Gewässerbeschreibung Untere Havel

Letzte Änderung: 2. April 2014

Kanufahren auf der Unteren Havel nach oben

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Wir beschreiben die Untere Havel in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt: ab dem Spandauer See, km 0 ist allerdings erst an der Spandauer Schleuse (nahe der Zitadelle).

Die Untere Havel ist eine alte Schiffahrtsstraße, als solche genutzt wird sie allerdings meist nur noch bis Plaue, ab dort nutzt der Frachtverkehr in der Regel den Elbe-Havel-Kanal zur Weiterfahrt.

Ab Plaue tritt fast nur noch Freizeitbootsverkehr auf, die Ufer sind durchweg mit Pflastersteinen befestigt.

Die Untere Havel ist schon ab Spandau ein sehr abwechslungsreicher Fluss: viele Seen, viele Altarme und Flussschleifen sowie viele Inseln bereichern sein Erscheinungsbild. Für den Kanutourismus und das Kanuwandern überhaupt ist die Untere Havel bislang nur wenig erschlossen und es gibt nur wenige Veröffentlichungen, mit denen man konkret etwas anfangen kann. Entsprechend wenig ist sie befahren. Vor allem die Städte haben noch großen Nachholbedarf, was Einsetzstellen etc. betrifft. Für diese scheint es nur Kanuclubs zu geben, so daß es sich erübrigt, den nicht organisierten Wasserwanderern entsprechende Angebote zu machen. Wir hoffen sehr, daß sich das ändert.

Wir freuen uns sehr, daß dieser Fluss auch wieder über weite Stecken renaturiert werden soll, was bedeutet, daß sandige Ufer entstehen und Altarme wieder angeschlossen werden sollen.

Spandauer See nach oben

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Oberhalb der Spandauer Schleuse liegt der Spandauer See, der durch die Insel "Eiswerder" in 2 Teile geteilt wird.

Zum Einsetzen empfehlen sich manche der Kanuvereine, die sich am kleinen Stichkanal "Havelabzugsgraben" etabliert haben. Hat man hier keine Kontakte oder traut man sich nicht zu fragen, kann oberhalb der Seebrücke nahe einem kleinen Spielplatz eingesetzt werden, siehe den Menüpunkt "Einsetzstellen".

Im Süden des Spandauer Sees liegt die "Zitadelle", westlich daneben führt uns die Untere Havel direkt zur Spandauer Schleuse. Die kleinen Kanäle um die Zitadelle herum kann man nicht paddeln, der westlich gelegene Mühlenarm, der um den Spandauer Markt herumführt, ist ebenfalls nicht praktikabel, da die Mühle nicht umtragen werden kann.

Wenn wir uns nicht schleusen lassen wollen oder die Schleusenzeiten nicht passen, können wir sehr leicht mit der Hilfe einer leichten Gleislore direkt neben der Schleuse umsetzen. 

Wir paddeln unter der Straße "Am Juliusturm" durch und sind kurz vor km0,0 angelangt. Hier mündet die Spree in die Havel (eigentlich müßte es heißen: die Havel in die Spree, denn diese bringt viel mehr Wasser und auch Schiffe).

Es folgen einige Brücken, Altarme und Schiffsanleger (auch für Flusskreuzer), dann paddeln wir bei km 3 unter der schönen Freybrücke hindurch, die "oben" die Bundesstraßen 2 und 5 (Heerstraße) über die Havel führt. Sie ist aus verspielt gestaltetem Stahlfachwerk errichtet worden und erfreut das Auge des Betrachters im Kanu.

Es folgt der Pichelsee mit vielen Yachtanlegern, dann sind wir schon bei km 4, wo die Havel plötzlich ein echter See ist. Rechts liegt noch die "Scharfe Lanke", eine Bucht und links der "Stößensee", beide mit Häfen, Marinas und Werften übersät. Den Stößensee hätten wir auch schon erreichen können, indem wir bei km 2 links in "Kleinen Jürgengraben" und den "Hauptgraben" abgebogen wären.

Wannsee-Havel nach oben

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Ab hier, also der "Seenhavel", ändern sich die Ufereindrücke deutlich. Links von uns liegt der Grunewald, es ist recht hügelig. Das Gelände steigt bis 115 m (Teufelsberg) bzw. 97 m (Havelberg) an. Seit dem Frühjahr 2011 ist auch endlich der Grunewaldturm nach zweijähriger Bauzeit wieder benutzbar, man genieße die tolle Aussicht von weit über hundert Metern (Höhe des  1887 erbauten Grunewaldturmes: 36 m, Höhe der Umgebung 85m über dem Wasserspiegel der Havel).  Wir haben teilweise sandige Strandufer und dann bald auch die hier typischen Pfahlufer. Man hat in gewissem Abstand zum Schilf- oder Sandufer eine Pfahlreihe gesetzt, so daß Ruhezonen entstanden sind. Hier kann sich eine Uferpflanzen- und Tierwelt entfalten, ohne von Motorbootswellen gestört zu werden. Wir finden, daß das eine gute Lösung ist im Vergleich zu den Granitufern andernorts. An den Stränden kann man einsetzen oder pausieren, es gibt einige Parkplätze an der Havelchaussee (siehe Einsetzstellen).

