Gewässerbeschreibung Uecker

Letzte Änderung: 8. Juli 2014

Kanufahren auf der Uecker nach oben

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Die Uecker, in Brandenburg Ucker genannt, entwässert über die beiden Seen Oberuckersee und Unteruckersee eine hügelige, kleinteilige Landschaft, die zum Biosphärenreservat Schorfheide-Corin gehört und viele kleinere Feuchtgebiete und Seen beheimatet. Die beiden größeren Seen verbindet sie als Ucker-Kanal in einer einsamen Sumpflandschaft, die nur durch eine Brücke zwischen den kleinen Dörfern Potzlow und Seehausen überbrückt wird. Strömung gibt es hier im Sommer kaum, aber viele Wasservögel und Frösche. Auch der Fischadler gibt sich hier ein Stelldichein. Unterhalb von Prenzlau (ab da in Mecklenburg-Vorpommern) bis ein paar Kilometer unterhalb Pasewalk herrscht die Zivilisation, meist Landwirtschaft bis ans Ufer vor, danach beginnt eine stille, artenreiche Landschaft. Sumpfwald, Nadel- und Mischwälder und Wiesen wechseln sich ab, und das militärische Sperrgebiet auf der Ostseite sorgt für weitere Unzugänglichkeit. Ab hier gibt es sogar Biber und andere wasserliebende Tiere in reicher Vielfalt. Paddelt man die Randow, was für etwa 6 Kilometer möglich ist, steigert sich das Naturerlebnis noch, es wird beinahe wild. Man kann die Uecker (wie die Randow) gut bis Pasewalk aufwärts paddeln, die Strömung ist hier eher schwach. Ab Eggesin gibt es Motorbootsverkehr und ab Ueckermünde sogar Schiffe. Die Ausfahrt ins Stettiner Haff öffnet einen weiten Blick auf ein imposantes Binnengewässer, das saubere Strände und klares Wasser bietet. Eine Weiterfahrt auf dem Stettiner Haff bis zur Peene und Oder ist mit einem geeigneten (geschlossenen) Kanu möglich, bei geeignetem Wetter auch in stabilen Canadiern.

Oberuckersee nach oben

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Wir können es uns aussuchen: einsetzen ist sowohl an der Badestelle Schifferhof an der Südspitze des Oberuckersees möglich als auch ein paar Kilometer weiter nördlich in Warnitz. Vielleicht fährt man am besten mit der Eisenbahn oder dem Auto bis Warnitz und übernachtet dort auf dem Campingplatz, bevor man erst einmal zu einer Seerundfahrt startet. Der Oberuckersee ist sehr zerklüftet und kleinteilig, hat abwechslungsreiche Ufer und gegenüber Warnitz eine Insel mit einer Wallanlage aus den Frühzeiten der menschlichen Versuche, seine Ruhe vor Feinden aller Art zu haben. Am See liegen noch die Orte Fergitz im Westen und Seehausen im Norden. Dort beginnt auch das größere Sumpfgebiet, das den Oberuckersee mit dem Unteruckersee verbindet und das Wasserfahrzeuge durch den schmalen Uckerkanal passieren können.

Ucker-Kanal nach oben

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Der Uckerkanal "fließt" durch das Sumpfgebiet zwischen den beiden Seen, eine Brücke gewährleistet die Verbindung zwischen den Orten Potzlow /Strehlow und Seehausen. Fast mittig dieses romantischen Kanals treffen wir auf den Möllensee, von da an sind es weniger Auengehölze als vielmehr Schilfbestände, durch die wir unseren Weg finden müssen. Die ganze Szenerie strahlt bei schönem Wetter sehr viel Ruhe aus, und viele Graureiher, ein paar Schwäne und mitunter auch der Fischadler sowie Stockenten und Haubentaucher beleben das Gewässer und die Landschaft. Im Wasser wimmelt es von Fischen, die größeren springen ab und zu durch die Wasseroberfläche, ob nun vor Freude oder auf der Flucht vor Fressfeinden. Störche sind hier ebenfalls keine Seltenheit. Der südliche Teil liegt auch einigermaßen windgeschützt, so daß wir Kräfte sammeln können, um die kommenden 7 Kilometer auf dem Unteruckersee zu paddeln. Sollten wir das Ausflugsschiff treffen, ist genügend Platz für beide.

