts als auch links vorbei paddeln. Die Insel Spieringshorst ist teilweise für die Natur reserviert, teilweise bewohnt. Links können wir in einer kleinen Bucht an einem kleinen Wanderweg im Stadtteil Eichholz auf Bänken bequem pausieren. Vor der Eisenbahnbrücke und der parallel liegenden Wanderwegbrücke liegt links ein kleiner See, an dem ebenfalls eine Badestelle eingerichtet ist. Lübeck klingt allmählich aus, von jetzt an paddeln wir unser Kanu durch eine sehr natürliche Wakenitz, die Ortsteile Strecknitz und St. Hubertus liegen südwestlich abseits des Gewässers. Wenn die ortsübliche Bezeichnung "Amazonas des Nordens" gerechtfertigt ist, so fängt dieser hier an.

urige Wakenitz

Müggenbusch

Ab hier darf der Paddler nicht mehr überall anlegen, und die Wakenitz darf auch nur von morgens 6:00h bis abends 19:00h gepaddelt werden. Offizielle Pausenstellen sind dort, wo die beiden Restaurants "Müggenbusch" und "Absalonshorst" liegen: ein paar andere Stellen, wo das Anlegeverbot wohl schwer zu vermitteln ist, wären die Uferbereiche, an denen der Wanderweg direkt vorbei führt. Wir paddeln unser Boot durch herrlichste Sumpflandschaft, die Nebengewässer an der Ostseite sind gesperrt. Die Wakenitz hat hier Flusscharakter, ist auch schon deutlich schmaler als im Stadtbereich. Einige kleine Wasserläufe und Gräbe speisen die Wakenitz, tragen jedoch nicht zu einer merklichen Strömung bei. In Müggenbusch können wir erstmals wieder anlegen, ein kleiner Kanal führt uns zum Restaurant und Biergarten. Auch die Ausflugsschiffe der Wakenitzlinien machen hier fest. Diese Schiffe fahren übrigens durchaus zivilisiert und verursachen so gut wie keine Wellen.

Wakenitz Pausenplatz Absalonshorst

Absalonshorst

Durch üppige Vegetation paddeln wir einen sehr natürlich wirkenden Fluss, der in Wahrheit ein Stausee ist. Ab und zu fliegt ein Eisvogel von seinem Ansitz auf, eine Ringelnatter quert das Gewässer und Wasservögel wie Schwäne, Bläßhühner, Stockenten, Haubentaucher oder Gänsesäger lassen es sich gut gehen. Im Sommer blühen viele Seerosen. Genug Raum zum Paddeln finden wir aber auch dann immer. Nach 1,5 Kilometern haben wir das Ausflugsrestaurant / Biergarten "Absalonshorst" erreicht. Auch hier legen die Schiffe an.

km 5 westl. Ufer

Durch grüne Wildnis

Noch einmal paddeln wir durch eine üppige, ursprünglich wirkende Natur. Am Ostufer liegen einige Nebengewässer, in die wir nicht hineinfahren dürfen. Rechts und links ragen immer noch hohe Erlen in die Luft, kaum eine feste Stelle läßt sich am Ufer ausmachen. Aber der Schein trügt: von Zeit zu Zeit überfliegt eines dieser düsenangetriebenen Flugzeuge die scheinbare Idylle und stört sie ganz gewaltig. Die Entspannung ist dann erstmal weg, man fürchtet schon den nächsten Lärmangriff. Aber zum Glück ist die Lande- oder Startfrequenz nicht so hoch wie bei Großstadtflughäfen, man hat Zeit, sich zu erholen.

A 20 Querung

Groß Grönau

Abseits der Wakenitz liegt der Ort Groß Grönau, von dem man auf dem Wasser nichts bemerkt. Allerdings sieht man von jetzt an am westlichen Ufer immer mehr landwirtschaftliche Nutzung anstatt Sumpfwildnis. Im Osten ändert sich nichts, dort war ja auch früher die "Zonengrenze", die innerdeutsche Grenze zwischen zwei Wirtschaftsblöcken. Nach zwei weiteren Kilometern kann es je nach Windrichtung und Verkehrssituation etwas laut werden, die A20 quert die Wakenitz. Die Brücke selbst ist schallschluckend konstruiert, da sie eine Verbundbauweise aus Stahlträgern mit einbetonierten Zwischenteilen darstellt. Auch die Anschlußlager sind nicht so laut wie bei alten Konstruktionen. Es ist erträglich. So richtig romantisch ist sie jedoch auch nicht.

