Gewässerbeschreibung der Obere Havel
Letzte Änderung: 20. Juni 2008
Die Obere Havel von der Mecklenburgischen Seenplatte bis vor Berlin
117 Kilometer können wir die Obere Havel mit unserem Kanu in beiden Richtungen ohne Schwierigkeiten befahren. Danach ist aber noch lange nicht das Ende der Möglichkeiten in Sicht, da ein wirklich riesiges Gewässernetz sowohl in Brandenburg als auch in Mecklenburg-Vorpommern angeschlossen ist, auf dem man wegen fehlender oder schwacher Strömung in beiden Richtungen paddeln kann. Wer das nicht kennt, glaubt es kaum! Man erreicht die Müritz (und damit die Elbe), die Großen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte, die Mecklenburgische Kleinseenplatte und Neustrelitz mit dem Ziercker See, die Rheinsberger Gewässer und den Rhin, die Feldberger Seenplatte mit den Lychener Gewässern, die Templiner Gewässer, die Havelseenkette der Mittleren Havel, die Untere Havel und damit die Elbe, Berlin auf verschiedenen Wasserwegen, den Finowkanal, die Odergewässer und damit Polen, die Dahme-Spree-Gewässer und damit den Spreewald und vieles mehr. Die Umgebung ist sehr natürlich und weitgehend sehr schwach besiedelt. Ab und zu trifft man mal ein Städtchen, auch etliche Seen werden direkt durchflossen. Es gibt eine ausreichende Infrastruktur, man kann also oft genug einkaufen, duschen, zelten. Was möchte man mehr? Vielleicht etwas weniger Motorboote in der Hauptsaison, aber man muß bedenken, daß Tourismus fast die einzige Einnahemquelle der Regionen ist und daß es ohne Motorboote kaum Schleusen gäbe. Außerhalb der Hauptsaison ist es hier eher sehr einsam. Das Fahrzeug kann man mit der Eisenbahn nachholen, sowohl Kratzeburg als auch Zehdenick sind an das Schienennetz angeschlossen. Liebenwalde ist gut mit dem Bus zu erreichen, ansonsten nimmt man Berlin oder Oranienburg. Faltbootfahrer können so auch bequem ihre Kanutour durchführen. Besser kann man es kaum bekommen!
Start unserer Kanutour in Kratzeburg am Käbelicksee
Im Prinzip könnten wir unsere Kanutour in Kratzeburg an der Badestelle starten und unser Fahrzeug am dortigen Parkplatz stehen lassen: Kratzeburg hat einen Bahnhof, so daß wir unser Auto eventuell auf diese Art wieder zurückholen könnten. Bei längerer Anfahrt empfiehlt sich aber eine Übernachtung auf dem nahen Campingplatz C36 (2km vom Bahnhof) und ein Start am nächsten Morgen von dort aus, denn bis zum nächsten Wasserwanderrastplatz paddeln wir durchaus etwa 4 Stunden. Wer sich ein Kanu mieten möchte, wird hier bei "Kanu - Hecht" sehr gut bedient, eine Übernachtung im Zelt oder unter Dach in verschiedenen Qualitäten ist hier ebenfalls gut möglich. Der Käbelicksee ist von hohen Bäumen umstanden, hat mehrere Inseln und sein Wasser ist klar. Schon dieser relativ kleine See muckt aber schon bei entsprechendem Wind mit deutlichen Wellen auf.
Havel - Anfang
Als sehr natürlich wirkender Kleinfluss verläuft die Obere Havel fast ohne Strömung teils an steilen Waldhängen, teils an sumpfigen Wiesen vorbei und trifft dabei nach ca. 1,5 Kilometern die Straßenbrücke Dalmsdorf - Granzin, bevor der Wasserwanderer für ein paar hundert Meter links den Granziner See streift, den er nicht weiter befahren darf. Anlegen kann (und darf) man erst im Ort Granzin, wo es eine Badestelle, eine Anlegemöglichkeit mit Erfrischungen, die Kanuvermietung "Kormoran Kanutouring" sowie ein Ausflugslokal gibt.
