Gewässerbeschreibung Oder (Odra)
Letzte Änderung: 16. August 2010
Die Oder - der neu zu entdeckende Fluss nach oben
Seit Polen zum Ende 2007 dem "Schengener Abkommen" beigetreten ist, entfällt die Kompliziertheit der Grenzabfertigungen beim Paddeln auf den verschiedenen Oder-Gewässern und man kann sich mit dem Kanu frei bewegen. Bis jetzt durfte man ohne Abfertigung durch beide Grenzbehörden als Deutscher das polnische Ufer nicht betreten, und das konnte insofern auch bei aller Sorgfalt unangenehm werden, als man an den Nebengewässern und Verzweigungen nicht immer sofort erkennen konnte, in welchem Land man sich gerade aufhielt. Das ist alles Vergangenheit, geblieben ist die hohe Polizeipräsenz im grenznahen Bereich, und gewisse Autofahrer müssen immer damit rechnen, kontrolliert zu werden (z.B. Leihtransporter).
Wir beschreiben die Oder (polnisch "Odra") ab Ratzdorf, wo die Neiße einmündet und der Grenzverlauf folglich von der Neiße auf die Oder übergeht. Unsere ausführliche Beschreibung endet in Mescherin bzw. Gryfino, es gibt jedoch noch einige Hinweise für die Strecke von dort über Stettin bis hin zur Einmündung ins Stettiner Haff und für die Befahrung der Oderpolder und Westoder bzw. Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße.
Vom reinen Paddelerlebnis her unterteilt sich die Oder in einen fließenden und mehrere (fast) stehende Teile. Die "Stromoder" erleben wir von Ratzdorf aus und die starke Strömung hält sich etwa bis Hohensaaten, um dann allmählich weniger zu werden und unterhalb Schwedt fast ganz zum Erliegen zu kommen. Wie sich das konkret gestaltet, hängt natürlich vom Wasseraufkommen, aber auch vom Wasserstand im Stettiner Haff ab: anhaltende westliche Winde bringen ablaufendes Wasser, und nördliche bzw. östliche Winde treiben den Wasserstand im Haff in die Höhe, so daß die Strömung bei hohen Wasserständen durchaus schon ab Schwedter Querfahrt zum Erliegen kommen kann.
Die Veränderung des Oderverlaufs nach oben
Die Oderarme im unteren Oderlauf von Frankfurt aus abwärts sind nicht in der Form natürlich entstanden, wie sie sich uns heute darbieten: die Oderarme mäandrierten früher im breiten Odertal hin und her, dazwischen hatten sich unzählige Nebenarme gebildet, so daß man durchaus von einem Binnendelta sprechen konnte. Auch Seen bildete die Oder.
In der Mitte des 18.Jahrhunderts begannen Arbeiter auf Befehl Friedrichs des II., einen völlig neuen Oderlauf zwischen Güstebieser Loose und Hohensaaten zu schaffen. Parallel dazu wurden andere Abschnitte begradigt und eingedeicht und man legte nach und nach ca. 35.000ha. Sumpfland trocken. Auf dieser Fläche siedelte man Menschen an, die andernorts nicht so gerne gesehen waren (z.B. aus religiösen oder politischen Gründen). 33 Dörfer entstanden mit neu eingewanderten Kolonisten. Das Ziel war, die Einwohnerzahl des Preußenreiches zu vergrößern und Futter für das stets wachsende Reiterheer zu erzeugen.
Die Folgen dieser unklugen und kurzsichtigen Aktion war, daß durch den Wegfall des Überschwemmungsgebietes im Oderbruch weiter flussabwärts neue Überschwemmungsgebiete entstanden, allerdings in bereits seit langem besiedelten Gebieten: ab Hohensaaten mußten die Anlieger Maßnahmen ergreifen, sich ihrerseits vor dem Wasser zu schützen. Um das zu erreichen, schuf man ein gigantisches Poldergebiet, das von Hohensaaten bis Stettin reichte. Die Oder dort wurde nun ebenfalls stark reguliert und nach und nach immer mehr begradigt, bis zum Schluß zwei Oderarme entstanden, von denen der eine in seinem Wasserstand durch Schleusen reguliert ist (Westoder), der andere wie früher in seinem Wasserstand sich selbst überlassen bleibt (Stromoder bzw Ostoder). Nur selten bekommt die Stromoder Zuschußwasser von Talsperren aus dem Oberlauf, um zu erreichen, daß für eine sehr kurze Zeit auch in Zeiten längerer Trockenheit Binnenschifffahrt z.B. zwischen Breslau und Stettin möglich ist und die Flussschiffe nicht völlig festsitzen.
Nach dem 2.Weltkrieg wurden die Polder auf der deutschen Seite immer noch landwirtschaftlich bewirtschaftet und nur im Winterhalbjahr geflutet. Die Polen überließen von vornherein der Natur die Regelung und die Schleusen der Polder verfielen mehr und mehr.
Auf deutscher Seite schützen nach der großen Flut von 1997 hohe Deiche die Bevölkerung und die Ländereien. Das Wasser nehmen größtenteils die polnischen Naturschutzgebiete um Küstrin, Hohenwutzen und Gryfinow auf. Wenn das nicht mehr ausreicht, öffnet man auf deutscher Seite auch im Sommerhalbjahr die Einlaßbauwerke, um Wasser "zwischenzuspeichern", bis es langsam wieder abgelaufen ist.
Wir hoffen, daß es jetzt mit dem Regulierungs- und Beherrschungswahn genug ist und neue Generationen von Wasserbauern so einsichtig sind, dem Fluss und der Umgebung deren Eigendynamik ein für allemal zuzugestehen.
Von Ratzdorf bis Eisenhüttenstadt nach oben
Wer nicht schon weiter oben in der Neiße starten möchte oder kann, setzt am besten in Ratzdorf ein. Nach dem verheerenden Sommerhochwasser 1997 sind auch hier wie im gesamten Oderverlauf neue Deiche entstanden, und es gibt einen markanten elektronischen Pegel mit digitaler Anzeige: neben diesem liegt eine kleine Slipanlage, dort könnte man mit dem Fahrzeug heranfahren. Ob man dort auch einsetzt, hängt sehr vom Wasserstand ab: bei sehr niedrigem Wasserstand gibt es Sand zum Einsetzen, bei höheren nur Beton und Granit. Dann nimmt man besser den Bootswagen und rollt sein Kanu 200 Meter zurück bis zur Einmündung der Neiße, wo es auch bei hohen Wasserständen möglich ist, weich einzusetzen.
Man ist überrascht, wie stark die Strömung wirklich ist, mit dem Canadier aufwärts paddeln ist dabei kaum möglich. Insofern fängt der Paddler also an, sehr vorausschauend zu paddeln, um nicht in die Situation zu kommen, noch einmal zu einer Stelle zurückpaddeln zu müssen.