Wakenitz km1

Ziegelhorst

Den Paddler beschleicht die Ahnung, daß es mit der Wakenitz bald vorbei sein wird, und so genießt man noch die letzten zwei Kilometer sehr natürliches Ostufer und landwirtschaftlich geprägtes Westufer mit etwa 20 Meter breitem Fluss dazwischen. Ein paar Häuser liegen den sanften Hang aufwärts, immerhin werden die Wiesen nur extensiv bewirtschaftet, man sieht diese "Teddykühe" (schottische Rinder) und mitunter Emus. Bald kommt die Brücke in Sicht, die Rotenhusen mit Utecht verbindet und nur für Anlieger geöffnet ist. Am Ostufer setzt sich die ausgedehnte Sumpf- und Bruchlandschaft fort, und am Westufer gibt es auch einen kleinen Sumpf, bis sich das Gelände erhebt und bewaldet ist.

Jugendheim Rothenhusen

Rothenhusen

Wir sind in Rothenhusen angekommen, vom Start in Lübeck / Falkenstraße sind wir etwa 14,5 Kilometer gepaddelt. Kurz vor der Verbindung der Wakenitz mit dem Ratzeburger Sees liegt das Jugendheim Rothenhusen, hier wird ein komfortabler Wasserwanderrastplatz mit Restaurant und Biergarten betrieben und man kann nach vorheriger Buchung Zimmer mit Mannschaftsbetten buchen. Die Betreiber sind sehr nett, und sie sorgen sehr flexibel und liebevoll für ihre Gäste. Einsetzen kann man sein Kanu ebenfalls, direkt neben der Straßenbrücke ist eine Holzverbau für das Einsetzen vorgesehen. Zum Parken muß man sein Fahrzeug allerdings ein paar hundert Meter entfernt auf einen großen Waldparkplatz stellen.

Hier endet der Ratzeburger See

Ratzeburger See

Wo die Wakenitz aus dem Ratzeburger See "fließt", liegt auf einer kleinen Insel das Restaurant "Rothenhusener Fährhaus". Es ist spezialisiert auf Fischgerichte, die Betreiber reagieren übertrieben empfindlich auf Verletzung oder vermeintliche Verletzung ihrer Parkplatz - und Anlegeordnung. Gästemangel scheint jedenfalls nicht ihr Problem zu sein. Vor uns liegt der Ratzeburger See, wir haben etwa 10 Kilometer bis zur Dominsel in Ratzeburg zu paddeln. Der See ist nur am Westufer etwas stärker besiedelt, im Osten ragen hauptsächlich hohe Wälder auf. Einige sumpfige Abschnitte gibt es ebenfalls. Außer an den vier offiziellen Pausenstellen darf man das Ostufer nur mit 50 Meter Abstand befahren. Hier liegen die Orte Utecht, Campow, Hoheleuchte, Kalkhütte (Campingplatz) und Römnitz (auch ein Campingplatz). Am Westufer findet man in kürzeren Abständen Anlandemöglichkeiten, Einsetzstellen mit Parkmöglichkeit gibt es in den Orten Gr. Sarau, Pogeez und Buchholz. Hier gibt es auch einen Campingplatz.

Dominsel Ratzeburg

Domsee und Dominsel

Hatten wir bis Buchholz Schilfufer mit leichten Bruchwaldabschnitten, ist nun auch das gesamte Westufer ab Buchholz bewaldet. Wir paddeln unser Kanu direkt auf die Dominsel zu, links der Badestelle mit dem ausladenden Anleger liegt der Fischer Jobmann mit seinem Restaurant / Biergarten und Imbißbetrieb. Hier können wir anlegen, essen und trinken und uns von der Fahrt über den See erholen, falls es etwas windig war. Am Ostufer des Domsees finden wir die Segelschule von Herrn Morgenroth, tel. (0 45 41) 83 20 0, wo wir Kanus (sowie Segelboote, Tretboote und die neuartigen Tretkajaks) mieten können. Herr Morgenroth vermietet auch Zimmer, die wie Kabinen auf Schiffen gestaltet sind als gemütliche Unterkunft, wenn es mal wieder zu früh Abend wird bei der Paddelei. Wer auf dem Schaalsee paddeln möchte, kann hier ein Kanu mieten, das mit einer Erlaubnis-Plakette versehen ist. Für eine Zahlung in Höhe von 5,- Euro zusätzlich zum Mietpreis darf man hiermit den schleswig-holsteinischen Teil des Schaalsees paddeln. Für die 5,- Euro bekommt man einen Verzehrbon für den Biergarten und Imbiß "Kutscherscheune" in Zechern. Direkt neben dem Fischer geht es in den Küchensee. Wollen wir noch etwas von der Stadt sehen oder einkaufen, können wir um die Dominsel herum paddeln. Wir befinden uns in der Innenstadt von Ratzeburg, der Dom ist imposant und sehenswert. Verschiedene Einsetzstellen laden zum Pausieren ein, in der DJH können wir bei Bedarf übernachten. Auch beim Griechischen Restaurant können wir direkt anlegen und haben unsere Boote und Ausrüstung im Blick.