Granziner Mühle, Lorenbahn
Es geht geruhsam durch den kleinen Schulzensee und noch weitere 300 Meter Havel auf die Granziner Mühle zu, wo wir unsere Paddeltour unterbrechen "dürfen" und den ganzen Körper stählen können: aussetzen, das Kanu und die Ausrüstung über eine kleine Straße tragen, auf eine Lore setzen und sandige 750 Meter das Gefährt bis zum Pagelsee befördern, wo es wieder genug Wasser gibt. Biwakieren wie früher gewohnt darf man hier auf keinen Fall, obwohl massenhaft Platz vorhanden ist, es ist streng untersagt und die Gegend wird konsequent kontrolliert. Für das Bußgeld könnte man locker ein 3 - Sterne - Hotelzimmer mieten...Ab Ende Juni 08 soll hier auch wieder eine Toilette stehen.
Pagelsee - Babke
Nach dem Umsetzen, das wirklich Spaß macht und das man zur Not auch als Alleinpaddler bewerkstelligt, paddeln wir frohen Mutes um eine Halbinsel im Pagelsee herum, ohne diese betreten zu fürfen (Schilder). Fahrradfahrer und Wanderer dürfen dort allerdings ganz normal laufen und fahren, dabei natürlich auch anhalten... Warum das so sein muß, erschließt sich dem Normalverbraucher nicht in den ersten Wochen des Nachdenkens. Es geht unter einer alten Holzbrücke hindurch, die einen Wanderweg über den Pagelsee ermöglicht. Der See ist etwa 2 Kilometer lang, aber dergestalt unterteilt wirkt er bedeutend kürzer. Bis Babke haben wir noch etwa 2,7 Kilometer sumpfige Landschaft und den Zootzensee zu genießen, den wir nur an den gelben Tonnen entlang paddeln dürfen. 2 kleine Brücken queren den schmalen Fluss, der hier etwas kanalartig durch die Wiesen führt. Dann erscheint das Gelände der Alten Schleuse Babke, rechts von uns läßt es sich gut einsetzen, links ist ein Halt geboten, da eine Fischtreppe umtragen werden muß. Für schwerere Paddelboote steht eine Lore bereit, für die man allerdings schon die Hilfe einer 2. Person bedarf.
Babke - Blankenförde
Die Havel ist hier flach und schmal, das Wasser ziemlich klar. Beim Fischer gibt es einen Wasserwanderrastplatz für viele Zelte am Waldrand mit Sanitär. Man kann Eis essen oder sich mit Fisch oder Bratwurst für die weitere Paddeltour stärken. Die Fahrt geht durch das Dorf Babke und weiter bis zum Jäthensee, den wir links ausschliesslich an der Tonnenreihe entlang durchfahren dürfen. So erreichen wir nach kurzer Zeit schon den Ausfluss aus dem See, die Havel ist schon etwas breiter. Die Ufer sind von Erlen und anderen Gehölzen bestanden. Wir befinden uns immer noch in der Kernzone des Müritz-Nationalparks und dürfen das Ufer nur an ausgewiesenen Plätzen betreten. Bald kommen die Bootshäuser (manche von ihnen werden als Ferienhaus vermietet) von Blankenförde in Sicht, an der Straßenbrücke Blankenförde - Kakeldütt können wir rasten, am Kiosk einkaufen oder einen Imbiss einnehmen. Ein WC ist ebenfalls vorhanden. In der Nähe befindet sich ein Campingplatz, der allerdings nicht direkt an der Havel liegt und nur durch Treideln der Boote erreicht werden kann.
Blankenförde - Useriner See
Nach einer ausgiebigen Stärkung paddeln wir weiter, die Havel ist hinter Blankenförde schon bald ein etwa 20 - 30 Meter breiter Fluss. Rechts und links stehen Gehölze und wir paddeln an einer Insel vorbei, da kann schon so etwas wie "Wildnisgefühl" aufkommen. Es erscheint der Gortowsee, den wir rechts an der Betonnung durchfahren. Darauf folgt ein sehr schöner Flusslauf zwischen dem Gortowsee und dem Zierzsee, die Ufer sind bewaldet und alles ist sehr ursprünglich. Auch den Zierzsee durchfahren wir nur mittig an der Tonnenlinie, und vom Useriner See trennt uns nur noch eine Landenge aus Sumpf und Schilf.