Das nächste, mit dem wir uns auseinander setzen müssen, sind die Buhnen: feste Bauwerke aus Pflastersteinen (zum Teil auch aus Beton), die vom Ufer her immer flacher werden und die Strömungsgeschwindigkeit herabsetzen sollen. Wenn man unachtsam wäre, könnte es passieren, daß man hier die Steine mit dem Kanuboden berührt, da die genaue Wassertiefe über den Steinen nicht genau zu erkennen ist. Zur Sicherheit läßt man da eben Abstand. Hinter den Buhnen hat man regelmäßig Buchten gebaggert, und in diesen haben sich kleine Strände ausgebildet, die uns Paddlern sehr schön als Anlandemöglichkeiten dienen können. Es bilden sich hinter den Buhnen Strudel, die teilweise so kräftig sein können, daß das Paddel keine Antriebs- oder Steuerwirkung zeigt: wir haben also einzuschätzen, wie weit wir gegebenfalls davon Abstand zu halten haben.
Viel antreiben müssen wir hier eher nicht, wenn nicht gerade stärkerer Seitenwind oder Wind von vorne herrscht. So sind Geschwindigkeiten mit dem Canadier von bis zu 12km/h ohne weiteres möglich. Die Tagesstrecke kann somit auch mal bis über 50km reichen, bei Schiebewind auch noch mehr.
Wenn wir also nach einer längeren Anreise erst spät von Ratzdorf gestartet sind, ist Eisenhüttenstadt als Ziel schnell erreicht.
Die Ufer sind vom ersten Meter an sehr abwechslungsreich. Wenn nicht Wind und Tonnen, die die Fahrrinne markieren, stärkeres Rauschen verursachen, ist es eher still. Das gilt für diesen Abschnitt zwischen Ratzdorf und Eisenhütttenstadt, aber auch für die gesamte Strecke bis an die Stadtgrenzen von Stettin. Auch die Ortschaften an den Ufern sowie die Autostraßen verursachen keinen anhaltende Lärmbelästigung. Wir sind hier in ruhiger Natur, und wenn das so bleibt, wird die Oder wohl zu einem der beliebtesten Paddelströme Deutschlands werden.
An den Buhnen stehen oft Angler, vor allem auf der polnischen Seite, stören aber nicht weiter. Von Landwirtschaft sieht man kaum etwas, nur selten gibt es Kuhherden, meist auf der Ostseite. Die Deiche sind oft außer Sichtweite, an Baumbewuchs herrschen überwiegend Silberpappeln und Weiden vor.
Eisenhüttenstadt empfängt uns mit seinem alten Ortskern Fürstenberg (so hieß die ganze Stadt früher, bevor sie der Umbenennungswut zum Opfer fiel). Die Hafenanlage ist neu und sehr aufwändig gebaut, sie liegt am Ende des Oder-Spree-Kanals, der hier in die Oder mündet. Um Übernachtungsmöglichkeiten in Wassersportvereinen erreichen zu können, müssen wir ein Stück den Kanal aufwärts und durch die Schachtschleuse paddeln. Es gibt in Hafennähe Supermärkte, und an Restaurants ist kein Mangel. Diese gibt es auch direkt am Wasser mit Blick auf die eigenen Kanus, was oft ein riesiger Vorteil ist.
Aussetzen am Hafen kann man an niedrigen Schwimmstegen, zum Zwecke eines eventuellen Tourenstarts ist das Parken problemlos am Hafen möglich.
Eisenhüttenstadt bis Frankfurt nach oben
Wir haben bisher nur die Ruhe und sehr natürliche Umgebung erwähnt. Allein diese Umstände machen eine Paddeltour auf der Oder (Odra) sehr empfehlenswert. Dazu kommt jedoch, daß wir es hier auch mit einer artenreichen Tierwelt zu tun haben: es gibt eigentlich immer spannendes zu erleben, z.B. Gänsesäger auf den Buhnen, Fischadler bei Fangversuchen, Eisvögel, Kraniche und Weißstörche. Gerne läßt sich der Seeadler blicken, und sehr häufig sehen wir Graureiher. Es gibt auch Schwarzstörche in größerer Zahl, und Biber lassen überall ihr Machwerk sehen: angenagte Bäume, spitze Stümpfe, die typischen Gleiten das Ufer hinauf. Mit etwas Glück sieht man sie in der Abendsonne unter den Uferüberhängen sitzen und nagen. Auch ihre Burgen sind oft zu sehen. Fischotter gibt es hier auch, gesehen haben wir bisher keine in der Stromoder, in den polnischen Poldern nahe Stettin durchaus.
Es gibt verschiedene Limikolen, wie Kiebitze und Flussuferläufer sowie verschiedene Möven. Einen Hermelin sahen wir ebenfalls während einer Paddelpause auf einer Halbinsel. Mäusebussarde sind an der Oder scheinbar selten, dafür treten oft Rotmilane auf und sehr häufig eben die schon erwähnten Fischadler. Wir haben noch nirgends so viele bei einer Kanutour bei uns gehabt wie hier an der Oder.
Wie schon auf dem ersten Abschnitt zwischen Ratzdorf und Eisenhüttenstadt liegen auch hier, auf dem Weg nach Frankfurt, sehr wenige Ort so nahe an der Oder, daß man die Häuser erkennen kann. Eine Ausnahme bilden Aurith (West) und Urad (gegenüber auf der Ostseite). Hier, kurz bevor die Pliszka von Polen her in die Oder fließt, führte früher auch eine Brücke über die Oder. Von ihr sieht man nur noch kurios aussehende Reste, die jedoch an traurige und dramatische Ereignisse im Jahre 1945 erinnern. Die beiden Orte liegen sehr nahe an den Ufern der Oder, wobei Aurith dicht hinter den hier nahen Deich gekuschelt ist und Urad so hoch liegt, daß man hier auf den Schutz eines Deiches verzichten zu können glaubt.
Von den reichlich vorhandenen Sümpfen und Nebengewässern rechts und links bekommt man als Paddler nur selten etwas mit, wenn man sich jedoch genügend Zeit nimmt, kann man mit seinem Kanu gut in den einen oder anderen Altarm hinein paddeln. Bei höheren Wasserständen kommt man zeitweise von selbst in Flussregionen, die sonst als Sumpf nebem dem Fahrwasser erscheinen, jetzt jedoch nur noch als Bauminseln aus dem Wasser hervorlugen und sich so gut umpaddeln lassen. Fällt das Wasser wieder, finden sich hier viele Wasservögel ein, z.B. Möven, Kiebitze und Stockenten, um den reich gedeckten Tisch abzuernten.
Von Zeit zu Zeit treffen wir kleinere Kiesabbaugebiete, von denen wir jedoch nur die Verladeeinrichtungen wahrnehmen können.
Ab km 575 steigt das westliche Ufer deutlich an, hier liegt abseits eine Halbinsel, dahinter der Brieskower See, ein sehr schmaler etwa 3km langer See. Er bildet das Ende des Brieskower Kanals, der über Brieskow-Finkenheerd und Groß Lindow durch das Schlaubetal führt, immer parallel zur kleinen, wildromantischen Schlaube. Er verbindet hier noch heute die Oder mit dem Oder-Spree-Kanal, wobei der Paddler allerdings zum Oder-Spree-Kanal bei Hammerfort / Schlaubehammer umtragen muß.