Rechts liegen die Orte Gatow, Hohengatow und Kladow, allesamt Ortsteile von Berlin-Spandau. Auch hier steigt das Gelände stark an, es gibt waldige Abschnitte und Strände. In Gatow befindet sich eine Einsetzstelle an der Badestelle mit guten Parkmöglichkeiten.

Die Havel ist hier eine bei gutem Wetter, an Sonn- und Feiertagen und natürlich in den Ferien eine stark genutzte Wasserfläche: dabei ist fast alles vertreten, was zu schwimmen in der Lage ist: vom Flusskreuzer über Schubverband, von der Segelyacht bis zur Optimistenjolle, Motorbooten in allen Preisklassen sowie natürlich auch einigen Kanus ist hier alles vertreten. Hinzu kommen noch einige Ausflugsschiffe.

Richtig eng kann es auf dem "Großen Wannsee" werden, einer Havelbucht im südlichen Ende des Grunewalds. Hier sind viele Kanuclubs sowie Ruder- und Segelvereine beheimatet, hier liegen die Orte Wannsee und Nikolassee. Wir sind an einigen Inseln und Halbinseln vorbei mit unserem Kanu gepaddelt, am Schluß an der Pfaueninsel, die nicht betreten werden darf (NSG).

Paddeln wir in Kladow rechts weiter, erreichen wir bald den Jungfernsee in Potsdam, dann unter der berühmt-berüchtigten "Glienicker Brücke" hindurch in den "Tiefen See". Dorthin können wir ebenfalls gelangen, indem wir über den Großen Wannsee paddeln, dann von dort aus in folgende Gewässerkette: den Kleinen Wannsee, den Pohlesee, den Stölpchensee, den Griebnitzkanal mit der Einmündung des Teltower Kanals (der Teltowkanal ist nichts für Anfänger wegen der möglichen hohen und langen Schiffswellen quer im Kanal..! Also Vorsicht) in den Griebnitzsee, der ebenfalls in Potsdam in den "Tiefen See" mündet. Bei manchen Windlagen kann es von Vorteil sein, diese Route zu wählen. Die Umgebung ist ganz nett, es gibt durchgängig hohen Baumbewuchs und auch viele Millionärsvillen, deren Grundstücke so aussehen, als hätte ein Gärtner das ganze Jahr eine Vollzeitstelle.

Potsdamer Havel bis Schwielowsee bei Caputh nach oben

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Sind wir in unseren Kanus in Potsdam angelangt, liegt links von uns das Gelände des Babelberger Schlosses. Ab und zu sieht man Türme und Mauern hoch zwischen alten Baumriesen aufragen, am Ufer ist es durchweg natürlich und wir können an manchen Stellen anlanden. Es folgen eine größere offizielle Badestelle, einige Wassersportvereine sowie die Einmündung der Nuthe. Wir paddeln unter einigen Brücken hindurch.

Am Westufer liegt die Innenstadt von Potsdam, einige Gebäude aus der Preußenzeit erstrahlen wieder im alten Glanz. Daneben sehen wir ein über-modernes Kirchengebäude und das Hans-Otto-Theater, das ein wenig wie bei falscher Temperatur gewaschener Oper von Sydney aussieht, dabei aber tiefrot eingefärbt ist (die Potsdamer und der Architekt mögen mir bitte verzeihen). Die Havel wird schmal.

Rechts zweigt dann der Havel-Altarm "Alte Fahrt" ab, links dürfen nur Schiffe fahren, wir müssen rechts paddeln. Ein paar Treppenstufen machen das Ufer niedrig, wer hier die Härte des Ufers nicht scheut, kann für einen Stadtbummel anlegen. Wir empfehlen jedoch zu diesem Zweck einen Ausflug vom Campingplatz aus, auf dem wir übernachten, z.B. Sanssouci am Templiner See.

Am Ende der Alten Fahrt verbreitert sich die Havel wieder, wir paddeln durch einen seeartigen Abschnitt. Während die Schiffe rechts fahren müssen, dürfen wir mit unseren Kanus durch den sehr schmalen Judengraben paddeln. Die kleinen Bäume bilden ein fast dichtes Blätterdach, aber die Freude währt nur kurz: nach etwas mehr als 500 Meter sind wir schon im Templiner See, links von uns liegen wieder einige Wassersportvereine, es folgen zwei Wasserskistrecken. Danach paddeln wir unter der Eisenbahnstrecke hindurch und sind hinter dem langen Damm in der zweiten Hälfte des Templiner Sees. Die Ufer scheinen weitgehend unbebaut zu sein, rechts liegen zwei Campingplätze, der "Sanssouci" und am Ende "Himmelreich". Rechts in den kleinen "Petziensee" dürfen wir getrost hinein paddeln, allerdings nicht wie früher durch den Wentowgraben hinüber in den Schwielowsee, das ist neuerdings verboten (möglicherweise nur wegen der Baustelle 2009).

Werder bis Ketzin nach oben

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Die Potsdamer Havelseen zeigen hier bei Caputh wieder ein schmales Stück Havel, es führt uns unter einer Eisenbahnbrücke hindurch und eine Fähre verbindet Caputh mit Geltow. An der Zufahrt zum Schwielowsee liegt rechts ein Strandbad, wo es auch ein Restaurant gibt, an dem man gut anlegen kann (nur von der Seeseite her).

Der Schwielowsee hat viele flache Stellen, Motorbootfahrer und Segler sollten hier richtige Karten benutzen und sehr gut aufpassen.