Useriner See - Woblitzsee
Am nördlichen Ende des Useriner Sees liegt noch ein kleiner See: der Kramssee. Er darf nicht befahren werden, und so setzen wir unsere Bootsfahrt rechts fort und fahren 3,5 Kilometer genau südlich auf die alte Useriner Mühle zu, die wir schon von weitem an ihrem roten Satteldach erkennen. Rechts davon fließt die Havel als zwar gerader, doch schön von Uferbäumen eingewachsener Kanal zur Useriner Schleuse. Wir können uns schleusen lassen (was selten geschehen wird) oder unser Boot ganz leicht auf einer Alu-Lore übersetzen: schnell erreichen wir den Grossen Labussee. Jetzt sind wir nicht mehr in der Kernzone des Müritz-Nationalparks, und es ist mit Motorbooten und dem Ausflugsschiff zu rechnen. Würden wir jetzt nach rechts paddeln, könnten wir auf dem Campingplatz C56 in Zwenzow übernachten (Sanitär, Kiosk, Imbiß). Fahren wir links, sind es 2 Kilometer Fahrt auf diesem See, und die Havel hat uns wieder. Sie ist immer noch sehr schön, wenngleich das Wasser mitunter von den Motorbooten etwas aufgewühlt ist. Nach etwa 1km kreuzt eine Straßenbrücke (Straße Kl.Quassow - Useriner Mühle), gleich dahinter liegt die Kanustation von Carola Güldner, www.kajak-tours.de. Am Ende dieses Flussabschnittes können wir den sehr gut ausgestatteten Campingplatz "Havelberge" für eine Übernachtung nutzen. Fast ohne Strömung sind wir dann die 3,5 Kilometer vom Großen Labusee bis zum Woblitzsee gepaddelt. Am Ende dieses Flussabschnittes können wir den sehr gut ausgestatteten Campingplatz "Havelberge" für eine Übernachtung nutzen.
Woblitzsee - Wesenberg - Schwanhavelabstecher-Wustrow
Vor uns liegt der schöne Woblitzsee, es sind etwa 3,2 Kilometer zu paddeln, bis wir in den Wesenberger Hafen gelangen, wo ein Wasserwanderrastplatz eingerichtet wurde. Ein Sanitärhaus steht zur Verfügung, der Hafenmeister ist bis 18:00h zu sprechen, um uns einen Schlüssel zu geben. Auf kurzen, vorbildlich ausgeschilderten Wegen können wir alle Besorgungen in der Wesenberger Innenstadt erledigen und auch gute Restaurants besuchen. Dieser Hafen ist auch der Standort des Kanuvermieters "Jahns Bootsvermietung", wo Kajaks und Canadier vermietet werden und wo man auch preiswerte Ferienwohnungen bekommt. Wenn wir nach einer Übernachtung oder einer ausgiebigen Stärkung weiterpaddeln, steuern wir unser Kanu rechts herum aus dem kleinen Hafen hinaus. Kurz darauf sind wir im Havelkanal, der uns schon nach wenigen 100 Metern zur Schleuse Wesenberg bringt. Vorher können wir dem Kanuausrüster und -Vermieter "Kanumühle" einen Besuch abstatten, um unsere Ausrüstung zu vervollständigen oder uns die hübschen Ferienwohnungen für eine zukünftige Freizeitplanung anzuschauen (www.wasserwanderer.com und www.kanumuehle.de). Hier wird auch ein liebevoll hergerichteter Wasserwanderrastplatz mit WC und Duschen zur Übernachtung in Zelten angeboten, drei kleine einfache Holzhütten sorgen für ein Dach, wenn es mal kein Wetter zum Zelten ist. Sogar an einen Kinderspielplatz hat man gedacht. Etwa 1 Kilometer hinter der Schleuse zweigt rechts vom Kanal der berühmte Altarm der Havel, die Schwanhavel ab. Sie ist nur 3 bis 5 Meter breit und streckenweise sehr eng durch Baumhindernisse, aber sie glänzt durch sehr klares, fischreiches Wasser und eine wilde Natur drumherum, wo man sehr viele verschiedene Vögel singen hören kann. Wildschweine und Rothirsche kann man hier ebenfalls erleben, und natürlich Schwäne. Man darf die Ufer nur an ausgewiesenen Stellen betreten. Diese Fahrtroute ist für einen Kanuausflug sehr beliebt, leider nur etwa 3,5 Kilometer kurz, bevor man den Plätlinsee erreicht. Auch diesen darf man nur an der betonnten Linie durchfahren, Inseln und Ufer dürfen nicht betreten werden. Der See hat sehr klares Wasser, und oft sieht man Fischadler und Seeadler in dieser Gegend. Im Frühjahr sind Pirole zu hören und manchmal auch auf ihren hohen Plätzen in den längsten Ästen der Baumkronen zu sehen. Wir beenden unseren Abstecher und kehren zur Havel zurück. (Hin und zurück etwa 7 Kilometer nur Schwanhavel, 14 Kilometer bis Wustrow und zurück zur Havel).