Unteruckersee nach oben

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Der Unteruckersee ist 7 Kilometer lang und durchschnittlich 2,6 Kilometer breit. Er ist nicht so zerklüftet wie der Oberuckersee. An seiner Ostseite führt die Bahntrasse entlang sowie ein Wirtschaftsweg. Am linken Ufer liegt an einer kleinen versteckten Badestelle ein Wasserwanderrastplatz, die ehemalige "Berlin-Usedom-Box", was auf den gleichnamigen Fahrradweg anspielt. Die Orte Seelübbe und Dreyershof liegen etwas abseits, so wie auch die B198. Im Westen haben die Orte Zollchow und Röpersdorf direkten Seezugang. Kaum ist man auf den See gepaddelt, sieht man im Norden schon die großen Kirchtürme von Prenzlau.

Bei Wind sollte man nur in Ufernähe paddeln, da dieser See recht ordentliche Wellen aufwerfen kann. Das rechte Ufer ist zunächst etwas mit Sumpfwald bewachsen, links finden wir zur Hauptsache Schilfufer vor, ab und zu ein paar Bäume. Nach 4 Kilometer liegt rechts schon Prenzlau, dort sind mehrere Wassersportvereine sowie das Seebad beheimatet sowie das Uckerstadion. Hier ist auch das "Adventurecamp Solaris" zu finden, wo man Kanus und allerlei Wassersportgeräte mieten kann.

Eine Uferpromenade erschließt diesen Teil der Stadt, vom Wasser sieht man aber nur hohe Bäume und dichten Uferbewuchs. Die alten Wehr- und Kirchtürme dominieren den Horizont. Wir müssen uns links halten, um den Ausfluss der Ucker aus dem See finden zu können und orientieren uns an zwei Türmchen an klassizistischen Gebäuden nahe dem Wehr.

Prenzlau nach oben

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Links neben einer grünen Stahlspundwand setzen wir am flachen Ufer aus und befestigen unseren Bootswagen. Diese Stelle eignet sich auch gut als Einsetzstelle, wenn die Seen von Prenzlau aus erkundet werden sollen, wofür es mitunter gute Gründe gibt. Aber wo können wir nun unterhalb des Wehres wieder einsetzen? Bei gutem Wasserstand ist nur eine Strecke von kaum 50 Metern umzutragen, dann könnten wir direkt am Wehr über eine Rampe aus Holz wieder in die Ucker einsetzen. Wenn die Behörden jedoch meinen, Wasser aus dem See sparen zu müssen, kann man von hier aus nicht weiterpaddeln, da kaum 10 Zentimeter Wasser im "Fluss" stehen.

Auch die nächsten Einsetzmöglichkeiten, die mit Bootswagen zu erreichen sind, also bei der "Mühlenpforte" und dem Kleingarten Bullenwiese lassen ein Einsetzen nicht zu. Treideln kann ebenfalls unmöglich sein, da bisweilen mit Müll und sumpfigen Stellen zu rechnen ist. Was also tun? Es bleibt nur, den Wasserwanderrastplatz anzufahren und erst dort, an der Einmündung des Flüsschens Quillow, wieder in die Ucker einzusetzen. Ohne Auto ist es kaum zu schaffen, man müßte mit dem Bootswagen ganz durch die Innenstadt, da man hinter der Bullenwiese nicht mehr am Fluss weiterkommt.

Der Weg: östlich des Wehrs in die kurze Freyschmidtstraße, dann rechts in die Winterfeldstraße, diese zu Ende, dann links in die Triftstraße über 1km, bis ein kleines Schild "Wasserwanderrastplatz" erscheint, wo man links in einen Feldweg einzubiegen hat. Der führt über einen Bahndamm, dann sind es noch 200 Meter bis zum Fluss. Dort kann man einigermaßen bequem (je nach Wasserstandshöhe) am Holzsteg einsetzen.

Quillow-Einmündung und Wasserwanderrastplatz nach oben

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Der Quillow bringt nach dem Zusammenfluss mit dem Flüßchen "Strom" genug Wasser, so daß hier sogar gute Strömung herrscht. Ganz genau genommen ist es der "Strom", der das Wasser bringt, und noch genauer genommen, ist der Strom eigentlich der Ursprungsfluss der Ucker. Tatsächlich gab es früher bei Mühlhof eine Einsetzstelle, so daß man hier die Tour auf der Ucker beginnen konnte.