Wir paddeln rechts an sumpfigen Ufern vorbei, eine Surfschule wird am Strandbad betrieben. Der Wentowgraben erscheint rechts, die nächsten 2-3 km gibt es wenig Möglichkeiten zum Pausieren. Dann erscheint vorne die Brücke der Bundesstraße 1, die von Geltow-Franzensberg zur ersten der beiden Halbinseln führt, auf der Werder und Petzow liegen. Sie werden durch den Glindowsee und den Großen Plessower See gebildet.

Rechts liegt der Segelverein Geltow, ansonsten können wir am rechten Ufer wenig von Zivilisation wahrnehmen, es herrschen Schilfufer vor, Anlandemöglichkeiten gibt es kaum. Links dagegen herrscht ziemlich dichte Bebauung vor, dann kommen wir an der Innenstadt von Werder an: diese liegt sowohl auf der großen Halbinsel als auch auf der Insel. Es gibt eine Vielzahl von Rastmöglichkeiten, Restaurants, Eisdielen und natürlich auch Übernachtungsmöglichkeiten, wenn man das möchte. Zum Anlegen paddeln wir am besten zur Landseite der kleinen Insel und unter der schmalen Brücke hindurch. Kurz dahinter befinden sich einige Schwimmstege, landseitig davor ein großer Rasenplatz.  

Auch auf der Außenseite der Insel gibt es einige Restaurants und Biergärten, dort kann man zum Einkehren direkt anlegen. Ansonsten liegen hier viele Privatyachten und teilweise schöne klassische Schiffe. Hinter der Insel von Werder fließt die Havel unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, jetzt sind wir im Großen Zernsee. Kurz davor liegt rechts der Wildpark West und eine Werft, links die Bootswerft Hellmig. 

Auf dem Großen Zernsee gibt es wieder eine Wasserskistrecke rechts der Seemitte, links liegen einige Marinas und eine weitere Werft. Wo der Große Zernsee schmaler wird, zweigt rechts eine langgestreckte Seenkette ab, die durch Sümpfe und wilde Natur führt. Sie heißt "Wublitz" und "Schlänitzsee" und darf mit Motorbooten nicht befahren werden. Sie kreuzt bei Marquardt den Sacrow-Paretzer Kanal, der die Potsdamer Seenhavel, die wir gerade beschreiben, abkürzt und von der Berufsschifffahrt genutzt wird.

Wir paddeln unter einer riesigen Brücke hindurch, hier verläuft die Autobahn 11. Dahinter haben wir den Kleinen Zernsee erreicht. Es wird deutlich ruhiger, der Yachtverkehr läßt nach. Der Kleine Zernsee ist nur noch etwa 300-500 Meter breit, die beiden Ortschaften Phöben (links) und Töplitz (rechts) sind dörflich. In Phöben gibt es eine Badestelle, die sich auch als Pausenplatz und Einsetzstelle eignet und hier kann man den Wachtelberg ersteigen, er ist knapp 90 Meter hoch und wird zum Weinbau genutzt.

Ab Phöben wird die Seen-Havel beinahe ein Fluss, und die nächsten 4 km bis zum abseits liegenden Göttinsee paddeln wir in unserem Kanu in der Natur. Der Göttinsee begleitet uns zwar, ist jedoch durch eine sehr schmale Landzunge von der Havel getrennt. Nur selten erblicken wir ihn durch eine Lücke im Ufergehölz. Mit dem Kanu dürfen wir ihn ohnehin nicht befahren, es ist ein beliebter Anglersee, nur bis zu 2m flach.

Die letzten 500 Meter "Potsdamer Havelseen" sind nur etwa 50 Meter breit, dann mündet von rechts kommend der Sacrow-Paretzer Kanal ein, der selbst gerade den Havelkanal aufgenommen hat (der jüngste Kanal, aus politischen Gründen in den 50iger Jahren von der DDR gebaut). Er kommt von Henningsdorf / Nieder-Neuendorf und umgeht damit die gesamte bisher beschriebene Havel, wenn man von Oranienburg kommt. Paddeln möchte man ihn nicht, da es hier nur öde und kahle Ufer gibt. Die Lage wäre allerdings bestechend und damit die Möglichkeit für Rundtouren.

Paretz selbst liegt nördlich und etwas abseits, wir sehen nichts von diesem Ort. Die Havel wendet sich jetzt vehement nach Nordwesten und bildet plötzlich viele Inseln, weshalb sie auch ab Ketzin, wo wir jetzt gerade angekommen sind, die "Inselhavel" genannt wird.

Ketzin und die Inselhavel, Emster Kanal  nach oben

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Ein ganz besondererAbschnitt beginnt hier: eine sehr zerklüftete, sich immer wieder teilende Havel, die dadurch sehr viele Inseln ausbildet: die größten sind über 1qkm groß. Wollen wir uns am Ort Ketzin orientieren, z.B. wegen einer Übernachtung oder einer Pause sollten wir uns rechts am Ufer halten. An der schmalsten Stelle kommt die Fähre, die Ketzin und Schmergow miteinander verbindet. Rechts liegen eine Marina, ein Anglerverein, der "Campingplatz an der Havel" (ein paar Meter vom Ufer entfernt, hier kann man nicht nur zelten, sondern auch Wohnwagen sowie kieine Hütten mieten: es gibt ebenfalls ein Restaurant mit einem breiten Angebot), das Freibad von Ketzin, der Seesportclub sowie der städtische Anlegesteg an der "Havelpromenade". Hier können wir auch mit dem Kanu anlegen, die Versorgungsmöglichkeiten sind nahe.