Das linke, ansteigende Ufer wird durch die Ausläufer des kleinen Höhenzuges "Lossower Berge" gestaltet. Auf diesem verläuft auch die Einbahnlinie von Frankfurt nach Eisenhüttenstadt. Wenn wir ansonsten Steilufer an der Ostoder vorfinden, so sind sie gewöhnlich auf der polnischen Seite.
Der polnische Ort Swiecko liegt relativ ungeschützt an der Einmündung eines kleinen Nebenflusses gleichen Namens, von seinen Häusern sehen wir bei unseren Paddelgeschwindigkeiten meist nicht viel, es sei denn, wir paddeln einmal in den kleinen Mündungstrichter der Swiecko hinein.
Etwas weiter weg sehen wir schon die hohe Brücke der A12, die in Polen A2 heißt und nach Poznan ("Posen") führt. Allerdings ist sie erst kurz vor Poznan wieder als Autobahn ausgebaut. Diese Straße (E30) führt u.a. zu einem bedeutenden polnischen Wasserwandergebiet mit vielen zusammenhängenden Gewässern.
Hinter der Autobahnbrücke erscheint noch die Eisenbahnbrücke und ein paar Kilometer pure Natur, in der auch noch links der Oder-Altarm ("Alte Oder" nennen ihn die Frankfurter) abzweigt, der die Halbinsel Ziegenwerder von der Stromoder abtrennt und dessen Strömung durch ein Wehr gebremst wird, um den Hafen in Frankfurt mit etwas ruhigerem Wasser zu versorgen.
Der Ziegenwerder ist ein sehr beliebter Naherholungsort für die Frankfurter, vor allem die Studenten der nahen Universität. Dort können auch wir an kleinen Stränden gut anlegen zum Pausieren oder um einzukaufen. Die Innenstadt ist sehr nahe, der Oderturm zu Fuß in gut 5 Minuten zu erreichen. Auch als "weiche" Einsetzmöglichkeit eignet sich der Ziegenwerder in Frankfurt gut, der eigentliche Hafen dagegen bietet nur harte Uferterrassen. Hier hat man an Wasserwanderer mit Kanus noch nicht gedacht (oder eben nur gedacht, aber nichts getan). Der Bahnhof liegt etwa 750m entfernt. Von Eisenhüttenstadt Hafen bis hier sind wir etwa 30km gepaddelt (3-4 Stunden).
Zum Übernachten meldet man sich am besten bei einem der beiden Sportvereine an der Alten Oder an. Einen offiziellen Wasserwanderrastplatz gibt es noch nicht. Wir finden, diesbezüglich sollte man in Frankfurt doch endlich einmal tätig werden.
Frankfurt bis Lebus nach oben
Starten wir in Frankfurt zur nächsten Etappe, unterqueren wir kurz nach der Ausfahrt aus dem Hafen die nächste Brücke. Sie verbindet Frankfurt mit Slubice, und wir sehen einen aufstrebenden polnischen Ort, der vor noch nicht allzu langer Zeit ein Stadtteil von Frankfurt gewesen ist. Dort kann man übrigens sehr gut einsetzen, indem man einfach bei der Shelltankstelle zum Ufer hinunter geht und einen kleinen Strand benutzt.
Bei den Strömungsverhältnissen haben wir die Stadt wieder einmal verblüffend schnell hinter uns gelassen. Was als nächstes auffällt, ist ein wunderschöner Strand in der Nähe des Klärwerks: auch hier läßt es sich sehr gut einsetzen, das Parken ist ebenfalls möglich.
Links von uns steigt die Landschaft wieder an, und rechts am polnischen Ufer paddeln wir ein paar Kilometer an schönstem Wald vorbei. Von dem Abzweig eines alten Oderarms sehen wir zunächst nichts, erst als wir nahe an Lebus sind ("lebuuuß" gesprochen!) , können wir wahrnehmen, daß es links möglich ist, in diesen Altarm hinein zu paddeln. Er bildet eine schöne Halbinsel, die steppenartig aus sehr trockenem, sandigen Boden besteht, ein paar Weiden und Pappeln sind ebenfalls vorhanden. Hier haben wir einen schönen Pausenplatz, bei Lebus steigt das Gelände noch weiter an.
Bei unserer Weiterfahrt kommen wir an den alten Fährbuhnen vorbei, doch die Fähre existiert hier bislang nur als Traum. Legt man links an, kann man das Restaurant nutzen, das sehr nahe am Wasser liegt. Zum Einsetzen ist diese Stelle ebenfalls geeignet, parken ist dort möglich. Rechts (am polnischen Ufer) sehen wir eine überdachte Tisch-Bank-Kombination, gut anlegen für ein Päuschen kann man dort auch.
Lebus verfügt über zwei Supermärkte, zwei Bäcker und das stark überregionale Tourismuszentrum "info-Punkt", wo zwei sehr engagierte Damen sich um alle Belange der Touristen kümmern. Sie sind bestens informiert, haben alle Übernachtungsmöglichkeiten aufgelistet, viele Landkarten und zur Not kann man hier auch eine Bahnauskunft aus dem Internet bekommen. So etwas wünscht man sich doch an allen größeren Orten, nicht wahr?
Ein kleines Stückchen weiter flussabwärts liegt der offizielle Wasserwanderrastplatz von Lebus. Mit dem Kanu kann man sehr gut an einem Schwimmsteg anlegen, so etwas wie Strand gibt es auch. Es gibt ein Trockenklo, und ein freundlich wirkendes Restaurant namens "Anglerheim" verspricht Bewirtung. Ein großer Parkplatz ist vorhanden, falls man Lebus als Einsetzort nutzen möchte.
Lebus bis Küstrin nach oben
Die Oder selbst hat hier immer noch 16m über NN, was bedeutet, daß es bis Schwedt noch 13 Meter Gefälle gibt. Das sorgt immer noch für eine ordentliche Strömung .
Abseits liegen westlich die Orte Podelzig und Reitwein (bekannt wegen des Höhenzuges Reitweiner Sporns) sowie östlich Gorzyca. Wir sind etwa bei km 605, die Deiche liegen etwas abseits, westlich mehr als östlich, und am Westufer sieht man in der Ferne ein großes Waldstück. Das gehört zu der erwähnten Anhöhe Reitweiner Sporn.
Das Vorland und die Ufer sind auch hier wieder dicht mit Gehölzen bestanden, und manch Strand lädt zu einer Pause ein.
Schon 10 Kilometer später, das kann unter günstigsten Bedingungen schon nach einer Stunde sein, erscheint die Festung Küstrin, die Straßenbrücke mit dem Grenzübergang sowie eine Eisenbahnbrücke. Eine der wichtigsten Auto- und Bahnstrecken nach Polen quert hier bei km 615 die Oder. Ein Altarm zweigt links ab, er ist nicht zu paddeln. Die Festung erhebt sich martialisch rechts aus dem Gelände, und links liegen die jetzt verlassenen Polizeikasernen. Es herrscht zwar relativ starker Kraftfahrzeugverkehr, aber Menschen bekommt man kaum zu Gesicht.