Jetzt hat man also für sehr viel Geld das Wehr am Unteruckersee modernisiert, ist jedoch auf halbem Weg stehengeblieben: die Verpflichtung, eine Durchgängigkeit für laichende Fische schaffen zu müssen, hat man nicht erfüllt. Der Fisch kann natürlich auch nur da wandern, wo im Fluss selbst ein ausreichender Wasserstand gehalten wird. Hier ist einiges zu verbessern: man müßte einfach ein paar Holzschwellen als überlaufende Staustufen einbauen, die die Fische überspringen und die Paddler überheben können. Das können ein paar Arbeiter ohne Maschinen in ein paar Tagen erledigen, die Steine müßten dann eben auch noch ein wenig beiseite gerollt werden. Mehr braucht es nicht. Eine komfortablere Lösung wäre ein Borstenfischpaß, der für Fische völlig freien Durchgang in beiden Richtungen bedeutet und für Paddler komfortables Abwärtsfahren. Wir hoffen auf praktikable Lösungen.

Der Wasserwanderrastplatz selbst ist eher ein Biwakplatz, außer einem Trockenklo und einem überdachten Sitzplatz dürfen wir keinen Komfort erwarten. Dafür haben wir aber wirklich pralle Natur um uns herum.

Prenzlau bis Wehr Nieden nach oben

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Nach dem Einsetzen oder Weiterpaddeln beim Wasserwanderrastplatz Prenzlau genießen wir zunächst einen knappen Kilometer Gefällestrecke, ein paar Steine gibt es auch sowie bei Niedrigwasser den einen oder anderen kleinen Schwall. Kurz vor Flusskilometer 13, nahe dem kleinen Ort Bandelow, befindet sich am linken Ufer eine Krautentnahmestelle. Falls wir eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, können wir uns hier samt Kanu vom nahe gelegenen Landhaus Mandelkow abholen lassen um in einem der Ferienzimmer zu übernachten. Unter der 2. Eisenbahnbrücke, etwa bei Kilometer 14,5 (ja, es gibt tatsächlich einige sichtbare Kilometerschilder!) rauscht es schon kräftiger, hier heißt es sehr aufpassen: ganz links kurvt man durch, rechts versperren Steine fast 2/3 der Flussbreite. Abwärts liegen ebenfalls immer wieder Steine. Es ist hier fast ein Geländedurchbruch, und dieser Abschnitt stellt auf dieser Teilstrecke das schönste Stück dar.

Ansonsten paddeln wir teilweise über einen schmalen, tief ins Gelände eingeschnittenen Fluss, der mal 1000 Meter geradeaus, mal in vielen Windungen durch überwiegend landwirtschaftlich geprägtes Gelände fließt. Viel Raum hat die Landwirtschaft der Natur hier nicht gelassen. Bei Kilometer 15 etwa liegt die Grenze zu Vorpommern: ab hier heißt der Fluss "Uecker". Hier sehen wir rechts einen hafenartigen Stichkanal, an dessen Ende mehrere Rohre einmünden. Hier war einmal die Wasserentnahmestelle einer überregionalen Bewässerungsanlage.

Jetzt kommt das nächste Wehr in Sicht, unsere Gewässerkarte Tourenatlas TA6 sagt uns, daß wir rechts umtragen müssen. An einer Betonschrägen (eine Art Slipanlage) können wir aussetzen, sie ist zum Glück mit Pflanzen überwuchert. Daneben ist auch eine Krautentnahmestelle eingerichtet worden. Der Umtrageweg ist nur kurz, wenn wir ein paar kräftige Zweige finden, können wir unser Kanu über die betonierten Wegteile rutschen lassen und müssen nicht ausladen. An einer weiteren Betonrampe mit viel Bewuchs setzen wir wieder ein.

Wehr Nieden bis Pasewalk nach oben

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Nach dem Einsetzen sehen wir die Straßenbrücke von Nieden - Nechlin, an schilfbewachsenen Ufern schlängelt sich die Uecker, hier wieder nur sehr schmal, an Schmarsow vorbei. Davon sehen wir jedoch nichts, da die Ufer hier wieder sehr hoch sind. Ab und zu gibt es ein paar Büsche. In der Nähe führt immer mal dichter, mal weiter entfernt, die Bahnstrecke, auf der wir alle halbe Stunde einen Zug vorbeirauschen hören. Sonst ist es ziemlich still, bis wir die Brücke der A20 erreicht haben: diese Brücke überspannt das gesamte Tal auf wohl einem Kilometer, und die Konstruktion ist erstaunlich schalldämmend gelungen.