Motorboote
Spätestens ab Wesenberg ist man als Paddler auf der Oberen Havel mit der Tatsache konfrontiert, daß Motorboote mit Wellen, Lärm und dem Gestank giftiger Abgase unsere Ruhe stören. Darüber hinaus kann es in manchen Schleusen zu gefährlichen Situationen kommen, wenn unerfahrene Yachtlenker unsanfte Bewegungen ihrer Fahrzeuge verursachen, sich aufhängen oder die Spundwand rammen etc. Wir als Kanuwanderer müssen uns damit arrangieren. Wenn uns ein eiliger Motorbootsfahrer überholt, werden wir eine Heckwelle bekommen, die so stark sein kann, daß Wasser in unser Boot gespült wird. Wir können dem entgegen wirken, indem wir unser Kanu 90° in die Welle hineindrehen, damit sie uns nicht seitlich erwischt. Für Wellen von vorne gilt im Prinzip das Gleiche, aber man kann die Verhältnisse besser einschätzen. Schwierig wird es, wenn mehrere Motorboote dicht aufeinander folgen: dann wird man sich beim zweiten oder dritten vielleicht nicht mehr in die Welle drehen können, weil man dafür natürlich auch Platz benötigt und mit jedem Boot weiter in die Gewässermitte gelangt. Da ist es beim Kajak gut, eine Spritzdecke zu haben und beim Canadier ein wenig Freibord. Auf jeden Fall benötigt man einen Bootsschwamm, um ab und zu das Wasser aus dem Kanu zu entfernen. Wir sollten jedes Zusammentreffen mit Motorbootfahrern dazu nutzen, auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Sie entstehen ja nur, wenn die Höchstgeschwindigkeiten überschritten und Abstände nicht eingehalten werden, oft nur aus Unkenntnis. Wir sollten auch möglichst links fahren, damit wir von den überholenden Motorbooten möglichst weit Abstand haben. Bei all dem sollten wir uns vor Augen halten, daß die Motorboote dafür sorgen, daß es noch Schleusen gibt. Früher oder später werden sie sicher gebührenpflichtig sein, irgendwie muß der Staat ja die Aufwendungen für das Wasserstraßennetz mindern.
Wesenberg-Finowsee
Ab Schleuse Wesenberg sind wir 3,5 Kilometer unterwegs, bis wir nach einer Straßenbrücke in den kleinen Finowsee paddeln. Sein Wasser trägt uns nur einen halben Kilometer, dann können wir entweder rechts beim Fischer anlegen und uns mit Fischgerichten verwöhnen lassen oder wir paddeln gleich unter der originellen Brücke hindurch, die als Haus gestaltet ist. Diese Hausbrücke soll die einzige in Europa sein...
Havel zum Wangnitzsee
Ein ca. zwei Kilometer langes Stück Havel führt uns zum nächsten See: der Wangnitzsee wird nur einen halben Kilometer rechts durchfahren, dann sind wir schon im Großen Priepertsee angekommen. Wir halten uns auf diesem etwa 2 Kilometer langen See möglichst rechts, da links von der Seemitte zeitweilig Wasserski gefahren wird. Da möchten die meisten von uns doch nicht hinein geraten.