Mit dem Kanu anzulegen ist hier bislang unmöglich, der Schwimmsteg der ehemaligen Abfertigung ist viel zu hoch, und tricksen ist bei der Strömung nicht möglich. Da paddeln wir eben ein Stück weiter, bis wir am anderen Ende des Altarms den Wasserwanderrastplatz Kuhbrücke beim Fischer Detlef Schneider entdecken: Achtung, er liegt fast direkt am Ende des Altarms. Wir können am dortigen seichten Strand anlanden und unser Kanu ein Stück auf dem Deich entlang zum Haus des Fischers schieben. Dort können wir zelten oder ein Zimmer bekommen, außerdem gibt es zu essen und trinken. Dusche und WC teilt man sich bislang mit den Angestellten, was kein Problem ist.
Küstrin-Kietz bis Hohenwutzen nach oben
Am km 617, kurz bevor von rechts die Warta in die Oder mündet, wurde links ein Anleger gebaut, der sich auch mit Kanus nutzen läßt. Er gehört zu der Ortschaft Altbleyen-Genschmar. Da er auch auf dem Landwege zu erreichen ist, kann er als offizielle Einsetzstelle dienen.
Die Warta fließt flott in die Oder, auf der Karte erkennt man mehrere Mündungsarme, die einst eine sehr sumpfige Landschaft als Mündungsdelta ausgebildet haben. Wir empfehlen sehr, diese Altarme für ausgedehnten Naturgenuß zu nutzen, indem man z.B. beim Wasserwanderrastplatz Kuhbrücke einen Tag länger verweilt. Dieser Platz wird übrigens auch gerne von Fahrradtouristen genutzt, die den bekannten Oder-Neiße-Radweg für ihre Ferntour nutzen, was wir sehr empfehlen.
Der nun kommende Abschnitt erscheint uns ein wenig besser erschlossen zu sein als die bisherigen: wir paddeln wie schon zuvor aber immer noch durch pralle Natur, in der die Tierwelt erfreulich viel Lebensraum behalten hat. Die Ortschaften, die dann nach etwa 19 bzw. 21,5 Kilometern links erscheinen, heißen Kienitz und Neuendorf. Kienitz liegt an einem Altarm bei km 632,8, hier wird ein Hafen unterhalten.
Der Hafen Kienitz bietet uns einen bequemen Ausstieg an einem der Schwimmstege. Im nahen Restaurant können wir uns beköstigen lassen und beim Hafenmeister zelten. Im Dorf gibt es einige Zimmervermietungen und ein Gruppenhaus.
Bei km 635,5 haben wir Groß Neuendorf erreicht, wir konnten es schon von etwas weiter an den hohen, schlanken Speichern erkennen. Sie dienten in früheren Zeiten als Verladestation für landwirtschaftliche Produkte von der Bahn auf Schiffe. Einer davon ist zu einem Hotel / Restaurant umgebaut worden ("Maschinenhaus"), der andere beherbergt nach geglücktem Umbau das "Landfrauencafe". Ein "Turmcafe" gibt es auch noch. Groß Neuendorf gehört sicher zu den umtriebigsten Gemeinden des Oderbruchs.
So gibt es hier auch einen Campingplatz, nur etwa 200 Meter von der Oder entfernt. Am besten landen wir vor dem Maschinenhaus an und bauen unseren Bootswagen unter unser Kanu. Unter 033478-4513 können wir uns anmelden.
Wenn wir unsere Paddeltour fortsetzen, kommen wir links an Zelliner Loose vorbei. Vom Ort sehen wir fast nichts, und auch die alten Oderarme nehmen wir nur dann wahr, wenn wir hier an der Einsetzstelle ein Päuschen machen. Auch auf der polnischen Seite liegt ein kleines Örtchen, Czelin genannt. Es ist ein wenig hinter Wald verborgen.
Wer sich die Zeit nehmen will, sollte links in die Altarme hineinpaddeln, er wird mit ruhiger Natur belohnt. Bei Niedrigwasser gibt es hier auch oft Sandbänke, und in den strömungslosen Gewässerteilen läßt es sich gut entspannen, wenn man auf der Stromoder stärkeren Wind gehabt hat.
Nahe km 645 treffen wir auf ein eigentümliches Gefährt: eine Fähre mit Seitenradschaufeln soll hier die Orte Gozdowice und Güstebieser Loose verbinden. Man hofft hier, daß diese Fähre in Zukunft nicht mehr so oft und lange repariert werden muß wie bisher, denn es besteht viel Nachfrage für Oderquerungen aller Art. Für die Zukunft sind an verschiedenen Orten auch preiswerte Kleinfähren in Planung, die nur ein paar Radfahrer und Fußgänger mitnehmen können. Da die Brücken sehr weit auseinander liegen, wäre das für die weitere Entwicklung der Grenzregionen wirklich sehr wichtig und sollte jede denkbare Unterstützung erfahren.
Vom Ort Güstebieser Loose sehen wir nichts, da er etwas abseits hinter dem Deich liegt. Nur der Fähranleger zeugt von einer Straße. Nebenan liegt eine Badestelle, die kann als Einsetzstelle genutzt werden, evtl. auch die kleine Bucht nebenan. Parkplätze gibt es reichlich. Hier floß früher der Oder-Hauptarm in Richtung Wriezen, bis er durch den Durchstich überflüssig und später abgetrennt wurde. Eine aktuelle Baumaßnahme bezweckt, die Güstebieser Alte Oder, wie der "Rest" heute heißt, wieder mit Oder-Wasser zu versorgen.
Kurz hinter km 651 liegt links Zollbrücke. Es gibt einen winzigen Hafen für flach gehende Boote. Bei niedrigem Wasserstand kommt man allerdings nicht einmal mit dem Kanu hinein, da der Hafen ziemlich verlandet ist. Man kann ansonsten (vorher) am Uferam alten Fähranleger anlegen und für eine Nacht biwakieren. Der Deich ist sehr nahe, und der kleine Ort Zollbrücke liegt gleich dahinter. Es gibt ein Restaurant am Deich. Zollbrücke ist ein beliebtes Ausflugsziel und hier ist auch das Theater "Am Rand" zu Hause.
Es folgt wieder ein Altarm, dessen Besuch sehr lohnt. Fast auf gleicher Höhe mündet die Slubia auf der Ostseite ein, sie hat eine viele hundert Hektar große Sumpflandschaft als "Mündungsdelta" geschaffen, eine wunderbare Natur hat sich hier gehalten.
Ein kleines Stück abwärts treffen wir auf eine Eisenbahnbrücke ohne Schienenanschluß auf deutscher Seite.In Polen liegt hier Siekierki und in Deutschland etwas abseits Bienenwerder. Der Laufgraben folgt dem Oderdeich auf dessen Westseite seit Zollbrücke, er dient der Sickerwasserdrainage, ist im Frühjahr gut zu paddeln, bis er ziemlich zuwächst. Besser kann man den Mucker paddeln, der hier etwa 1km abseits liegt und bis Neutornow / Schiffmühle führt, teilweise durch traumhafte Natur und extreme Stille.