Das ganze stört kaum, nur aussetzen wie bei anderen A20 - Brücken können wir hier nicht, dafür sind die Ufer zu hoch und zu steil. Mal schmal, mal etwas breiter fließt die Uecker nun auf die Steinwurf-Sohlschwelle Papendorf zu, wo es den Planern und Ausführenden gelungen ist, eine paddelbare Bootsgasse zu bauen: bei mittlerem Wasser ist es gut möglich, ohne Steinberührung mit viel Schwung hinunter zu paddeln, nur bei Niedrigwasser sollte man treideln oder umtragen.

Achtung aktuell 2014: ab Sohlgleite Papendorf werden Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Das Umtragen zum fortführenden Fluss ist möglich, aber schwierig. Der neue Flussarm soll aber wasserbar sein. (Danke für diese Info an unseren freundlichen Leser aus München!)

Bald kommen die ersten Zeichen der Zivilisation von Pasewalk in Sicht, eine Viertelstunde später sind wir am neuen Wasserwanderrastplatz angekommen.

Pasewalk nach oben

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Wir erreichen den Wasserwanderrastplatz kurz hinter den beiden neuen Brücken, er ist am neuen Info-Zentrum der Stadt Pasewalk untergebracht. Hier können wir zelten, WC und Duschen sind vorhanden. Von Mai bis Oktober ist der WWR täglich besetzt: Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa & So 9-17 Uhr. Größere Gruppen sollten sich anmelden unter tel. 03973-251 232 oder 0160 - 189 27 26. Hier gibt es auch viele Infos zur Stadt. In direkter Nachbarschaft zum Wasserwanderrastplatz liegt der "KunstgARTen Stettiner Haff", in dem jährlich neue Kunst mit Pflanzen durch internationale Künstler geschaffen wird. Die Innenstadt mit Bäckereien, Fleischerei und Supermärkten ist nur ca. 500m entfernt.

Wer seine Blicke zur Abwechslung mal wieder in die Ferne schweifen lassen möchte, kann den alles überragenden Turm der Marienkirche ersteigen und erfährt dabei auch noch einiges über den Einsturz und Wiederaufbau des frühmittelalterlichen Wahrzeichens der Stadt.

Möchte man den Wasserwanderrastplatz als Einsetzstelle nutzen, fährt man ihn über die Bahnhofstraße / Ueckerstraße / Klosterstraße oder Marktstraße / Klosterstraße an. Ein kleines Stück weiter müssen wir rechts an einer Holzpfahlreihe aussetzen, um das erste Wehr zu umtragen. Dafür schleppen wir unser Kanu wenige Meter, bis wir es unterhalb des Wehres ebenfalls an einer Pfahlreihe rechts wieder in die Uecker einsetzen. 200 Meter weiter passieren wir die Brücke der Bahnhofstraße in Pasewalk. Rechts fließt das Wasser durch einen Schwall, links staut es sich (bei Mittelwasser) an einer Steinwurfkante. Entweder können wir unser Boot hier leicht überheben oder wir paddeln durch den Schwall, was bei niedrigen Wasserständen mehr oder weniger steinig werden kann. Damit haben wir den letzten steinigen Abschnitt der Uecker hinter uns.

Nach 300m setzen wir links vor dem neu restaurierten Wehr an einem Schwimmsteg aus oder steigen einfach mal aus, um die folgende Bootsgasse in Augenschein nehmen zu können. Bei mittleren Wasserständen können wir hier durchpaddeln, allerdings haben wir an beiden Seiten Beton. Handschuhe sind zu empfehlen. Man kann aber auch leicht treideln, unten gibt es auch wieder einen Schwimmsteg. Wer möchte, kann hier aussteigen und im nahen Lokschuppen, dem Pasewalker Kultur- und Veranstaltungszentrum komfortabel im Schlafwagen übernachten. Auch lohnt sich sehr, die Eisenbahnausstellung mit historischen Fahrzeugen, Dampfloks und Arbeitsmaschinen zu besichtigen oder die Gastronomie in Anspruch zu nehmen. Von der Innenstadt Pasewalks sind wir auch hier nicht weit entfernt, etwa zum Einkaufen oder um die alten Stadtbefestigungen aus der Schwedenzeit zu besichtigen.