Ellbogensee
Wir unterqueren die Straßenrücke Priepert - Strasen und gelangen an die Stelle, wo sich zwei Wasserstraßen kreuzen: die Müritz-Havel - Wasserstraße und die Obere Havel - Wasserstraße. Hier fahren alle Motorboote, die zwischen den Müritzgewässern oder den Rheinsberger Gewässern und Berlin unterwegs sind als auch die, die nach Neustrelitz oder Wesenberg fahren. Entsprechend ist in der Saison das Verkehrsaufkommen und der Lärm und die Luftqualität. Paddeln wir rechts, erreichen wir eine kleine Badestelle, um eine Pause einlegen zu können. Links können wir beim Hafen anlegen und einen Imbiß im dortigen Biergarten einnehmen. Die Havel folgt weiter dem Ellbogensee, der zwei große Biegungen vollzieht und insgesamt 7 Kilometer Länge bei höchstens 0,5 Kilometer Breite aufzuweisen hat. Rechts würden wir über die Schleuse Strasen zur Müritz paddeln (10-Seen - Havel - Rundtour) oder nach Rheinsberg.
Ziernsee
Wir verlassen Mecklenburg-Vorpommern und sind in Brandenburg. Im südlichen Knick des Ellbogensees liegt "NaturCamping am Ellbogensee" (früher C53), das Gelände steigt zwar relativ steil an, aber der Wasserwanderer kann unten in Ufernähe sein Zelt aufbauen. Unser nächster See ist der Ziernsee. Auch hier gibt es einen Campingplatz, den C46, der ganz im Wald liegt, ohne eine Ortschaft in der Nähe. Beim Ausgang des Ziernsees passieren wir den Ort Klein Menow, von dem wir jedoch kaum etwas bemerken. Unter einer Fußgängerbrücke hindurch gepaddelt, sind wir schon wieder in einem kleinen Stück Havel und erreichen bald den Menowsee, den wir nur kurz streifen, bevor wir die Steinhavel erreichen. Sie heißt deshalb "Steinhavel", weil es hier zu anfang des zweiten Jahrtausend eine Steinfurt gegeben hat, weshalb der Ort, der gleich erscheint, auch "Steinförde" heißt. Aber außer einer Straßenbrücke sieht man im Sommer auch von diesem Ort nicht viel. Bald paddeln wir zur Steinschleuse, am linken Ufer steht die alte "Steinmühle", die natürlich nur eine gewöhnliche Mühle war und keine Steine gemahlen hat. Sie hat in ihrer wechelvollen Geschichte sowohl der Papierherstellung gedient als auch als Korn und Ölmühle hergehalten.
Fürstenberg
Der Schleusenwärter der Steinhavelschleuse bringt uns auf das Niveau der Fürstenberger Havel hinunter, kurz darauf sind wir im Röblinsee, an dessen linkem Ufer der Campingplatz D27 dazu einlädt, unsere Kanutour für eine Übernachtung zu unterbrechen. Ab hier ist es städtisch, Fürstenberg liegt außerdem noch an den Seen Baalensee und Schwedtsee. Vor dem Baalensee hilft uns noch eine weitere Schleuse, den Höhenunterschied zu überwinden. Im Schwedtsee liegt links der Hafen, dort kann der Wasserwanderer direkt beim Restaurant und Biergarten anlegen und essen gehen. Der Thymenbach, der hier mündet, ist nur ein kurzes Stück aufwärts befahrbar und ansonsten gesperrt. In der östlichen Bucht des Schwedtsees befindet sich die Gedenkstätte Ravensbrück, die an die Greueltaten des durchgeknallten Naziregimes erinnern soll. In Fürstenberg kann man gut einkaufen und alle touristischen Vorzüge genießen, die eine Stadt zu bieten hat, die vom Fremdenverkehr lebt.