Ratzeburg Küchensee

Küchensee

Setzen wir unsere Kanutour über den auf hohen Hängen umwaldeten Küchensee fort, kommen wir nach etwa 2,6 Kilometern an dessen südliches Ende. Eine Bojenreihe signalisiert uns das Ende, wir halten uns links und finden den Ausfluss des Schaalseekanals. Direkt daneben links setzen wir unsere Kanus auf Bootswagen und schieben sie durch schönen Mischwald. Wir wählen den Weg, der nicht zum Dorf Farchau und zum Kraftwerksgebäude führt, sondern den mittleren, sein Beginn wird durch einen E-Kasten rechts markiert. Mit leichter Steigung schieben wir aus dem Wald heraus, rechts von uns liegen ein paar Wohnhäuser. Wir erreichen den Schaalseekanal, dessen Wasser hier links von uns auf einem hohem Damm bis zu seinem Absturz ins Kraftwerk fließt. Einsetzen können wir hier noch nicht, so fahren wir den Weg neben dem Kanal bis zur Straße hoch, überqueren diese und nutzen die Einsetzstelle links, um unsere Kanus wieder ihrer Bestimmung zuzuführen. Der Kanal ist zwar noch ein wenig kahl, aber ab und zu erscheint ein kleines Gehölz als Abwechslung und Windschutz. Das Gelände steigt allmählich an, so daß bald kein Damm mehr für den Kanal erforderlich ist.

Brücke nicht unterfahren!

Mit dem Kanu auf dem Schaalseekanal

An der Straßenbrücke Schmilau - Salem befindet sich eine gute Einsetzstelle, die sich auch als Pausenplatz eignet. Von dort aus paddeln wir unser Kanu durch den Schaalseekanal, der hier schon etwas mehr mit Bäumen bestanden ist. Die Ufer bestehen aus feiner Steinschüttung, das Wasser ist recht klar. Es herrscht eine leichte Strömung. Nach knapp 3 Kilometern haben wir den Salemer See erreicht: am Südwestufer liegt ein hoher Wald, nordöstlich liegt Salem. Es gibt hier einen Kanuvermieter und eine Einsetzstelle mit Parkplatz. Hinter dem Ort beginnt der riesige Campingplatz Salemer See.
Salemer See Badestelle Salem

Salemer See bis Pipersee

Der Salemer See liegt sehr windgeschützt zwischen hohen Bäumen, ebenso das Reststück Schaalseekanal und der Pipersee. An dessen Ende, noch hinter der Straßenbrücke Salem - Sterley, liegt der neue Wasserwanderrastplatz der Kanustation "Kanu-Center Krebs". Dessen Wahrzeichen ist ein Riesentipi mit 30 Schlafplätzen für Gruppen und Veranstaltungen. Hier ist der Schaalseekanal sehr natürlich und geht in den romantischen Phulsee über, den man leider nicht mehr frei befahren darf. Der Phulsee ist schon Teil des Schaalsees, der für Paddler mit eigenen Booten gesperrt ist. Eine Genehmigung ist theoretisch zu bekommen, einfacher ist es, sich bei der Segelschule Morgenroth in Salem oder Ratzeburg eine Plakette für 5,- Euro zu beschaffen, tel. (0 45 41) 83 20 0. Hier können wir unsere Kanutour ausklingen lassen oder auch starten. Wanderungen und Fahrradtouren von hier aus sind ebenfalls sehr zu empfehlen. Es lockt eine sehr ruhige und schöne Natur. Die Gegend östlich des Schaalsees könnte man abschnittsweise sogar als Wildnis beschreiben.