Paddeln wir ganz rechts um die Insel "Burgwallkaveln" herum, sind wir am Getreidehafen, wo noch Frachtschiffe mit Getreide beladen werden. Dann folgt rechts eine bizarre Landschaft, in der man früher Ton und Torf abbaute. Dort stehen heute an den vielen kleinen Kanälen und Tümpeln Straßen und Häuser, dazwischen immer wieder wilde Natur, wo es sich auch der Biber gut gehen läßt, wie die vielen Fraßspuren beweisen. Sogar ein Restaurant gibt es in "Brückenkopf", wie der Stadtteil von Ketzin hier genannt wird.

Rechts liegt also Brückenkopf, links einige größere Inseln, dazwischen paddeln wir in Richtung Trebelsee. Die Berufsschifffahrt muß die Fahrrinne benutzen, sie liegt südlich der Inseln oder zwischen ihnen. Im Trebelsee treffen wir uns alle wieder, auch hier gibt es eine Wasserskistrecke.

Der anfangs zerklüftete Trebelsee ist etwa 2 km lang und im Durchschnitt 1,5 km breit, das linke Ufer ist komplett bewaldet, das rechte grenzt dagegen an Wiesen. Etwas abseits liegen Deiche, was darauf hindeutet, daß die Wiesen durch Entwässerungsmaßnahmen entstanden sein müssen. Da hat also vorher ein Teil des "Havelluchs" gelegen. Tasächlich gibt es auch heute noch breite Entwässerungsgräben, die bei Bedarf geschöpft werden müssen. Ein solches Schöpfwerk liegt gleich zu Beginn des Trebelsees rechts. Die Uferlinien sind allerdings mit etwas Gehölz bestanden, so daß man den Deich kaum zu sehen bekommt.

Links des Trebelsees wird auf großem Gebiet traditionell Obst angebaut, das Gelände ist sehr hügelig. An dessen Ende wird links eine riesige Deponie betrieben, wo Bauschutt gelagert wird, sogar mit Schiffen wird das Material hier angefahren. Es ist schon ein großer Hügel entstanden, weitere sollen folgen. 

Dann kurvt die Havel plötzlich wieder wild durch die Landschaft, bildet Inseln, links meist hügelig, rechts am flachen Havelluch vorbei.

Es ist hier nicht immer leicht, einen Pausenplatz zu finden, da die Ufer ja mit scharfem Granit befestigt sind. Ab und zu findet sich eine Badestelle, vor allem links nahe Deetz. Auch am Ende des kleinen Stichkanals, der an der Fichtner-Marina vorbei führt, können wir aussetzen und pausieren. Wer möchte, kann hier auch den kleinen Kanal durch wunderschöne Natur weiter paddeln und gelangt nach einer Viertelstunde wieder auf die Havel.

Vor uns links erheben sich die Götzer Berge, immerhin 108,6 m hoch. Die Havel wird jetzt wieder etwas überichtlicher, sie kurvt zwar immer noch und bildet viele Altarme, die Wasserflächen werden aber zusehends kleiner. Auch Deiche verlieren sich. Sind wir an vier größeren Inseln vorbei, die Namen tragen wie "Großes Ohr" oder "Köhninge", erreichen wir rechts den Yachthafen Eden, der auch einen normalen Campingplatz betreibt. Paddeln wir dort links in die "Krumme Havel" hinein, finden wir uns in einer Art Dschungel wieder. Dieser mündet in den Emster Kanal, kurz vor dessen Einmündung in die Havel.

Der Emster Kanal verbindet die beiden Seen Rietzer See und Netzener See miteinander. Der Rietzer See ist mit seiner sumpfigen Umgebung ein riesiges Vogelschutzgebiet von Europäischer Bedeutung und darf nur auf kurzem Weg passiert werden. Dieser ist durch Tonnen markiert. Der folgende Netzener See ist befahrbar, an seinem Nordufer liegt das "Kanucamp Trechwitz" (Kanuvermietung geführte Kanutouren), auf dem Gelände eines Naturcampingplatzes. Emster Kanal und die beiden Seen sind sehr urig und man kann dort erstaunliche Naturerlebnisse haben, wenn man still ist. Die Entfernung von der Krummen Havel bis zum Kanucamp beträgt etwa 12 Kilometer.

Zurück auf der Havel, bemerken wir immer noch nichts von Strömung. Rechts von uns liegt Klein Kreutz, links Gollwitz und Wust. Bei km 54,5 müssen wir links in den Brandenburger Stadtkanal abbiegen, rechts ist die Vorstadtschleuse im Sommer für kleine Freizeitboote gesperrt (niedriger als 2,70m). Auch wer zum Beetzsee möchte, muß den Weg durch die Stadtschleuse nehmen.

Brandenburg/Havel und Plaue nach oben

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Obwohl ganz nahe der Stadt, paddeln wir zunächst immer noch durch richtige Natur. Von der Stadt Brandenburg sehen wir nichts, die Natur bestimmt hier die Umgebung. Das geht solange weiter, bis wir nahe dem Mühlendamm angekomen sind. Es wird städtisch, die Gebäude stehen jetzt teilweise nahe dem Ufer. Links sehen wir einen Anlieger für Motorboote, links können Kanuten an mehreren Anliegern ihr Kanu festmachen, um die Stadt zu besuchen. Alle anderen Altarme führen nur zu Wehren, an denen man nicht umtragen kann. Dann sind wir in der kleinen Stadtschleuse, es geht sehr ruhig zu. Unterhalb der Stadtschleuse von Brandenburg sind wir bald wieder in der Havel angekommen.