Stolpsee
Knapp zwei Kilometer natürliche Havel, im Wald gelegen, bringen uns zum drei Kilometer langen Stolpsee. Wir durchpaddeln ihn möglichst am südlichen Ufer, der nördliche Seeteil wird dann und wann zum Wasserskilaufen genutzt. Dadurch und durch stärkere Winde können hier schon mal ziemlich hohe Wellen entstehen, entsprechend vorsichtig sollten wir sein. Über die Schleuse Himmelpfort sind von hier aus die Lychener Gewässer angeschlossen, über kleine Bäche mit vielen Umsetzstellen und eventuell nötigem Landtransport (Küstrinchener Bach) kann man die Feldberger Seenlandschaft erreichen. Am Ostende des Stolper See liegt der Campingplatz D28, etwas westlich "fließt" die Havel wieder aus dem See.
Zootzen - Bredereiche
Im folgenden Havelabschnitt zeigen sich schon die Ausläufer der Schorfheide: die Ufer werden höher, fast immer sind sie bewaldet. Die Havel kurvt durch sandige Waldlandschaft, rechts erscheint der D37, der kleine Ort Zootzen ist nicht weit. Nach knapp 7 Kilometer ist der Ort Bredereiche erreicht. Vor der Schleuse links können wir uns in der Gaststätte "Bootshaus" stärken oder uns dort zum Zelten auf der Dorfwiese an der nahegelegenen Badestelle anmelden. Ein WC-Container steht in der Nähe. Hier legen auch manche Motorboote zum Übernachten an. In einem etwa 500 Meter entfernten Landmarkt können wir unsere Vorräte auffrischen. Wasser können wir an einer Zapfstelle beim Restaurant "Bootshaus" aufnehmen. Die Schleuse bringt uns wieder einige Zentimeter hinunter auf das nächste Havelstauniveau, und wir paddeln weiter. Nach 6 Kilometer durch sehr angenehme Landschaft sind wir bei der Schleuse Regow angekommen.
Regow bis Zaaren
Unweit der Schleuse Regow, die wir selbst bedienen müssen, liegt der Ziegenhof, wo wir allerlei Produkte aus der Ziegenzucht kaufen können, vor allem den schönsten Ziegenkäse. Es folgt ein Biwakplatz links, Zelten ohne Sanitär ist möglich. Ab jetzt paddeln wir durch die "Kleine Schorfheide", eine auf 6 Kilometer Flusslänge sehr ruhige, menschenleere Gegend. Das linke Ufer sollten wir allerdings nicht betreten, da es munitionsverseucht ist. In kürzlich vergangenen Zeiten haben dort Menschen geübt, andere Menschen möglichst effektiv umbringen zu können. Die Gegend ist aber traumhaft schön, und mancher mag diese außergewöhnliche Strecke als zu kurz empfinden. Die nun folgende Schleuse Zaaren wird ebenfalls von uns selbst bedient. Bis zur Schleuse Schorfheide (Selbstbedienung) paddeln wir 3 Kilometer, auch hier wieder schönste Natur um uns herum, das ehemalige Militärgelände haben wir hinter uns gelassen. Unterhalb der Schleuse zweigt links die Zufahrt zu den Templiner Gewässern ab, nur wenig schmaler als die Havel geht es hier durch Sumpf- und Bruchwaldgelände.
Schleuse Schorfheide bis Burgwall
Auch auf diesem Abschnitt werden wir mit schönem, teils sumpfigen Uferbewuchs verwöhnt, nach etwa 7 Kilometer können wir rechts in den Tornowfließ paddeln, an dessen Ende man in wasserreichen Zeiten in den Wentowsee umtragen könnte. Ansonsten sehen wir das Schloß Tornow, ein Schinkel-Bau, der jetzt von einem Verein liebevoll restauriert und als Schulungszentrum genutzt wird. Wasserwanderer sind dort ebenfalls gerne gesehen, sei es für ein Übernachtung im Zelt mit Nutzung der Sanitäranlagen des Schlosses oder um bei Regen ein Zimmer zu nutzen. Das Tornowfließ ist eine Wunderwelt für sich, jeder, der hier paddelt, wird von sehr viel Naturzauber überrascht werden. Wieder auf der Havel, streben wir der Abzweigung zum Gr. Wentowsee zu, der über die Marienthaler Schleuse zu erreichen ist. Gleich dahinter liegt das Örtchen Burgwall, ein kleiner Wasserwanderrastplatz lädt zum Unterbrechen der Paddeltour und Übernachten ein. Er gehört zur Gastwirtschaft "Zur Fähre". Die kleine Personenfähre ist aber stillgelegt. Hinter der nächsten Straßenbrücke beginnt das ehemalige Tonabbaugebiet, das bis Zehdenick reicht.