Das polnische Ufer ist hier höher als das westliche, daher sehen wir keine Deiche. Es lohnt sich, die polnische Seite mit dem Fahrrad oder Auto abzufahren. Bei Oder-km 646 liegt auf der Ostseite ein beeindruckender Kahlhang, etwa 20 Meter über die Oder ansteigend. Von hier aus hat man einen sehr guten Rundblick über Güstebieser Loose. In der Ferne blickt man auf den hoch aufsteigenden Barnim.
Die beeindruckende Sumpflandschaft zwischen Stara Rudnica und Kostrzynek sollte man auch einmal mit dem Kanu besuchen. Hier kann man sich lange aufhalten, ohne daß es langweilig wird, da wir es hier mit einer Ursprünglichkeit zu tun haben, die wir so in Deutschland selten finden. Sogar Korbweiden werden hier noch geerntet, und man kann hier mit Glück sehr viele Silberreiher antreffen.
Unaufhaltsam treibt uns die Strömung einer Brücke zu, die zu Hohenwutzen gehört und nach Osinow Dolny führt, früher "Niederwutzen". Hier befindet sich eine polnische Einkaufsmeile ("Basar"), wo man "alles" bekommt. Um Hohenwutzen besuchen zu können, lege man ein Stückchen hinter der Brücke an.
Es gibt hier Restaurants und auch mindestens eine Pension. Wenn man in dieser Pension übernachten will, muß man etwa 200 Meter vor der Brücke an den Buhnen anlanden, dort sind die Böschungssteine reichlich mit Kraut überwachsen. Die Pension liegt in der Neuglietzener Straße direkt am Oderufer. Im Ort gibt es noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten, jedoch nicht zum Zelten. Dafür paddelt man besser weiter bis "Alte Schleuse" in Hohensaaten.
Hohenwutzen bis Schwedt: der Beginn des Nationalpark Unteres Odertal nach oben
Von Hohenwutzen bis zur Einmündung der Alten Oder bzw. der Havel-Oder-Wasserstraße sind es nur noch knapp 4 Kilometer. Vorher treffen wir auf den Ortsteil von Hohensaaten "Alte Schleuse", wo es möglich ist, anzulegen und den Biwakplatz zu nutzen. Dazu müßte man jedoch als Paddler eine Art "Kaimauer" erklimmen, die bei den meisten Wasserständen im Sommer als zu hoch erscheinen wird. Bei sehr hohen Wasseständen ist es problemlos. Bei niedrigen Wasserständen wird man versuchen, direkt an der Buhne vor der eigentlichen Bucht (von der Rückseite aus, damit man das Manöver kontrollieren kann) anzulegen, dort auf der Wiese kann man gut zelten, sofern der Wasserstand der Oder nicht zu hoch ist.
Zwei Kilometer hinter der "Alten Schleuse" sind wir auf der Höhe von Hohensaaten angekommen. Von links kommt hier die "Havel-Oder-Wasserstraße" über die Ostschleuse hinzu. Wir erleben hier die Verbindung der Havel mit der Stromoder (Ostoder). Da diese Verbindung auf den letzten Kilometern durch die Alte Oder (dem ehemaligen Oder-Hauptstrom) gebildet wird, haben wir hier auch die einzige Verbindung mit Gewässern des Oderbruchs. Die Alte Oder dient ab dem Oderberger See nicht nur als Hauptvorfluter des vor gut 250 Jahren trockengelegten Oderbruchs, sondern ebenfalls der Schifffahrt als Ende des Oder-Havel-Kanals (Teil der Havel-Oder-Wasserstraße). Von der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße sehen wir nichts, dafür müßten wir in den Hafen schleusen.
Um es noch einmal zu verdeutlichen: in Hohensaaten trifft der künstliche Oderdurchstich (von Güstebieser Loose bis Hohensaaten) die Alte Oder, den natürlichen Oderarm. Das bedeutet, die ehemalige Oder floss noch vor etwa 250 Jahren um die Halbinsel "Neuenhagener Sporn" herum, auf der die Orte Hohenwutzen, Neuenhagen, Schiffmühle und Bralitz liegen.
Bevor wir auf der Höhe des Schleusenhauptes sind, ist es möglich, mit unserem Kanu an seichtem Strand anzulegen. Ein Trampelpfad führt uns über den Deich und zu einem Platz, der gerne von Wohnmobilisten "schwarz" genutzt wird. Wenn man schon in den Abend paddelt und noch am Ufer zelten muß (mangels Wasserwanderrastplatz), sollte man das hier tun. Danach sind wir nämlich schon im Nationalpark Unteres Odertal, wo zelten natürlich bei Strafe ausdrücklich verboten ist. Da bliebe nur noch das polnische Ufer, aber da könnte es doch schnell zu Mißverständnissen mit eventuellen Eigentümern kommen. Ohne die Ostschleuse zu benutzen wird es sehr schwer bis unmöglich, zum Ort Hohensaaten (Havel-Oder-Wasserstraße) zu kommen: die Böschungen sind hoch und hart zum wieder Einsetzen in den Hohensaatener Hafen.
(Noch zum Thema umsetzen: wer von der Stromoder in die Alte Oder (Havel-Oder-Wasserstraße) übersetzen möchte, hat wenig Möglichkeiten. Wenn man jedoch bereit ist, etwa 600-700m Straße mit dem Bootswagen zu schieben, dann kann man bei "Alte Schleuse" aussetzen und bequem über den Deich schieben, dann in die Straße nach Oderberg "Alte Schleuse" schieben und dort direkt hinter den ersten Häusern rechts in die alte Oder umsetzen. Dann ist man nach etwa 5km beim Wasserwanderrastplatz Oderberg, sei es um dort einzukaufen oder um dort zu übernachten).
Auch wenn man in Hohensaaten noch essen gehen möchte, empfiehlt es sich, hier anzulanden. Später ist es kaum noch möglich. Wer in Hohensaaten ein Zimmer nehmen will, sollte durch die Schleuse paddeln. Zum Aussetzen hält man sich am besten einfach rechts und landet vor einer überdachten Tisch-Bank-Kombination am befestigten Ufer an. Die Vegetation, die sich auf den Steinschüttungen ausgebreitet hat, möge die Kratzer am Bootslack mildern. Eine bessere Einsetz - oder Anlegestelle ist zur Zeit noch nicht vorhanden, aber das kann sich ja entwickeln.
Also noch einmal konkret: wer von der Stromoder kommt und die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße(Westoder) paddeln möchte, muß durch beide Schleusen paddeln, was ja kein Problem ist (Schleusenzeiten siehe Gewässerübersicht). Dadurch gewinnt man die Möglichkeit, auf dem Wasserwanderrastplatz Stolzenhagen (bei km 102) zelten und im dortigen Imbiß essen gehen zu können. Ebenso ist der Wasserwanderrastplatz von Schwedt nicht mehr weit (18km anstatt 38km). Auf der HoFriWa sind wir nahe am westlichen Steilufer des Odertals, was sehr reizvoll ist.