Rechts könnten wir zu der Beetzseekette paddeln, das ist eine Seenkette, die mehr als 21 km nach Norden führt und an der auch die wichtigsten Regattastrecken liegen, für die Brandenburg bekannt ist. Links führt uns die Havel zum Breitlingsee und Plauer See, Frachtschiffe umfahren diese Strecke durch den Silokanal. Die Havel führt uns an einigen Wassersportvereinen und einer Werft vorbei bald aus der Stadt heraus, es wird wieder sehr natürlich, von der Uferbefestigung abgesehen. Die Ufer sind gesäumt von hohem Gehölz, wir paddeln an einem größeren Sumpfgebiet vorbei, in dem auch ein kleiner See etwas abseits liegt.

Wir müssen wirklich achtgeben, nicht im Flachen auf alte Böschungssteine zu geraten, diese sind scharf gebrochen.

Dann kündigt sich schon der nahe Breitlingsee an: rechts liegt ein kleiner Hafen, eine Fähre überquert hier die Havel. Dann nimmt uns der See auf. Wenn wir Glück haben ist wenig Wind. Wenn er aus südlichen Richtungen kommt, haben wir auch Glück und werden in Richtung Plaue geschoben. Herrschen jedoch stärkere nördliche Winde vor, kann die Fahrt bis Plaue zu einem reinen Kraftakt werden. Dabei müssen wir ja auch noch eine relativ stark befahrene Fahrrinne überqueren, wir sollten uns in so einem Fall wirklich ganz dicht am östlichen und später nördlichen Ufer halten. Von rechts mündet dann der Silokanal über den Seeteil "Quenzsee" ein, von dort kommen die Frachtschiffe. 

Am Nordufer des folgenden Sees "Plauer See" liegen eine Wasserwacht mit Wasserschutzpolizeistation, an einer schönen Halbinsel auch der Camping- und Ferienpark am Plauer See. Ansonsten gibt es auf diesem See weitere Campingplätze, z.B. in Malge und auf der Insel "Kienwerder".

Sind wir bei "Plauerhof" vorbei, liegt im Westen der Wendsee, durch den die Schifffahrt geführt wird, die dann weiter den Elbe-Havel-Kanal zur Elbe fährt. Die Havel jedoch fließt hier weiter in Richtung Norden, links liegt Plaue, wo es gute Einkaufsmöglichkeiten gibt sowie einen Fischer. Wir unterqueren 2 Brücken, dann sind wir wieder auf schmalen Havelseen.

Plaue bis Premnitz nach oben

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Rechts direkt hinter der neuen Straßenbrücke kann man gut einsetzen, man findet diese Stelle über die kleine Straße "Am Havelgut". Dahinter liegt der Plauer Ruderclub, gegenüber eine Bootswerft. Dann ändert sich alles: die Havelseen werden schmal, es folgen größere Abschnitte mit Schilf, daneben gibt es Waldufer und wir gleiten an den Dörfern Kaltenhausen und Briest rechts von uns vorbei. Es gibt einige sehr enge Stellen, wo wir uns kaum vorstellen können, daß es hier einmal für längere Zeit Schiffsverkehr gegeben hat, nämlich vor dem Bau des Elbe-Havel-Kanals.

Von Kaltenhausen sehen wir nicht viel, Briest dagegen ist ein sehr langgestrecktes Dorf, es gibt eine Badestelle, wo auch wir Pause machen können.

Dann erscheint eine Halb-Insel, rechts liegt der Ort Kranepuhl, links die Freizeitsiedlung Lutze. Hier gibt es eine Campingmöglichkeit beim Wassersportverein, alles schön im Wald.

Bis Tieckow haben wir immer noch bewaldete Ufer neben uns, die folgende Strecke bis Kützkow wird etwas lichter, da es einige Felder gibt, die bis an das Havelufer reichen.

In Kützkow selbst endet die Seenhavel. Rechts liegen die Orte Pritzerbe und Fohrde. Dort zweigt rechts der Pritzerber See ab. Am dortigen Campingplatz Hohenferchesar haben wir gute Zeltmöglichkeiten, die Entfernung von der Havel beträgt etwa 2500 Meter. 

Die Havel wendet sich hier nach links bzw. nach Nord-Westen, eine Fähre realisiert hier die Verbindung zwischen Kützkow und Pritzerbe. In Pritzerbe selbst gibt es auch noch einen kleinen Strand, an dem man anlegen könnte. Danach paddeln wir wieder durch volle Natur, die Havel windet sich nun als ein etwa 60 Meter breites Gewässer in weiten Kurven durch die Wiesen, wobei sie erneut einige Inseln und Halbinseln bildet.

Halten wir uns links, paddeln wir bald zur Schleuse Bahnitz. Rechts könnten wir unseren Weg durch eine Kahnschleuse neben einem großen Wehr über eine weite Havelschleife nehmen. Im Jahr 2009 ist das nicht möglich, da es hier eine Baustelle gibt. Also müssen wir derzeit die Hauptschleuse nehmen. Wir legen an einem großen Schwimmsteg an und fordern über eine Sprechanlage oder Handy / Sprechfunk unsere Schleusung an. Auch wenn wir ganz allein mit unserem Kanu sind, werden wir durch die riesige Anlage durchgeschleust.