Ziegelpark bis Zehdenick
Rechts bei Kilometer 21,5 erscheint der "Ziegelpark". Hier wurde nicht nur in einem ehemaligen Tonhafen eine moderne Marina errichtet, sondern man kann hier eine komplette Ziegelproduktionsanlage besichtigen. Auf einer Lorenbahn können wir uns durch den Park ziehen lassen. Ein mehrsterneverdächtiges Restaurant lädt zum Speisen ein, und einen Kiosk gibt es ebenfalls. Bis Zehdenick folgt die nächsten 5,5 Kilometer ein Stück Havel, das von einer großen Wasserfläche umgeben ist, die durch ehemalige Tonstiche gebildet werden. Die meisten sind private Gewässer und für Paddler nicht zu befahren, aber eine reiche Tier- und Pflanzenwelt nutzt sie als sehr wertvollen Lebensraum. Wir haben es hier mit einer sehr ungewöhnlichen Landschaft zu tun. Nahe Mildenberg liegt die Kanustation " Wallapoint", eine Kanuvermietung mit neuem Wasserwanderrastplatz (Zelten, Sanitär). Ein Kiosk bietet uns kleinere Stärkungen für unsere Paddelpause. Wer ein Zimmer benötigt, kann sich hier in der angeschlossenen Pension einmieten. Allmählich kommt Zehdenick in Sicht, links im Hafen "Klienitz Wasserfreizeit" können wir zelten, Sanitär vorhanden. In der Nähe befindet sich ebenfalls eine Übernachtungsmöglichkeit, die "Herberge am Dock", so etwas wie eine private Jugendherberge. In Zehdenick gibt es alle Einkaufsmöglichkeiten und eine Menge in der historischen Innenstadt zu sehen. Hier zweigt auch die "Schnelle Havel" ab, der zur Zeit unbefahrbare Altarm der Havel, der bis Liebenwalde nahe der kanalisierten Havel verläuft. Eine Schleuse bringt uns auf das nächst niedrigere Niveau hinunter, und wir setzen unsere Paddeltour weiter in Richtung Liebenwalde fort.
Liebenwalde
Die "Obere Havel-Wasserstraße" endet offiziell mit der Schleuse Liebenwalde. Knapp 2 Kilometer vorher zweigt links der 400 Jahre alter Finow-Kanal ab, hier liebevoll "Langer Trödel" genannt. Gleich am Beginn liegt die private Steganlage von Herrn Horst Helbig, er betreibt auch das Sanitärhaus, eine Kanuvermietung und den Wasserwanderrastplatz. Bei Auskünften zu weiteren Übernachtungsmöglichkeiten ist Herr Helbig gerne behilflich. In Liebenwalde können wir gut essen gehen, im nahen Supermarkt einkaufen oder uns im Heimatmuseum anschauen über die Geschichte der Schifffahrt auf Havel, Finow- und Vosskanal informieren. Wir befinden uns in einem ruhigen, beschaulichen Ort. Unterhalb der Schleuse kommen wir nach 1 Kilometer an der breiten Havel-Oder-Wasserstraße an, die zwar auch natürlichen Bewuchs an Ihren Ufern besitzt, aber schon von ziemlich großen Schubverbänden und ähnlichem befahren wird. Als gemütlich wäre eine Weiterfahrt nicht gerade zu bezeichnen, aber der Kanuwanderer kann den Kanal gut für eine Verbindung zu den Ruppiner Gewässern oder den Brandenburgischen Gewässern etc. (siehe Übersicht) nutzen. Um unser Fahrzeug nach Beendigung unserer Kanutour wieder vom Einsetzort zu holen, fahren wir am besten mit dem Bus bis Oranienburg und haben von dort gute Bahnverbindungen, sogar bis Kratzeburg (über Neustrelitz), Neu-Ruppin oder etwa Mirow.