Von Pasewalk bis Torgelow nach oben

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Wir paddeln unterhalb des Wehres zwar auf einem zunächst breiten, geraden Fluss, die Ufer sind jedoch nicht erdrückend hoch. Die Bodenbeschaffenheit hat sich geändert: hatten wir vorher eher Lehmbodenumgebung mit Ackerbau, Wiesen nur ausnahmsweise, herrschen nun die sandigen und moorigen Böden der "Ueckermünder Heide" vor, einem ausgedehnten, ca. 1.000 km² großen Waldgebiet, das sich von hier nördlich bis zum Stettiner Haff und östlich in Polen als "Puszcza Wkrzanska" bis an die Oder erstreckt. Es gibt also nur noch Wiesen und Wald an den Ufern, vor Torgelow kommen die Auenwälder und Sumpfgebiete hinzu. Am Wehr Bauerort knapp 4 Kilometer unterhalb Pasewalk können wir ebenso wie beim letzten verfahren; entweder am Schwimmsteg aussetzen und umtragen oder durch die Bootsgasse paddeln oder treideln. Zwei rote Strichmarkierungen am Pegel geben darüber Auskunft, ob mit Grundberührungen zu rechnen ist oder nicht. Eine Krautentnamestelle ist hier auch entstanden. Der Wald rechts und links ist ein paar hundert Meter entfernt, bildet aber eine freundliche Kulisse und vermittelt Geborgenheit. Links etwas abseits liegt das kleine Dorf Liepe.

Nach diesem Wehr rücken die Wälder näher heran, und 3,5 km später rauscht es wieder: das neu errichtete Wehr Stallberg ist aus einer großen Menge regionaltypischer Feldsteine für den Aufstieg von Forellen und anderen Wasserlebewesen optimal hergerichtet worden. Man hat auch eine Rinne konstruiert, die man wohl für eine Art "Bootsgasse" hält: links eine Reihe von sehr groben Granitsteinen, die alle wohl 200 - 300kg schwer sind und so rund, daß sie bei hohen Wasserständen ganz gefährlich große Lücken lassen, durch die man glatt in die Fischtreppe gespült werden kann, wenn man nicht sehr aufpaßt. Uferseitig hat man sehr viele scharfkantige Steine mit etwas Beton verbunden und auch das Grundbett besteht aus solchem Material. Wenn man durchpaddeln würde, z.B. bei höheren Wasserständen, würde man am Ende genau auf einen soliden Pegel mit anderem Verbau in Nachbarschaft zurasen, müßte also eine rasante Kurve paddeln, um genau das zu vermeiden. Das ist was für Stuntleute. Treidelt man die Rinne, wird man gleichsam eine Menge Material am Boot verlieren, den scharfkantigen Steinen sei Dank. Also setzt man rechts aus und trägt 70 Meter um bzw. schleift das nasse Kanu durch das Gras. Das Einsetzen wird wieder zum Materialtest: kleine scharfe Steine trachten danach, die Bootshaut zu ritzen. Woher das Holz zum Slippen nehmen, der Wald ist gerade hier ein paar hundert Meter entfernt. Bei sehr viel Wasser würden wir uns wohl für das Befahren der Fischtreppe selbst entscheiden aber das muß jeder selbst wissen.

Zwei Kilometer weiter paddeln wir unter der Brücke von Klein Kuhlmorgen hindurch, ein Dorf, das genau neben dem Truppenübungsplatz angesiedelt ist. Ab hier ändert sich der Charakter der Umgebung: Sumpfwald und Kiefernwald direkt an der Uecker, und Biberfraß und Bibergleiten künden von der Anwesenheit dieser putzigen Großnager. Um uns herum herrscht sehr üppige Natur, bis Torgelow heran gibt es kaum eine Wiese. Bald sehen wir am linken Ufer ein paar merkwürdige Gebäude und zwei Boote, die uns in eine andere Zeit versetzen: das Ukranenland taucht auf, eine Stätte, wo man slawisches Handwerk nachempfindet, Hausbau, Bootsbau und die Anfertigung von Gerätschaften aller Art sowie mittelalterlicher Bekleidung mittels alter Techniken.