Es folgt links das Dörfchen Bahnitz, es gibt hier gute Anlandemöglichkeiten und einen Biwakplatz. In der nahen Gaststätte kann man sogar duschen gehen. Hier zeigt sich, wie gut es funktioniert, wenn man vorhandene Einrichtungen sinnvoll zu nutzen weiß.

Bei km 87 sehen wir die ersten Häuser von Döberitz, einem Vorort von Premnitz. Die Havel hat hier überall Altarme und ist so zerklüftet, wie ein Fluss nur sein kann. Bei Döberitz gibt es auch wieder eine Insel, ganz herumpaddeln kann man jedoch nicht, da sie durch einen Damm mit dem Land verbunden ist. Am linken Ufer spürt man deutlich, daß das Havelland sehr dünn besiedelt ist und die nächsten Ortschaften weit entfernt liegen. Das liegt sicher daran, daß sie hier oft durch Hochwasser überflutet wird. 

Rechts erscheint das "Wahrzeichen" von Premnitz, das mit einem Großgemälde gestaltete Hafengebäude. Wenn wir näher heran paddeln, erkennen wir vor einer Hafenspundwand Schwimmstege für Motorboote und niedrige für Kanus. Es liegen einige Wohnblocks in Ufernähe, viel mehr bekommt man beim Vorbeipaddeln nicht von Premnitz zu sehen. Es folgt wieder grünes Ufer mit ein wenig Gehölz und viel Schilf und Wiesenlandschaft rechts und links, bis wir zur Straßenbrücke kommen, die Premnitz und Milow miteinander verbindet.

Premnitz bis Strodehne nach oben

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Rechts vor der Brücke liegt das (ehemalige?) Gelände des Kanuvereins, daneben eine öffentliche Einsetzstelle. Auf der linken Havelseite liegt der Ort Milow, hier steht die "Jugendherberge Carl Bolle". Sie wurde modernisiert und 2010 neu eröffnet. Sie bietet allen Komfort, den man von modernen Jugendherbergen gewohnt ist. Um diese erreichen zu und nahe der Jugendherberge anlegen zu können, paddeln wir in die Stremme, die gleich hinter der Straßenbrücke von links in die Untere Havel einmündet. Am dortigen Biwakplatz können wir anlgegen. Er wird von der Jugendherberge betreut, auch dort kann man zelten. Mit dem Bootswagen sind es 200 Meter bis zur Jugendherberge. Dann hat man auch ein WC zur Verfügung,

Die Stremme ist ein kleines Gewässer, das die Elbe mit der Havel verbindet, im Hochsommer jedoch bald zuwächst. Dann kann man sie nur noch die ersten Kilometer befahren. Wieder zurück in der Havel sind wir bald am Örtchen Bützer angelangt, das links liegt. Auch hier gibt es wieder einige verträumte Altarme. Es folgen noch Böhne (links) und Mögelin (rechts im Altarm), von links mündet der Königsgraben in die Havel (ebenfalls eine alte Verbindung zur Elbe, nicht paddelbar). Nach 2-3 km Einsamkeit durch das Havelland sehen wir rechts schon die ersten Siedlungen von Rathenow. Eine Fabik ist auszumachen und der Bismarkturm auf einem hohen Hügel.

Die Havel spart nicht mit Altarmen und Nebengewässern. Rechts stehen einige Gewerbehallen, wir paddeln unter den beiden neuen Eisenbahnbrücken hindurch.

Hinter den Eisenbahnbrücken müssen wir bald rechts einbiegen, um in die Stadthavel zu gelangen. Geradeaus geht es nur für die Lastschiffe (Hauptschleuse), alle anderen müssen durch die Stadtschleuse. Rechts von uns liegt das Gelände des WSV Rathenow, der auch einen Wasserwanderrastplatz betreibt.

Links von uns gibt es ein Gewirr von Altarmen, immer schön von Weiden und Uferstauden eingewachsen, doch nur einer führt zur Schleuse: vorbei an verschiedenen Wassersportvereinen, einem Leuchtturm(!) am großen Stadtwehr und der kleinen städtischen Hafenanlage paddeln wir in die Schleuse. Am Alten Hafen könnten wir an einem (leider zu hohen) Schwimmsteg anlegen, um die Stadt zu besuchen.Einen Not - Ausstieg bietet eine Betontreppe.

Ein freundlicher Schleusenwärter läßt uns hinunter, dann paddeln wir durch einen relativ schmalen Stadtkanal um einen Teil der Innenstadt herum, bis wir wieder die breite "Original"-Havel erreicht haben. Links könnten wir in den Havelarm einbiegen, der direkt zur Innenstadt führt und wo man am sogenannten "Wasserwanderzentrum" anlegen kann. Warum das so genannt wird, ist uns ein Rätsel, aber immerhin ist hier der Optikpark, der auch bedeutender Teil der Landesgartenschau gewesen ist. Am Anleger kann man Essen gehen, duschen und die WC benutzen (sollen Übernachtungsplätze für Motorbootsfahrer sein, an Paddler hat man nicht gedacht). Eigentlich verbitten wir Paddler uns das Wort "Wasserwandern" in Verbindung mit Motoren zu benutzen, denn was ist daran "Wandern", wenn man Hebel zieht oder Knöpfe drückt, Krach und Abgase verursacht...?