Sollten wir später jedoch die Stromoder weiter paddeln, bewegen wir uns zunächst zwischen zwei Deichen. Dann wird es auf der polnischen Seite wieder etwas hügelig und wir sehen Wald: wir befinden uns nahe Bielinek, das an ein sehr großes Waldgebiet grenzt. Hier wird Kies abgebaut, es sind größere Seen entstanden.
Schauen wir nach links über das leicht erhöhte Ufer und den Deich, erblicken wir bei klarem Wetter den "Grützpott" in Stolpe (noch weiter links des Ufers der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße, kurz HoFriWa genannt), ein Burgturm, um den herum sich allerlei Sagen und Geschichten ranken. Wer Gelegenheit dazu hat, sollte ihn besteigen, man hat einen sehr schönen Rundblick von seinem begehbaren Dach. Überhaupt ist das westliche Oderufer schön anzusehen, ist auf weiten Strecken Teil des Nationalpark Unteres Odertal und bietet interessante "Nebenausflugsmöglichkeiten".
Im Nationalpark Unteres Odertal ist es möglich, ab 15.7. bis in den November hinein bestimmte Touren zu paddeln, um die üppige Natur dort genießen zu können. Dafür benötigt man eine Führung, diese wird von Frau Bennett organisiert, tel. 039746-22891 und 0172-1979 316) Auch geeignete Kanus werden dafür von Frau Bennett bereit gestellt.
Im Ort Criewen an der HoFrieWa befindet sich auch eine große Halle, die einst zu einem Gutshof gehörte und in der gegenwärtig die Nationalpark-Ausstellung untergebracht ist. Unzählige Exponate warten darauf, die Besucher des Nationalparks über Tiere, Pflanzen und örtliche Gegebenheiten sowie die Einzelheiten der Polderflutung zu informieren. Auch die Verwaltung des Nationalparks findet man hier im dazugehörigen Schloß, mitten im alten Linnee-Park von Criewen.
Die HoFriWa (Westoder) verläuft immer etwa 1,5 bis 3 Kilometer westlich von der Stromoder, aber es gibt vorerst keine Möglichkeit mehr, zu ihr vorzudringen. In Hohensaaten wäre es gegangen, indem wir durch die Ostschleuse zur Westschleuse gepaddelt wären und durch diese dann die HoFriWa erreicht hätten.
Auf der polnischen Seite steigen die Ufer wieder langsam an, der Ort Piasek erscheint bei ca km 682, er liegt etwas abseits an einem alten Oderarm.
Am Westufer steigt die Landschaft erst jenseits der HoFriWa an, dann sind auch dort Geländehöhen von über 50 Meter keine Seltenheit. Die Polderlandschaft im Nationalpark verbirgt sich jedoch in relativ niedrigen Höhen hinter Deichen, wir können sie vom Kanu aus nicht sehen.
Wir nähern uns der Brücke, die bei km 690,5 Schwedt mit Krajnik Dolny verbindet, rechts in Polen liegt ein schöner Wald am Hang, der bei Wanderen sehr beliebt ist. Anlegen ist direkt hier jedoch nicht möglich, obwohl die gastronomischen Möglichkeiten (z.B. Imbiß, wo auch deutsch gesprochen wird) uns reizen würden. Eine Lösung ist, 400 Meter hinter der Brücke rechts in einen Altarm hinein zu paddeln und dann am Ende dieses Nebengewässers "irgendwie" anzulegen: je nach Wasserstand an einem umgestürzten Baum oder an einem flachgetretenen Uferstück. Möglich ist es, mit Kajaks kann es etwas schwierig werden.
Die Strömung hat zwischen Hohensaaten und Krajnik Dolny (auf Höhe Schwedt) schon deutlich nachgelassen, hier ist sie noch etwa 3-4 km/h schnell, je nach vorherrschender Windrichtung und damit Wasserstand im Stettiner Haff. Viel Gefälle zum Haff hin gibt es nicht mehr. Daher vermissen wir seit einigen Kilometern auch die Buhnen, an die wir uns schon so gewöhnt hatten: wegen der abnehmenden Fließgeschwindigkeit werden sie nicht mehr benötigt, stattdessen finden wir hauptsächlich geschüttete Ufer vor, so daß das Anlanden oft nicht möglich ist, es sei denn, Kinder haben sich eine Bademöglichkeit ertrotzt oder Angler waren tätig und haben die Steine weggeräumt. Die Oder ist hier ziemlich gerade, ihr Verlauf in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts künstlich angelegt.
Auf der polnischen Seite sind immer noch bewaldete Steilhänge unser Blickfang, bald sehen wir rechts den Ort Ognica. Dort zweigt links die Schwedter Querfahrt ab, und wenn wir Schwedt zum Übernachten nutzen wollen (zwei Wasserwanderrastplätze, auf dem einen auch feste Unterkünfte möglich), essen gehen oder unsere Vorräte auffrischen wollen, werden wir uns jetzt nach links wenden. Die Querfahrt ist der eigentliche Oderarm, bevor die Stromoder in ihrer heutigen Form mittels diverser Durchstiche geschaffen wurde. Sie fließt nicht, sondern steht, hat den Charakter eines Sees mit sehr klarem Wasser und natürlichen Ufern. Sehr viele Fische haben hier ihr Zuhause.
Die Schwedter Querfahrt ist etwa 3,5 Kilometer lang und hat eine Schleuse zur Westoder (HoFriWa), der Wasserstandsunterschied beträgt etwa 10 - 20cm! Bis zu den Schwedter Übernachtungsmöglichkeiten kommen noch einmal 3-4 Kilometer hinzu, so daß wir schon eine deutliche Verlängerung einplanen müssen, aber es lohnt sich. An der Stromoder selbst bietet sich keine entsprechende Möglichkeit zum Zelten oder Einkaufen, so daß wir auf Schwedt angewiesen sein werden.
Schwedter Querfahrt bis Gryfino nach oben
Zurück von unserem Abstecher nach Schwedt wieder auf der "Ostoder", sind wir bei weiter abnehmender
Strömung bald auf der Höhe von Widuchowa (Polen), wo es sogar eine
öffentliche Einsetzstelle gibt. Links erscheint ein Polder-Einlaßbauwerk, hier werden im Herbst die Tore geöffnet, damit eventuell
anfallendes Hochwasser ungehindert in die Polder fließen kann und somit
für die Bewohner umliegender Ortschaften unschädlich gemacht wird.
Bei km 704 sehen wir links das Marienhofer Wehr: hier befindet sich eine Querverbindung zur Westoder, die uns nach Friedrichsthal oder Gartz führen würde. Noch vor kurzem konnte man hier nicht durchpaddeln, da genau hier die Grenze von der Ostodermitte hin zur Westodermitte verspringt.Jetzt ist es meist geöffnet, sollte es einmal geschlossen sein, läßt es sich am linken Ufer leicht auf kurzem Weg umtragen.