Torgelow bis Eggesin nach oben

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In diesem Ort treffen wir rechts hinter einer Holzbrücke die Kanustation der Torgelower Paddlergilde. Es gibt einige gastronomische Einrichtungen an der Uecker, und dort, wo der Fluss sich gabelt, sollten wir links paddeln: rechts geht es zum Wehr, dort ist das Umtragen sehr beschwerlich. Links können wir am Wasserwanderrastplatz aussetzen, um unser Kanu neben der ehemaligen Schleuse umzutragen. Der Weg ist etwa 400m lang und führt am Restaurant vorbei. An einem Schwimmponton unterhalb der Fischtreppe setzen wir wieder ein.

Es bleibt in der Folge bei Wald- und Sumpfwaldumgebung, die sehr romantisch wirkt und der Natur viel Raum für ihre Entfaltung läßt. Ab und zu kann uns ein Motorboot begegnen, aber man fährt hier langsam. Auf einem breiten Fluss mit urwaldähnlicher Umgebung paddeln wir an vielen angeknabberten Bäumen und Bibergleiten vorbei, im Frühjahr singen Pirol und Sprosser (eine Unterart der Nachtigall). Man ahnt, daß es hier noch viel mehr zu sehen gäbe, wenn wir gerade nicht anwesend wären und die Tiere keine Furcht hätten. Sehr viele Fische springen, Schwäne und verschiedene Enten haben hier ebenfalls ihr Zuhause. Einige kleine versumpfte Nebengewässer bereichern die Uferlandschaften.

Von rechts fließt jetzt bald die Randow hinzu, an der die Stadt Eggesin liegt. Wir fahren sie einen Kilometer hinauf, die Strömung ist hier wie auch auf der unteren Uecker fast null. Am Wasserwanderrastplatz -Hafen Eggesin- finden wir auf einer Halbinsel einen klug gebauten Steg, an dem wir auch Kajak gerecht anlegen können. Hier können wir zelten, es gibt Duschen und WC. Die Stadt ist nahe, obwohl wir sie nicht sehen können. Es gibt einen Netto-Supermarkt in der nahen Waldstraße, etwa 1100 Meter entfernt.

Von Eggesin bis Ueckermünde nach oben

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Zurück vom Wasserwanderrastplatz Eggesin in der Uecker paddeln wir jetzt nur noch durch Wildnis: die Altarme der Uecker wurden belassen, dazu kommen manche Torfstiche und Kanälchen, die Raum für eine unüberschaubare Wildnis an Sumpfpflanzen und Auenwaldgehölzen abgeben. Das gilt für eine Strecke von immerhin 6,5 Kilometer, bis Ueckermünde vehement das Szenario ändert: direkt hinter der Straßenbrücke liegt der Hafen, vom kleinsten Boot bis zum Haffkreuzer gibt es jede Größe, die hier überhaupt verkehren kann. Immerhin haben wir ab hier 4 Meter Wassertiefe. Es gibt eine lebendige, saubere Stadt mit hübschen, liebevoll gepflegten Gebäuden, kleine Läden und Kneipen. Auf einem alten Schiff kann man Fisch-Schnellspeisen erstehen, und links hinter der Bootswerft liegt der abgesenkte Einstieg für Kanus, wenn man hier einsezten möchte. Parken kann man hier auch. Den Hafen durchpaddeln wir mehr als einen Kilometer, dann kommt wieder etwas Natur, bevor es auf das Haff hinaus geht. Rechts liegt der neue Hafen, der sich "Lagunenstadt Ueckermünde" nennt und sehr viele Yachtliegeplätze kombiniert mit Ferienwohnungen unterhält. Jetzt paddeln wir ein wenig ins Haff hinaus, wenn es der Wind zuläßt. Dafür müssen wir durch einen kurzen Kanal, dessen Ufer aus hohen Spundwänden bestehen. Bei Schiffsverkehr und/oder Wind kann es hier schon mal ziemlich rau werden, entprechende Vorsicht ist geboten. Ein Gefühl der Weite überkommt uns zwangsläufig auf dem Stettiner Haff, und wo sich links ein breiter Schilfgürtel anschließt, sehen wir auf der östlichen Seite einen schönen Sandstrand.