Wenn wir dann weiter durch das schöne Havelland in Richtung Elbe paddeln, kommen wir bald an der Einmündung der "Rathenower Stremme" vorbei. Durchfahren können wie sie nicht, da das neugebaute Wehr defekt ist und kaum umtragbar (Stand 2009/2010). So bleiben wir links auf dem Havel-Hauptarm, von links hinten kommt der Havel-Durchstich hinzu, in dem die Hauptschleuse liegt.

Ab Rathenow gibt es meist auch etwas Strömung, im Frühjahr auch schon früher, spätestens ab Schleuse Bahnitz. Die nächsten Kilometer paddeln wir zuerst durch Wiesen, dann an Wald vorbei, bis wir an einem kleinen Trainingsplatz für Pioniere der Bundeswehr vorbei kommen. Rechts fließt nun die Stremme hinzu, und wenn wir nun ab und an ein wenig Straßenlärm zu hören bekomen, ist es kein Wunder: die B102 führt hier nahe der Havel bei Albertsheim vorbei. Am rechten Ufer steht eine Telemetriestation für die Messung von Gewässerdaten wie Wasserstand und Durchflussmenge.

Die Havel ist hier nicht mehr ganz so stark zerklüftet wie vorher, nur ab und zu sehen wir einen Altarm einmünden. Rechts kommen wir an einem schmalen, etwa 1500 Meter langen Kanal vorbei, hier führt die "Hohennauener Wasserstraße" zum Hohenauner See. Dort gibt es einen Campingplatz und eine gute Einsetzstelle. Es lohnt sich sehr, diese Seenkette Hohennauener See und Ferchesaer See sowie den Witzker See zu besuchen, es gibt rinsum viel schöne Natur. Im kleinen Örtchen Hohenferchesar betreibt die Familie Zemlin eine Kanuvermietung und vermietet Ferienwohnungen und -häuser. Dort hat man sich darauf spezialisiert, Naturtouristen mit Kanu oder Fahrrad mit dem schönen Havelland vertraut zu machen. Auch Fahrräder kann man hier mieten.

Durch Wiesen und an einigen Feldern vorbei kommen wir nach weiteren 3,5 km zur Schleuse Grütz, an dessen Oberhaupt man auch gut einsetzen kann, da dieser Platz und damit auch der niedrige Schwimmsteg gut von Land zu erreichen und nicht abgeschlossen ist.

Auch die Schleuse Grütz ist nicht besetzt und wird nach Anforderung von der Zentrale Rathenow aus fernbedient. Obwohl das Schleusenbecken sehr groß ist, dauert eine Schleusung nicht lange. 

Beim Dorf Grütz selbst gibt es einen Biwakplatz, an hier seichtem Ufer können wir leicht anlegen, es ist die örtliche Badestelle. Der Ort Schollene liegt links etwas abseits, an dessen Badestelle kann man aber gut pausieren, er liegt in den Wiesen. Parey liegt dagegen rechts, in Ufernähe liegt nur dessen Wochenendhaussiedlung, auch hier finden wir eine gute Badestelle, an der man auch gut einsetzen kann.

Dann kommen wir nach Molkenberg, gegenüber zweigt rechts die Gülper Havel ab, an dessen Ende das überregional bedeutsame Naturschutzgebiet Gülper See liegt. Hier rasten tausende von Zugvögeln auf ihrem Weg zu den und von den Überwinterungsplätzen. Die Gülper Havel bekommt ab dem Wehr bei Gahlberg Mühle den Haupt-Wasserstrom der Unteren Havel. in der Brutzeit zwischen 1.3. und 15.6. darf die Gülper Havel mit ihren Nebengewässern nicht gepaddelt werden. Aktuelle Änderung sept. 2011: man darf ab 2012 schon ab dem 1. Juni paddeln.

In Molkenberg kann man auch gut an seichtem Ufer rasten oder einsetzen, eine eigenwillige Fähre wird ausschließlich für die Landwirtschaft im Havelland genutzt. Der folgende Abschnitt der Havel ist etwas kahler als gewohnt, der Uferbewuchs spart mit Gehölzen. Zu schauen gibt es aber auch so genug, da es hier nahe dem Gülper See oft Rot- und Schwarzmilane sowie See- und Fischadler zu sehen gibt. Es folgt noch die letzte Schleuse der Havel vor Havelberg, auch diese in Garz ist eine Fernbedienungsschleuse mit Anforderung. Dahinter finden wir einen schönen Übernachtungsplatz (WWR) im einsamen Hafen von Garz, wo es auch ein Restaurant gibt. Zimmer gibt es im Dorf Garz ebenfalls bei Bedarf.

Bevor wir dann die Brücke der L 17 von Garz nach Strodehne Richtung Rhinow erreichen, können wir rechts in dem anderen Havelarm ein Stück aufwärts paddeln. Es ist die Verlängerung der Gülper Havel: Hier bietet Strodehne einen relativ großen Strand sowie ebenfalls einen kleinen Hafen (WWR) mit WC und Duschen. In einem Restaurant mit Biergarten direkt neben dem WWR kann man seine Ernährungslage wieder auf einen guten Stand bringen. Ansonsten ist Strodehne als Künstlerdorf bekannt.