Paddeln wir auf der Ostoder weiter, befinden wir uns komplett auf polnischem Gebiet. Auch sind wir nicht mehr im Nationalpark: die polnischen Polder sind ein Landschaftsschutzgebiet, daß jedoch nicht so streng reglementiert ist. Es gibt keinerlei Wassermanagement wie im Nationalpark Unteres Odertal. Im Frühjahr ist hier meist normaler Wasserstand, während die deutschen Polder noch überflutet sind. Die Poldertore sind meist offen, wenn nicht sogar verfallen, meist handelt es sich um alte Schleusen. In den polnischen Poldern ist es genauso wild und üppig wie im Nationalpark Unteres Odertal, als Einzelpaddler kann man sich hier frei bewegen (Orientierung jedoch nur mit Wasserwanderkarten möglich!). Gruppen sollten sich jedoch unbedingt anmelden und führen lassen. Auskünfte und Führung gibt es bei Frauke Bennett, tel. 039746-22891 od. 0172 1979316 (Kanuführerin des Nationalparks und Natur - und Landschaftsführerin). Während man in den Poldern des deutschen Nationalparks sehr gut wandern, Fahrradfahren und sogar Skaten kann, ist dies in den polnischen Poldern nicht möglich: es gibt kein Wegenetzt und keine Beweidung mit Schafen oder Robustrindern.
Bis Gryfino haben wir ab der Marienhofer Querfahrt (das ist der Wasserweg nach Friedrichsthal und Gartz) noch etwa 14km zu paddeln. Die Landschaft
wird etwas eintönig, die Ufer bestehen fast nur noch aus Schilf. Etwas
Abwechslung bietet das nahe Kraftwerk, das Gryfino mit Strom und Wärme
versorgt. Kurz vor Gryfino wird es wieder interessanter, wir kommen an
festen Ufern vorbei, die mit Bäumen bewachsen sind. Wenn wir Glück haben,
bekommen wir Biber zu Gesicht, hier gibt es derer viele. Die polnischen Biber sind dunkler aus die "westlichen", mischen sich aber auch.
In Gryfino (km 718) können wir uns von einem kleinen Strand abholen lassen oder wir paddeln noch etwa 3,5 km nach Westen durch die Polder, um zur Westoder zu gelangen. Dort finden wir das aufgeräumte Örtchen Mescherin, das noch bis vor kurzem ein sehr wichtiger Zollabfertigungspunkt war. Im Alten Zollhaus, Pension mit Restaurant und Cafe fast direkt neben dem Anleger (niedriger Schwimmsteg, Hafen von Mescherin) können wir bequem im Bett schlafen oder uns in der Gastronomie stärken. Außerdem lädt der "Campingplatz Mescherin" zum Zelten ein, er wurde kürzlich modernisiert und bietet auch Schlafplätze in Mietwohnwagen, alles in schöner Natur an der Westoder. Wie können unsere Kanutour dort beenden oder nach Übernachtung in Richtung Stettiner Haff fortsetzen (die Westoder ist von hier an schöner). Wir empfehlen, ein paar Tage zu bleiben, um die schöne Natur drumherum noch ein Weilchen zu genießen. Ausflüge mit dem Kanu in die polnischen Polder haben einen besonderen Reiz!Vom Dachsberg oder Stettiner Berg haben wir einen schönen Rundblick auf die Oderpolder und die Trockenrasen auf den Steilhängen des Odertals.
Oderbruch und Oderpolder nach oben
Der gesamte Oder-Verlauf ab kurz unterhalb Frankfurt bis zur Einmündung ins Haff stellte sich in früheren Zeiten (bis zur Trochenlegung etwa 1765) als Binnendelta dar, wie wir es z.B. auch an der Spree als Spreewald heute noch erleben können. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts legte man bedauerlicherweise große Teile des "Oderbruchs" trocken, um es landwirtschaftlich nutzen zu können. Es gibt jedoch noch Reste der ehemaligen Feuchtgebiete, hauptsächlich auf polnischer Seite und nahe Oderberg und Bralitz, so daß insgesamt für Flora und Fauna noch ein großes Entfaltungsgebiet vorhanden ist. Es sind also entsprechende Naturerlebnisse möglich, wenn wir uns Zeit lassen und für das Geschehen um uns herum offen sind.
Wenn wir die Gewässerkarte betrachten, finden wir diese Reste etwa ab Oderberg, wo noch eine "Alte Oder" von respektablen Ausmaßen die heutige Stromoder trifft, von Wriezen kommend. Das Sumpfgebiet um den Oderberger See läßt erahnen, daß es hier trotz aller Anstrengungen nicht gelungen ist, alles trocken zu legen. Daher können wir uns heute noch an dem "Niederoderbruch" erfreuen, der als einziger größerer Rest des Oderbruchs als Feuchtgebiet und daher Rückzugsgebiet für die Natur auf der Westseite übriggeblieben ist.
Ein anderes Relikt aus der Zeit, wo Menschen versucht haben, die Natur zu bezwingen, sind die Oderpolder, die sich von Hohensaaten an bis nach Stettin erstrecken und zwischen zwei großen Strömen liegen: der Ostoder und der Westoder. Wir werden natürlich im Verlauf unserer Beschreibung auf Details und Hintergründe näher eingehen. Wir sehen die gesamte Trockenlegung und "Polderisierung" als einen Beweis der Wahnidee an, man könne die Natur so verbiegen und seinen eigenen Bedürfnissen anpassen, wie man es gerade wünscht. Zukünftige Hochwasserereignisse werden es den Menschen möglicherweise zeigen, daß alles umsonst gewesen ist. Schon eine Überflutung, die 30% über der "Jahrhundertflut" von 1997 liegen würde, setzt das gesamte Oderbruch unter Wasser. Passiert dies öfter, was nicht ausgeschlossen ist, wäre das Oderbruch in seiner jetzigen Form nicht mehr bewohn- und bewirtschaftbar.
Die deutschen Oderpolder sind zum Nationalpark Unteres Odertal geworden, der Besuch mit dem Kanu ist dort streng reglementiert. Wir dürfen nur in der Zeit zwischen 15.7. und 31.10 dort paddeln, und das auch nur auf ganz bestimmten Routen und mit einer lizensierten Führung und mit Anmeldung. Frau Bennett steht Ihnen hier als sachkundige und vom Nationalparkamt zertifizierte Kanuführerin für Auskünfte und Führungen zur Verfügung, tel. 039746-22891 und mobil 0172-1979316
Die deutschen Polder sind von der Stromoder durch Wehre abgetrennt. Diese werden im Notfall auch im Sommer geöffnet, wenn extremes Hochwasser im Anmarsch sein sollte. Regulär öffnet man sie Ende November für Wassereinlauf und schließt dann merkwürdigerweise die Regelbauwerke, wenn die Polder voll sind. Wenn dann das Oderwasser schon längst wieder auf normalem Pegel ist, sind die Polder immer noch voll und werden erst im späten Frühjahr abgelassen. Warum man das so macht, wird vom Nationalpark nicht erklärt. Unsere Erklärung ist folgende: Man hat das gesamte Poldergebiet ursprünglich als Wasserreservoir für die Oder gedacht, also damit man es bis in den trockenen Sommer hinein speichern kann, um der Schifffahrt Zuschußwasser geben zu können, als Talsperre sozusagen. Das man es überhaupt abläßt, ist ein Zugeständnis der Wasserbauer an den Nationalpark. Wer hier mehr und bessere Informationen besitzt, möge sie uns bitte mitteilen.