Strodehne bis Havelberg nach oben

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Strodehne ist ebenso wie Garz von einer Havelland-Typischen Architektur, die schon deutlich anders ausfällt als weiter havelaufwärts. Die Häuser wirken nicht so ärmlich, man findet fast so etwas wie eine eigene Baukultur vor, die jedoch schon im vorletzten Jahrhundert entstanden sein muß. Es wäre sicher interessant, sich damit näher zu befassen.

Weiter an etwas kahleren Ufern vorbei paddeln wir durch ein sehr niedrig liegendes Flussgebiet an der Einmündung der Neuen Dosse vorbei, die Orte Wendisch-Kirchhof und Vehlgast-Kümmernitz liegen rechts auf etwas höherem Gelände. Dort gibt es auch wieder einen Biwakplatz, der gut als Einsetzstelle genutzt werden kann.

Die nächsten 7 km bis vor Havelberg gehören zu dem spannendsten, was dieser Fluss durchs Havelland zu bieten hat: die bereits erwähnten Großvögel leben hier in größerer Zahl, dazu Schwarzstörche und viele Biber, die man gelegentlich auch mal beobachten kann. Auch Nerze haben wir hier gesehen. Hier ist die Tierwelt ziemlich mit sich allein, da das umliegende Land größtenteils aus Sumpfgebieten besteht. Wer aufmerksam und ruhig paddelt, kann hier so manches eindrucksvolle Naturschauspiel erleben. Von rechts und links münden noch die Jäglitz und die Jederitz (etwa 1km aufwärts bis zum Ort Jederitz befahrbar, gute Busanbindung) ein, die Mündungen erkennt man jedoch im Sommer kaum, da alles von Uferstauden überwuchert ist und Lücken darin kaum auszumachen sind.

Dann sehen wir Havelberg: diese Stadt liegt zum Teil auf 26 m hohen Hügeln, was in dieser ausgeprägten Ebene schon viel ist. Es gibt auch hier wieder Altarme, wir müssen uns entscheiden, ob wir links oder rechts um die Innenstadt herum paddeln wollen. Direkt vor uns liegt das Erlebnispädagogische Zentrum Havelberg ELCH, wo wir komfortabel in modernen Zimmern übernachten können. Es gibt auch Kanadier und Kajaks zu vermieten. Zur Spülinsel, auf der sowohl der Campingpatz als auch der Havelberger Wassersportverein als gute Übernachtungsmöglichkeit (WWR zusätzlich mit Bungalows) liegt, paddeln wir am besten unter der Sandauer Brücke hindurch und halten uns danach rechts.

Havelberg bietet gute Einkaufsmöglichkeiten und einen Busanschluß zum 9km entfernten Bahnhof Glöwen. Wer jetzt schnell in die Elbe wechseln möchte, kann durch die Schleuse Havelberg im Schleusenkanal schon nach 2,5 km in der Elbe bei Elbe-km 422,8 sein.

Havelberg bis zur Elbe nach oben

Map data © OSM (License)

Von Havelberg bis zur Einmündung der Havel in die Elbe gibt es also für Kanuwanderer drei Möglichkeiten: durch den Schleusenkanal ohne Umtragen, beim Wehr Quitzöbel mit Umtragen fast direkt in die Elbe und ebenfalls in Quitzöbel beim mittleren Wehr durch die Kahnschleuse bzw. mittels Umtragen in den Gnevsdorfer Vorfluter, der dann noch mal fast 10 km lang ist und so langweilig, daß wir ihn noch nie gepaddelt sind.

Aus Havelberg heraus paddeln wir an kleinen Ortschaften wie Toppel, Dahlen und Nitzow vorbei. Die Havel bildet hier eine sehr langgestreckte Insel, danach macht sie eine große Kurve nach Westen. In jener Kurve sind wieder Pioniere der Bundeswehr am Trainieren, wenn man großes Pech hat, kann die Havel hier auch mal gesperrt sein. Danach spürt man schon etwas die Weite, die der Elbe-Landschaft eigen ist: schon nach wenigen Kilometern ist die Wehrgruppe Quitzöbel erreicht. Es gibt zwei Wehre zum Gnevsdorfer Vorfluter, im linken ist eine Kahnschleuse integriert (2009 wegen Baumaßnahmen außer Betrieb). Das linke Wehr zur Elbe müssen wir umtragen, dazu gilt es, eine relativ hohe Böschung zu überwinden. Das Gelände ist hier nicht mehr flach, sondern sandig und hügelig. Die Elbe fließt mit 4-7 km/h, so daß eine Aufwärtstour nicht möglich ist.

Auf der Westseite der Elbe liegt die Stadt Werben, eine Brücke hinüber gibt es jedoch nicht. Wer dorthin möchte, nutzt die Gierfähre (Seilfähre) bei Räbel nahe Havelberg.

Ansonsten gilt hier wie überall an den Flusslandschaften: je breiter ein Fluss ist, umso seltener gibt es Fähren oder Brücken. Das hat in der Vergangenheit durchaus zu spürbaren kulturellen Unterschieden zwischen den Bewohnern geführt.

Wir wünschen allen, die diesen außergewöhnlichen Fluss paddeln, eine schöne Zeit und viele Naturerlebnisse. Man muß ja nicht unbedingt ganz von Berlin aus paddeln, sondern dort einsetzen, wo es etwas ruhiger ist.