Wir fänden es jedenfalls "normaler", wenn das Wasser der Oder frei in die Überflutungsgebiete hinein - und herausströmen kann. Bau - und Regelwut ist hier fehl am Platze. In den polnischen Gebieten zwischen der West - und Ostoder funktioniert das jedenfalls völlig problemlos.
Im späten Hochsommer kann es schon mal sein, daß viele Polderarme mit Schwimmfarn und Tausendblatt sowie verschiedenen See- und Teichrosen völlig zugewuchern. Es kann vorkommen, daß bei vorheriger Besichtigung noch alles offen war, eine Woche später jedoch eine Befahrung mit dem Kanu nicht mehr möglich ist. Auch der Wasserstand hat hier seine Einflüsse. Je mehr Wasser im Sommer angefallen ist, umso wahrscheinlicher ist eine Befahrung möglich. Im Zweifel befrage man immer Ortskundige, siehe Oben.
Stettin und Police nach oben
Für manche ist es sicher reizvoll, die Oder (Westoder oder Ostoder) noch weiter bis Stettin oder bis ins Stettiner Haff zu paddeln. Immerhin sind auf diese Weise auch die Uecker, die Peene, Usedom und Rügen zu erreichen. Auch die Polder zwischen den beiden Hauptoderläufen vor Stettin sind es wert, mit dem Kanu erkundet zu werden. Für welchen Oderarm man sich auch ab Gryfino entscheiden mag, man landet bei beiden in der Innenstadt von Stettin. Dabei paddeln wir bis kurz vor den Industriehäfen von Stettin durch pralle Natur, wo es sogar Fischotter gibt.
In Stettin selbst können wir direkt vor dem Hauptbahnhof vorbei paddeln, unser Blick schweift über die Hafenterrassen, wo sehr dynamisches Stadtleben pulsiert. Die Wasserqualität war im Sommer 2008 nicht besonders gut, teilweise roch es sogar etwas unangenehm, sogar dort, wo die Kreuzfahrtschiffe anzulegen pflegen. Stettin wäre gut beraten, sein Müllproblem in den Griff zu bekommen.
An dem kleinen Kanal "Zielony" ist es möglich, an Land zu gehen (siehe Einsetzstellen). Wer mit einem Faltboot unterwegs ist, könnte seine Kanutour hier beenden: der Hauptbahnhof ist nur etwa 1,3 Kilometer entfernt. Falls man mit dem Auto hier ankommt, kann man gut parken.
Es führen eine weitere Anzahl von Oderarmen durch diverse Häfen, alle führen jedoch am Ende zu einem Hauptarm, der uns aus Stettin herausbringt. In Goclaw liegt die Marina Goclaw, hier wird auch deutsch gesprochen, manche Hamburger Yachten machen hier regelmäßig Station. Generell sind auf dieser Strecke die Ostufer wild und natürlich, während die Westufer oft Ortschaften und Industrieansiedlungen aufweisen. Das zieht sich bis Police hin und noch an Police vorbei, bis wir an der großen Hafenanlage von Police ankommen (Porto Morskie), die direkt vor der Einmündung der Oder in das Stettiner Haff liegt und an dem Kohle und Gase in riesigen Mengen umgeladen oder verladen werden. Eine letzte große Industrieanlage liegt in der Nähe, seine Chemiegase werden per Pipeline zu den Schiffen befördert.
Wir können direkt links vor dem Hafen mehrere Türme nahe einer Badestelle erkennen, dort mündet die Larpia. Durch die Larpia ist es leicht, bis in die Innenstadt von Police hineinzupaddeln und dort an seichten Ufern aussetzen. Der Bahnhof ist ca. 650m entfernt, den Aussetzpunkt erkennt man daran, daß eine Brücke die Straße "Golemiowska" über die Larpia führt. Auch mit Trailern wäre das Abholen hier möglich.
Wer nicht nach Police abbiegen, sondern auf der Oder weiterpaddeln möchte, ist nach etwa 5km im Stettiner Haff, das anfangs noch etwas schmal ist, dann jedoch schnell an Breite gewinnt. Bis Ueckermünde wären es von hier aus noch etwa 70 Kilometer. Anfänglich paddeln wir noch an imposanten Abraumhalden der Chemiefabriken vorbei, dann gibt es natürliche Ufer mit viel Schilf und einigen kleinen Stränden. In Trzebiez treffen wir einen Hafen, dort empfiehlt es sich, im Hotel zu übernachten. Man spricht ein wenig deutsch. Die Polnisch-Deutsche Grenze trifft man dann wieder bei Altwarp und Novo-Warpo am Ausgang des Neuwarper Sees, einem Nebengewässers des Stettiner Haffs. In diesem flachen See befindet sich der Riether Werder, eine Insel, die zu umrunden es sich besonders lohnt: in gebührendem Abstand paddeln wir um das Naturschutzgebiet herum, beobachten mit dem Fernglas die vielen Greifvögel (Seeadler und Weihen ganz besonders), die hier auf Beutefang gehen. Viele Möwen, Seschwalben, Trauerseeschwalben, Gänsesäger und Tafelenten brüten hier ihren Nachwuchs aus und bieten den Greifen eine gute Nahrungsgrundlage.
Bis Ueckermünde hätten wir jetzt noch etwa 17km weiter zu paddeln.Dort locken verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten und man kann auch die Ücker bis Pasewalk hinauf mit dem Kanu paddeln.
Gewässerkarten für die Oder-Region nach oben
Bei der Tourenplanung sind wir u.a. auf drei sehr wichtige Dinge angewiesen: eine aktuelle, detailgetreue Gewässerkarte, gute Wettervoraussagen sowie die aktuellen Wasserstandsmeldungen. Ohne Gewässerkarte würden wir sehr schnell die Orientierung verlieren. Wie wollen wir unsere Strecke einteilen? Auch wenn wir uns von der Stromoder entfernen, z.B. um eine Übernachtung an der Westoder anzusteuern oder interessante Nebengewässer zu erkunden, sind wir auf sehr gutes Kartenmaterial angewiesen. Ebenso ist die Kilometrierung sehr wichtig, und man sollte rechtzeitig wissen, wann man sich im Nationalpark Unteres Odertal befindet. Wir empfehlen den Tourenatlas TA5 für alle Details sowie zur Übersicht die Wasserwanderkarte WW6.

